Ausland

Athen erwartet Einigung mit Gläubigern bis 9. Mai

Griechenland erwartet im Schuldenstreit mit seinen internationalen Geldgebern eine Lösung bis zum 9. Mai. Trotz Differenzen mit den Gläubigern bei der Arbeitsreform und Mehrwertsteuererhöhung befinde sich Athen in abschließenden Verhandlungen, sagte Regierungschef Alexis Tsipras heute in einem TV-Interview.

Er schließe einen Zusammenbruch des hoch verschuldeten Euro-Landes aus. Vorrang habe jedoch die Auszahlung von Löhnen und Pensionen. Er rechne mit einer vorläufigen Einigung bei den Reformen in dieser oder der nächsten Woche.

Tsipras droht EU mit Referendum

Verkäufe von Staatseigentum seien Teil der Athener Zugeständnisse an die Gläubiger. Dazu zählten die Abgabe des Hafens in Piräus und die Verpachtung von regionalen Flughäfen, ergänzte der Ministerpräsident. Sollten die Geldgeber jedoch auf Forderungen bestehen, die Athen nicht akzeptieren könne, werde er auf ein Referendum zurückgreifen müssen. Neuwahlen schloss er allerdings ausdrücklich aus.

Ohne Einigung mit den Geldgebern droht dem Land die Pleite. Griechenland wird seit 2010 mit Hilfen von 240 Milliarden Euro gestützt.

Parlament soll Reformen absegnen

Die griechische Regierung will unterdessen ihre Reformvorhaben in Gesetzeskraft gießen und damit einem Tel der Forderungen der Gläubiger nachkommen. Ein entsprechender Schritt werde derzeit vorbereitet, erklärte das Finanzministerium gestern. Er solle Reformen im Haushalts- und Steuerrecht ebenso beinhalten wie Änderungen der Verwaltungsstrukturen, Fernsehlizenzen und Steuern auf Fernsehwerbung.

Die Gläubiger wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Union (EU) haben verlangt, dass Griechenland seine Entschlossenheit zu Reformen dadurch zeigt, dass sie vom Parlament verabschiedet werden. Ein solcher Schritt könnte neuen Schwung in die zähen Verhandlungen über Hilfsgelder für das von einer Staatspleite bedrohte Land bringen.

Athen schickt neuen Chefunterhändler in Verhandlungen

Davor hatte Tsipras aus den schleppenden Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern personelle Konsequenzen gezogen. Laut Angaben aus Regierungskreisen wird der Chefunterhändler der griechischen Delegation bei den Geldgebern ausgetauscht. Der frühere Unterhändler Giorgos Chouliarakis ersetze Nikos Theocharakis, den Vertrauten des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis.

Chouliarakis war bereits während der vorigen Regierung als Fachmann bei den Verhandlungen dabei und soll das Vertrauen der Geldgeberexperten haben. Zudem sei eine Arbeitsgruppe der griechischen Regierung für die politischen Verhandlungen mit den Geldgebern einberufen worden. Dieser gehöre auch Varoufakis an. Die Koordination werde aber der stellvertretende Außenminister Euklides Tsakalotos haben.

Ban ruft EU zu Engagement bei Seenotrettung auf

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat angesichts der Flüchtlingstragödien auf dem Mittelmeer die gesamte EU aufgerufen, die Seenotrettung zu unterstützen.

„So viele tausend Menschen haben ihr Leben verloren in ihrem Streben nach einer besseren Zukunft“, sagte Ban laut einer Mitteilung der Vereinten Nationen gestern beim Besuch auf dem italienischen Marineschiff „San Giusto“ vor der Küste Siziliens. „Ein einzelnes Land - wie Italien - kann nicht diese ganze Verantwortung tragen.“

„Schlimmste humanitäre Krise“ seit 1945

Ban bezeichnete die Lage im Mittelmeer als „die schlimmste humanitäre Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“. Das Mittelmeer sei „ein Meer der Tränen, ein Meer des Elends“ geworden. Der UNO-Generalsekretär hatte sich mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi per Hubschrauber auf das Marineschiff bringen lassen.

Die Drei wollten auf die „europäische Solidarität“ bei den Bemühungen um die Rettung von Menschenleben im Mittelmeer hinweisen, wie Mogherinis Büro vorab mitgeteilt hatte.

„Politische Lösung suchen“

Renzi bezeichnete bei der Schiffstour den Kampf gegen Schlepperbanden laut italienischer Nachrichtenagentur ANSA als „absolute Priorität, für die wir weiter die Unterstützung der Vereinten Nationen haben“. Ban forderte unterdessen, die Fluchtursachen zu bekämpfen. „Wir müssen auch (eine) politische Lösung an Ort und Stelle finden, insbesondere in Libyen“, sagte er. Er setze darauf, dass die EU hierbei die Führung übernehme.

Die EU bemüht sich um die Rückendeckung der UNO für einen EU-Militäreinsatz gegen Schleuser, die Flüchtlinge auf die gefährliche Reise über das Mittelmeer schicken. Einen entsprechenden Beschluss hatten die EU-Staats- und -Regierungschefs bei einem Sondergipfel am Donnerstag gefasst. Ban sagte allerdings am Wochenende, es gebe keine militärische Lösung für die Flüchtlingstragödie.

Einreise in EU: „Nachtwölfe“ wollen neuen Versuch machen

Mitglieder des russischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ wollen Medienberichten zufolge heute einen weiteren Versuch unternehmen, nach Polen einzureisen und ihre „Siegesfahrt“ von Moskau nach Berlin fortzusetzen.

Möglicherweise komme es auch zu einer Routenänderung etwa über die baltischen Staaten und Finnland, berichtete der Nachrichtensender TVN 24.

Das polnische Außenministerium hatte am Freitag erklärt, die dem Kreml nahestehenden Biker dürften nicht nach Polen einreisen. Gestern waren die „Nachtwölfe“ am polnisch-weißrussischen Grenzübergang Terespol-Brest zurückgewiesen worden.

Mehr dazu in Visa für ungültig erklärt

EU-Kommission stellt Strategiepapier zur Terrorpolitik vor

Die EU-Kommission stellt heute Nachmittag ein Strategiepapier zum Kampf gegen Terrorismus, organisierte Kriminalität und Cyberkriminalität vor. Damit will die Brüsseler Behörde Leitlinien für ihre Politik bis zum Jahr 2020 setzen. Nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ ist unter anderem ein Zentrum zur Terrorismusbekämpfung unter dem Dach der europäischen Polizeibehörde Europol angedacht.

Der Vizepräsident der EU-Kommission Frans Timmermans und EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos wollen die Pläne gemeinsam in Straßburg vorstellen. Dort tagt diese Woche das Europaparlament.

Radikaler Islamist in Bosnien tötete Polizisten

Ein Polizist ist gestern Abend bei einem Angriff im ostbosnischen Zvornik von einem radikalen Islamisten getötet, zwei weitere sind verletzt worden. Laut bosnischen Medienberichten drang der Angreifer gegen 19.00 Uhr unter „Allahu akbar“-Rufen (Gott ist groß) in die Polizeistation ein.

Der Angreifer soll nach Angaben des Internetportals Nezavisne novine mit seinem Wagen vor die Polizeistation in Zvornik gefahren sein. Als er daraufhin angewiesen worden sei, dass an jener Stelle das Parken verboten ist, begann er zu schießen, berichtete das Internetportal.

Unter „Allahu akbar“-Rufen war der Täter in die Polizeiwache gestürmt. (iptv.ORF.at)

Angreifer getötet

Eine Polizeisprecherin bestätigte unterdessen den Tod eines Polizisten und die Verletzung von zwei weiteren. Medienberichten zufolge wurde in der Schießerei auch der Angreifer getötet.

Der bosnisch-serbische Präsident Milorad Dodik bezeichnete den Überfall als einen Terrorangriff auf die Institutionen und beschuldigte in einer ersten Reaktion die bosnischen Sicherheitsstrukturen, funktionsunfähig zu sein. Es würde potenzielle Terrorschläfer geben, die jederzeit bereit seien, einen Terrorakt vorzunehmen, wurde Dodik von Medien zitiert.

Inland

Kärnten läuft in Kreditpoker Zeit davon

Einmal mehr ohne handfeste Resultate ist gestern eine Verhandlungsrunde zum dringend benötigten Bundeskredit für Kärnten zu Ende gegangen. Bis zu einer Lösung könnte es Mitte bis Ende Mai werden, räumten die Kärntner Verhandler nach ihrem Termin im Finanzministerium ein.

Damit wird die Zeit für Kärnten, das vom Bund dringend 343 Mio. Euro braucht und andernfalls sogar in die Zahlungsunfähigkeit schlittern würde, aber knapp. Wie es scheint, hat Kärnten angesichts des steigenden Drucks bereits erste Zugeständnisse gemacht. Umgekehrt kann das Bundesland bei einer Pleite drohen, andere mitzuziehen.

Mehr dazu in Erste Zugeständnisse

Republiksjubiläum: Mahnende Worte von Fischer

Mit einem Staatsakt hat Österreich gestern der Gründung der Zweiten Republik gedacht. Am 27. April 1945 unterzeichnete die provisorische Staatsregierung die Unabhängigkeitserklärung und erklärte Österreich darin zum ersten Opfer Hitler-Deutschlands. 70 Jahre später lud Bundespräsident Heinz Fischer zu den offiziellen Feierlichkeiten in die Hofburg - und erinnerte in seiner Rede daran, dass Österreicher „nicht nur Opfer“, sondern „auch rücksichtslose Täter“ waren.

Mehr dazu in Gauck als Ehrengast in Wien

Finanzausgleich: Fünf Arbeitsgruppen beschlossen

Die erste Runde der Verhandlungen über den Finanzausgleich hat wie erwartet noch keine konkreten inhaltlichen Ergebnisse gebracht. Eingerichtet werden fünf Arbeitsgruppen, die sich den wichtigsten Themen widmen sollen. Angepeilt wird ein Abschluss in der ersten Hälfte 2016.

Dass man noch im heurigen Jahr zu einem Ergebnis kommen könnte, hält Niederösterreichs Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (ÖVP) für „vollkommen unrealistisch“. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) geht davon aus, dass bis Mitte 2016 ein Ergebnis stehen sollte. Auch Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) sprach zuvor von einem angepeilten Abschluss bis Mitte 2016.

Erst im Juni dieses Jahres wird laut dem Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) die Lenkungsgruppe mit jeweils vier Vertretern von Ländern und Bund wieder zusammenkommen. Bis dahin werden in Arbeitsgruppen die Inhalte näher aufbereitet.

Unter anderem wird man sich darin der Krankenanstaltenfinanzierung, der Pflegefinanzierung, der Aufgabenorientierung, der Transparenz der Geldflüsse zwischen den Gebietskörperschaften und einer möglichen Steuerhoheit widmen, erklärte Sobotka. Einfließen werden aber auch viele andere Themen wie etwa der EU-Beitrag der Länder, erläuterte Wallner.

Wirtschaft

China mit weltweit zweitgrößter Weinanbaufläche

China ist inzwischen nach Spanien und vor Frankreich das Land mit der zweitgrößten Weinanbaufläche der Welt. Im vergangenen Jahr wurde in China auf insgesamt 799.000 Hektar Wein angebaut, wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) gestern in Paris mitteilte. Spanien lag mit 1,02 Millionen Hektar Rebfläche auf dem ersten Platz, Frankreich mit 792.000 Hektar auf Platz drei.

In Europa werden seit Jahren die Weinanbauflächen reduziert, um die Qualität der Weine zu steigern - nicht aber in Ländern wie China. Bei der Weinproduktion indes liegt Frankreich mit großem Abstand vor China auf dem ersten Platz: Im vergangenen Jahr wurden in dem Land 46,7 Millionen Hektoliter Wein produziert.

In Italien waren es laut den noch nicht endgültigen OIV-Zahlen 44,7 Millionen, in Spanien 41,6 Millionen Hektoliter. In China wurden 2014 knapp 11,2 Millionen Hektoliter Wein produziert, die Volksrepublik liegt damit international auf dem achten Platz.

EZB kaufte Staatsanleihen für 85 Milliarden Euro

Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt ihr über eine Billion Euro schweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen voran. In den ersten sieben Wochen des festgelegten Zeitraums erwarben die Währungshüter für insgesamt 85 Milliarden Euro öffentliche Schuldtitel, wie die EZB gestern mitteilte. In der Zahl sind bis zum 24. April abgewickelte Käufe enthalten. Die EZB gibt wöchentlich Auskunft über den aktuellen Stand.

Pro Monat wollen die EZB und die nationalen Notenbanken Papiere im Umfang von rund 60 Milliarden Euro erwerben. Darin sind auch Pfandbriefe („Covered Bonds“) und Hypothekenpapiere („ABS“) enthalten. Die Währungshüter starteten ihr Kaufprogramm am 9. März. Bis September 2016 wollen sie Wertpapiere im Gesamtumfang von rund 1,14 Billionen Euro erwerben.

EZB-Präsident Mario Draghi will mit dem in der Fachwelt „Quantitative Easing“ (QE) genannten geldpolitischen Schritt die Kreditvergabe der Banken anschieben und damit der angeschlagenen Konjunktur in der Euro-Zone wieder auf die Beine helfen.

Steuersünder zahlten im Vorjahr 132 Mio. an Strafen

Im Jahr 2014 sind 131,7 Millionen Euro an Strafzahlungen, die Steuersündern abgeknöpft worden sind, an den österreichischen Staat geflossen. Die Summe umfasst die von den Verwaltungsbehörden und von den Gerichten festgesetzten Strafen. Sie war mehr als doppelt so hoch wie 2013 (58,35 Mio. Euro). Dabei ist die Zahl der mit Bestrafung oder Verwarnung abgeschlossenen Fälle gesunken - von 9.458 auf 9.009.

Das geht aus einer Anfragebeantwortung des Finanzministers auf eine Anfrage der SPÖ-Abgeordneten Walter Schopf und Dietmar Keck hervor, die sich nach den Strafen gemäß Finanzstrafgesetz erkundigten. 1.077 Fälle wurden 2014 eingestellt.

Die eingehobenen Strafen wegen Abgabenverkürzungen waren in den vergangenen Jahren stetig gesunken: 2005 etwa waren 179,5 Millionen Euro kassiert worden, im Jahr 2010 dann 140,5 Millionen. 2011 lag die Summe unter der 100-Millionen-Marke, bei 83,9 Mio. Euro, und 2012 bei 70 Mio. Euro.

Sport

Bundesliga: ÖFB-Goalie Almer kehrt zur Austria zurück

Die Austria hat gestern eine wichtige Personalentscheidung für die nächste Saison bekanntgegeben: Tormann Robert Almer wird nach der Saison von Hannover 96 zu den Wienern wechseln.

Für den ÖFB-Goalie ist der Transfer die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Bis 2011 stand der 31-Jährige bei den „Veilchen“ unter Vertrag, ehe er nach Deutschland wechselte. Nachdem die Auslandskarriere nicht wie erhofft verlaufen war, ließ sich Almer von Sportdirektor Franz Wohlfahrt von einem Comeback bei der Austria überzeugen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Chronik

Wettersturz: Frühlingsgefühle wieder auf Eis gelegt

„Unbeständiges, meist kühles Wetter mit raschem Wechsel zwischen heftigen Schauern und Aufheiterungen, wie es im April häufig ist“: In den kommenden Tagen wird das April-Wetter seiner Duden-Definition wieder mehr als gerecht. Nach einigen sehr schönen Tagen mit fast sommerlichen Temperaturen ist mit Frühlingsgefühlen heute schon wieder Schluss. Ein Kälteeinbruch, Gewitter, Sturm und sogar Schnee stehen bevor.

Mehr dazu in Warm anziehen, gut festhalten

Mann ging mit abgetrenntem Kopf in Sporttasche spazieren

Die bolivianische Polizei hat in La Paz einen Mann festgenommen, der mit einem abgetrennten Kopf in einer Sporttasche unterwegs war. Bei einer Routinekontrolle gestern in der Gegend eines Friedhofs öffneten die Beamten die Tasche des mutmaßlichen Täters und entdeckten den Kopf und zwei Arme, wie Polizeichef Daniel Quintanilla dem Radiosender Erbol sagte.

Die Beamten fanden dann bei einer Wohnungsdurchsuchung den Rest der Leiche eines ungefähr 20-jährigen Mannes. Die Polizei vermutet, dass der mutmaßliche Täter psychisch gestört ist.

„Sewol“-Fährunglück: Lebenslange Haft für Kapitän

Ein Berufungsgericht in Südkorea hat den Kapitän der vor einem Jahr untergegangenen Fähre „Sewol" zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Kapitän Lee Jun Seok sei wegen Mordes verurteilt worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. 

Das Berufungsgericht in Kwangju ging damit über das Urteil der ersten Instanz im November hinaus, als gegen Lee wegen grober Fahrlässigkeit eine Haftstrafe von 36 Jahren verhängt wurde. Offiziell kamen 295 Menschen beim Untergang der "Sewol“ am 16. April 2014 ums Leben, neun gelten als vermisst. Die meisten Opfer waren Schüler auf einem Ausflug. Das Schiff war überladen.  

Medien

Ärger um PEN-Preis für „Charlie Hebdo“ in den USA

Die Auszeichnung der Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ mit dem PEN-Preis für Mut und Meinungsfreiheit sorgt in den USA für Ärger. Sechs Schriftsteller, darunter Michael Ondaatje, Teju Cole und Rachel Kushner, hätten aus Protest gegen die Ehrung ihre Teilnahme an der Preisgala am 5. Mai abgesagt, berichtete die „New York Times“ heute.

Kushner begründete das mit der „kulturellen Intoleranz“ der Zeitschrift. Auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, die immer wieder religionskritische Karikaturen veröffentlicht hatte, wurde im Jänner ein Anschlag von Islamisten verübt, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen.

Der Schriftstellerverband PEN zeigte sich überrascht von der Ankündigung der sechs Mitglieder. „Wir wussten alle, dass es eine in einigen Hinsichten kontroverse Entscheidung war“, sagte PEN-Präsident Andrew Solomon. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass das Thema diese speziellen Bedenken bei diesen speziellen Autoren auslösen könnte.“

IT

Starker iPhone-Absatz lässt Apple-Kasse klingeln

Apples iPhone verkauft sich auch nach dem Weihnachtsgeschäft stark. Im vergangenen Quartal stieg der Absatz im Jahresvergleich um 40 Prozent auf knapp 61,2 Millionen Geräte.

Entsprechend gut fielen auch die Geschäftszahlen aus. Der Umsatz in dem Ende März abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal wuchs um 27 Prozent auf 58 Milliarden Dollar (53,7 Mrd. Euro). Der Gewinn sprang sogar um ein Drittel auf 13,6 Milliarden Dollar, wie Apple gestern nach US-Börsenschluss mitteilte.

Mehr Geld für Aktionäre

An die Aktionäre sollen nun weitere 70 Milliarden Dollar ausgeschüttet werden. Damit bekommen sie insgesamt 200 Milliarden Dollar, von denen gut 100 Milliarden sie bereits erreichten. Die Aktie legte nachbörslich zeitweise um gut 1,7 Prozent zu.

IPads schwächeln

Eine Schwachstelle bleibt der Absatz der iPad-Tablets. Ihre Verkäufe sanken im Jahresvergleich um fast ein Viertel auf 12,6 Millionen Stück. Apple versucht unter anderem über eine Partnerschaft mit IBM, den Absatz der Tablets in Unternehmen anzukurbeln.

Die Verkäufe der Mac-Computer legten dagegen gegen den dauerhaft schwachen Branchentrend um zehn Prozent auf 4,56 Millionen Geräte zu. Die Macs bringen jetzt wieder etwas mehr Umsatz ein als die iPads.

Das iPhone bleibt aber mit großem Abstand das wichtigste Produkt für Apple. Im vergangenen Quartal erwirtschaftete es mit 40,3 Milliarden Dollar mehr als zwei Drittel des Geschäfts.

Google investiert 150 Mio. in Journalismus in Europa

Der Internetkonzern Google will in den nächsten drei Jahren 150 Millionen Euro ausgeben, um Innovationen im digitalen Journalismus in Europa zu fördern. Außerdem will Google in einer Arbeitsgruppe direkt mit Medienmachern sprechen. Damit will der Suchmaschinenriese sein angespanntes Verhältnis zur Medienbranche verbessern. Details zu der geplanten Initiative wollte Google heute Vormittag in London vorstellen.

Die Aktivitäten laufen unter dem Namen „Digital News Initiative“, Initiative für digitale Nachrichten. Zum Start sind acht renommierte Medien beteiligt, darunter die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) und die „Zeit“ aus Deutschland sowie die britische Zeitung „Guardian“. Auch drei internationale Journalistenvereinigungen sind dabei. Die Initiative soll aber auch für andere Medien offen sein. Für den Innovationsfonds könne sich jeder bewerben, hieß es, auch reine Onlinemedien oder Start-ups.

„Hand in Hand mit Verlegern arbeiten“

Es gebe verständliche Diskussionen darüber, wie hochwertiger Journalismus im digitalen Zeitalter weitergeführt werden könne, sagte Google-Manager Carlo D’Asaro Biondo. „Google wird Hand in Hand mit Verlegern und Organisationen arbeiten, um zu helfen, nachhaltigere Modelle für Nachrichten zu entwickeln.“ Dazu soll die gemeinsame Arbeitsgruppe dienen, der zu Anfang die acht Gründungsmitglieder der Initiative angehören.

Sie wollen sich mit Google darüber austauschen, wie Bedürfnisse von Verlegern stärker in den Google-Produkten berücksichtigt werden können. Dabei geht es etwa um Werbeanzeigen, bezahlten Journalismus im Netz und die Nachrichtensuche Google News.

Gerade über die Darstellung von Verlagsinhalten bei Google News und der Google-Suche gibt es in mehreren europäischen Ländern Streit. In Deutschland ringt eine Vielzahl von Verlagen darum, ob Google ihnen Geld bezahlen muss, wenn kleine Fragmente („Snippets“) ihrer Artikel in der Nachrichtensuchmaschine Google News anzeigt werden. Die „FAZ“ und die „Zeit“ beteiligen sich nicht an der VG Media, die Forderungen gegenüber Google geltend macht. In Spanien wurde Google News im Dezember ganz abgeschaltet, weil Google sonst eine Gebühr an die Verleger hätte zahlen müssen.

Trainingsprogramm für Journalisten

Zu der „Digital News Initiative“ zählt auch ein Trainingsprogramm von Google für Journalisten. Das US-Unternehmen will zudem Geld für Forschung zu Crowdsourcing und zur veränderten Mediennutzung bereitstellen. Wie viel das genau sein soll, wollte Google zu Beginn der Initiative nicht sagen.

Science

Studie: Wald schwindet zusehends

Eine Waldfläche fast 20-mal so groß wie Deutschland könnte nach einer neuen Studie bis 2030 verloren gehen. Weltweit werde die Zerstörung von bis zu 170 Millionen Hektar Wald befürchtet, teilte die Umweltorganisation WWF heute in Berlin mit.

Laut der Studie muss mit den größten Verlusten in den Tropen gerechnet werden. Besonders betroffen seien Borneo, die Mekong-Region und das Amazonas-Gebiet.

Stärkste Vernichtung am Amazonas

Im Amazonas-Gebiet sehen die Umweltschützer die stärkste Vernichtung voraus. Fast ein Drittel des größten Regenwaldgebietes der Erde könnte in 15 Jahren keine Bäume mehr haben - das wären 48 Millionen Hektar. Die Studie hat insgesamt elf „Entwaldungsfronten“ ausgemacht.

Die letzten großen intakten Waldgebiete könnten einem gigantischen Raubbau zum Opfer fallen, warnte Jörg-Andreas Krüger vom WWF. Die Waldzerstörung heize den Klimawandel an und vernichte den Artenreichtum bei Pflanzen und Tieren.

Viehhaltung und Monokulturen

Als globalen Hauptgrund nennt die Studie die industrielle Landwirtschaft. Die Viehhaltung und der Anbau von riesigen Monokulturen wie Soja und Ölpalmen verschlingen laut WWF immer mehr Flächen. Hinzu kämen der Abbau von Bodenschätzen und Infrastrukturprojekte.

Die aus der Entwaldung gewonnenen Produkte landeten zu einem großen Teil in Europa, so WWF-Experte Krüger. Dort würden gleichzeitig mehrere negative Entwicklungen aufeinandertreffen. Neben der Expansion der Agrarindustrie wirkten sich auch der Straßen- und Kraftwerksbau negativ auf die Natur aus.

Kultur

US-Drehbuchautor Don Mankiewicz gestorben

Der amerikanische Drehbuchautor Don Mankiewicz, Sprössling einer berühmten Hollywood-Familie, ist tot.

Wie sein Sohn der „Los Angeles Times“ mitteilte, starb Mankiewicz am Samstag in seinem Haus im kalifornischen Monrovia an Herzversagen. Sein Skript für den Spielfilm „Lasst mich leben“ (1958) über eine Frau in der Todeszelle hatte eine Oscar-Nominierung erhalten.

Er schrieb auch die Drehbücher für Filme wie „Der Chapman-Report“ und „In der Falle des Lockvogels“ sowie für TV-Projekte, darunter die Krimiserie „Der Chef“. Sein Vater Herman J. Mankiewicz (1897-1953) hatte für das Drehbuch von „Citizen Kane“ den Oscar erhalten.

Sein Onkel Joseph L. Mankiewicz (1909-1993) inszenierte Filmklassiker wie „Alles über Eva“, „Die barfüßige Gräfin“ und „Cleopatra“.

Crossing Europe: Preise und ein Rückblick

Mit der Preisverleihung ging gestern Abend das rundum gelungene elfte Crossing-Europe-Filmfestival in Linz zu Ende. Gewonnen haben „Autoportretul Unei Fete Cuminti“ („Selbstporträt einer pflichtbewussten Tochter“), „Varvari“ („Barbarians“) und „Flotel Europa“. Im Fokus stand auch heuer ein junges, kritisches Filmschaffen fernab des Mainstreams. Dabei zog sich das Thema Flucht und Migration leitmotivisch durch alle Programmschienen - als beklemmendes Spiegelbild aktueller Schlagzeilen vom Massensterben vor Lampedusa.

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Digitales Kino: Der neue Job der Filmvorführer

Sie sind so etwas wie die DJs des bewegten Bildes gewesen. Statt aufzulegen, legten sie die Filmrollen ein, passten den richtigen Moment ab und schärften händisch nach. Mit der Umstellung der Kinos auf die digitale Projektion hat sich ihr Beruf von Grund auf verändert. Was machen Filmvorführer eigentlich heute? ORF.at traf am Rande des Linzer Festivals Crossing Europe zwei von ihnen zum Gespräch.

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