„Brexit“-Votum

S&P entzieht Großbritannien Topbonität

In Reaktion auf das „Brexit“-Votum hat die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) Großbritannien die Topkreditwürdigkeit aberkannt. Die Bonität des Landes sei von der besten Bewertung „AAA“ um zwei Stufen nach unten auf „AA“ herabgestuft worden, teilte die Agentur heute mit. Zudem sei der Ausblick negativ.

Die Abstufung sei darauf zurückzuführen, dass das „Brexit“-Votum „die Vorhersehbarkeit, die Stabilität und die Effektivität der politischen Prozesse in Großbritannien“ schwächen werde, so die Ratingagentur. Zudem seien Auswirkungen auf die britische Wirtschaft und die Staatsfinanzen zu erwarten.

Höhere Zinsen durch schlechteres Ranking

Ein schlechteres Rating kann letzten Endes dazu führen, dass ein Land höhere Zinsen auf dem Kapitalmarkt zahlen muss oder allgemein schlechter an frisches Geld gelangt. Großbritannien gehörte zu den wenigen Ländern mit der Topnote „AAA“, dem sogenannten Triple-A.

Die S&P-Analysten warnten, dass das „Brexit“-Votum zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes führen könnte. Sie nannten dabei explizit die Finanzbranche, die einen wesentlichen Teil zur Beschäftigung und zu den öffentlichen Einnahmen beitrage.

„Hohes Maß an Unsicherheit“

Darüber hinaus warnte S&P vor einem Zerfall Großbritanniens. Das Ergebnis des Referendums „könnte eine konstitutionelle Krise auslösen, wenn es zu einem zweiten Referendum um die schottische Unabhängigkeit von Großbritannien führt“.

Die anstehenden Verhandlungen um einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union seien „mit einem hohen Maß an Unsicherheit“ darüber verbunden, wie der „Brexit“ letztlich ausgestaltet werde, so die Ratingagentur weiter. Die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen könnten sich weit über die zwei Jahre hinaus hinziehen, die für den eigentlichen EU-Austritt veranschlagt würden.

Bisher ist S&P die einzige der führenden Ratingagenturen, die Großbritannien in Reaktion auf das „Brexit“-Votum herabgestuft hat. Moody’s hatte den Ausblick für die Bonitätsbewertung allerdings schon am Freitag von stabil auf negativ gesenkt. Das Rating ließ Moody’s indes zunächst unverändert bei „AA1“, also eine Stufe unter der Topnote.

EZB-Präsident Draghi nimmt an EU-Gipfel teil

EZB-Präsident Mario Draghi wird nach dem „Brexit“-Votum am geplanten EU-Gipfel in Brüssel teilnehmen. Der oberste Währungshüter werde morgen und am Mittwoch dem EU-Treffen beiwohnen, sagte ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) heute. Es wird erwartet, dass Draghi dort die EU-Staats- und -Regierungschefs darüber informiert, welche Folgen die Abstimmung in Großbritannien für die Währungsunion hat.

Damit wirbelt das Abstimmungsergebnis in Großbritannien auch das Programm der großen EZB-Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra durcheinander. Dort sollte Draghi ursprünglich am Mittwoch an einer hochkarätigen Diskussionsrunde mit dem Gouverneur der Bank of England (BoE), Mark Carney, und US-Notenbankchefin Janet Yellen teilnehmen.

Draghi spricht auch bei EZB-Forum

Diese Runde wurde nun gestrichen. Carney hatte bereits am Wochenende seine Teilnahme abgesagt. Die Notenbank Federal Reserve (Fed) bestätigte am Nachmittag, dass Yellen nicht nach Sintra reisen wird.

Das EZB-Forum in Sintra zählt neben der von der US-Notenbank organisierten Konferenz in Jackson Hole zu den wichtigsten jährlichen internationalen Geldpolitiktreffen. Wissenschaftler und Notenbanker aus aller Welt tauschen sich dort über die aktuellen Themen der Geldpolitik aus. Eine für morgen geplante Rede von Draghi in Sintra soll wie geplant stattfinden.

Weiter Talfahrt an den Börsen

Der Schock über den „Brexit“ ist auch heute auf den Finanzmärkten spürbar gewesen. Die Aktienbörsen in Europa setzten ihre Talfahrt fort, das Pfund Sterling brach auf ein frisches 31-Jahres-Tief ein. Der deutsche Leitindex DAX sackte um drei Prozent ab, der Euro Stoxx 50 fiel um 2,8 Prozent.

Der britische Footsie verlor mit 2,6 Prozent etwas weniger, da die Aktien von Goldminenkonzernen wie Randgold und Fresnillo angesichts des Anstiegs des Goldpreises hoch im Kurs standen. An der Wall Street notierten der Dow-Jones und der S&P500 zum europäischen Handelsschluss mit je etwa 1,5 Prozent schwächer.

Weitere Verluste an US-Börsen

Auch die US-Börsen steckten heute im Verlauf weiter Verluste ein. Gegen 19.40 Uhr notierte der Dow Jones mit einem Minus von 253,57 Zählern oder 1,46 Prozent bei 17.147,18 Punkten. Der S&P-500 Index lag 35,56 Punkte oder 1,75 Prozent im Minus bei 2.001,85 Zählern. Der NASDAQ Composite Index büßte 103,31 Zähler oder 2,19 Prozent auf 4.604,67 Einheiten ein.

Und auch die Moskauer Börse schloss heute erneut sehr schwach. Der Moskauer RTS-Interfax-Index fiel um 2,60 Prozent auf 888,78 Punkte. Am Freitag hatte der Index nach dem „Brexit“-Votum der Briten bereits 3,04 Prozent verloren.

Kaczynski will Briten Rückkehr in die EU ermöglichen

Der Vorsitzende der polnischen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, will Großbritannien nach dem „Brexit“-Votum die Rückkehr in die Europäische Union ermöglichen.

Als erster europäischer Führungspolitiker vertrat Kaczynski heute die Ansicht, die Briten sollten Gelegenheit erhalten, bei einem zweiten Referendum den Beschluss über den Austritt aus der EU vom vergangenen Donnerstag zurückzunehmen. Der Austritt Großbritanniens aus der EU sei „sehr schlecht“, fügte Kaczynski hinzu.

Kritik an Deutschland

Das alte, „fatale Prinzip“, nach dem es „mehr Europa geben muss, wenn etwas nicht funktioniert“, müsse aufgegeben werden, forderte Kaczynski. Dieses Prinzip sei darauf hinausgelaufen, dass es immer „mehr Integration, mehr Macht für Brüssel - das heißt für Berlin und Paris, vor allem für Berlin“ gegeben habe, sagte Kaczynski. Die immer engere politische und wirtschaftliche Integration könne „in einer Katastrophe enden“.

Angriff auf Tusk

Kaczynski gehört nicht der Regierung von Ministerpräsidentin Beata Szydlo an, gilt aber als zentraler Entscheidungsträger der polnischen Führung. In einer ersten Reaktion auf das „Brexit“-Votum hatte er am Freitag ein Modell auf der Basis der „Nationen, der Nationalstaaten“ vorgeschlagen.

Kaczynski kritisierte die Rolle, die der aus Polen stammende EU-Ratspräsident Donald Tusk in der Debatte über den „Brexit“ gespielt habe, als „ausgesprochen finster“. Der frühere polnische Ministerpräsident Tusk gehört dem liberalen Lager an, das mit der PiS verfeindet ist. Tusk müsse „ganz einfach von der europäischen Bühne verschwinden“, sagte Kaczynski.

Ausland

Streikende Lehrer in Mexiko blockierten Straßen

Streikende Lehrer haben aus Protest gegen eine Bildungsreform Landstraßen im Süden Mexikos und Grenzübergänge nach Guatemala blockiert. Die Demonstranten sperrten wichtige Fernstraßen in den Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas, teilweise auch die Zufahrt zum Flughafen von Oaxaca und Brücken an der Grenze zu Guatemala, wie lokale Medien heute berichteten.

Gewerkschaft droht Verlust von Einfluss

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei waren vor einer Woche acht Menschen getötet und rund 100 weitere verletzt worden.

Die Lehrer wehren sich dagegen, dass sie im Rahmen des Reformprogramms einer Prüfung unterzogen werden sollen. Außerdem sollen die Gewerkschaften ihren Einfluss auf die Postenvergabe verlieren. Viele Lehrer in Mexiko sind schlecht ausgebildet. In einigen Regionen des Landes wurden Lehrerposten bisher sogar vererbt.

17 Soldaten bei Absturz in Kolumbien gestorben

Bei einem Hubschrauberabsturz im Westen Kolumbiens sind 17 Soldaten ums Leben gekommen. Wie das Militär heute mitteilte, verschwand der Helikopter vom Typ „MI-17“ bereits gestern im Departamento Caldas, er wurde 150 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bogota bei der Gemeinde Pensilvania entdeckt. Die Absturzstelle befindet sich in einem etwa 2.400 Meter hohen Gebirge.

Bewohner hörten Explosion

Der Präsident des südamerikanischen Landes, Juan Manuel Santos, betonte: „Wir werden herausfinden, was passiert ist. In dem Gebirge gibt es immer starken Nebel.“ Nach Angaben des Bürgermeisters von Pensilvania, berichteten Bewohner der Gegend, dass sie den Helikopter noch gesehen und dann kurze Zeit später eine Explosion gehört hätten.

US-Supreme-Court hob texanisches Abtreibungsrecht auf

Das oberste amerikanische Gericht hat das strenge Abtreibungsgesetz des US-Staats Texas für ungültig erklärt. Das entschied der Supreme Court heute in Washington. Die neuen scharfen Bestimmungen aus dem Jahr 2013 hatten dazu geführt, dass etliche Abtreibungseinrichtungen schließen mussten.

Die Gegner beklagten, dass ihrer Ansicht nach Abtreibungen unter dem neuen Recht für mehr als fünf Millionen Frauen im gebärfähigen Alter kaum noch möglich seien. Außerdem sei die Freiheit zur Abtreibung grundsätzlich von der US-Verfassung geschützt - daher die Klage vor dem Supreme Court.

Ärzte müssen nach dem texanischen Recht eine Zulassung an einer Klinik haben, die nicht mehr als 30 Meilen von ihrer Einrichtung entfernt ist. Außerdem müssen die Gebäude baulich und in Fragen der Ausstattung wie vollständige Krankenhäuser eingerichtet sein.

Spanien: Rajoy strebt Regierungsbildung bis August an

Nach dem deutlichen Stimmenzuwachs seiner konservativen Volkspartei PP bei der Parlamentswahl in Spanien strebt der amtierende Ministerpräsident Mariano Rajoy eine Regierungsbildung bis Anfang August an. „Es ist äußerst wichtig, bis Ende Juli oder Anfang August eine Regierung zu haben“, sagte Rajoy heute vor Journalisten in Madrid.

Rajoy will zuerst mit der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) über eine Regierungsbildung sprechen. „Ich werde Gespräche mit allen politischen Kräften führen, aber zuerst mit der PSOE“, sagte der konservative Regierungschef am Montag dem Radiosender Cadena Cope. „Bei grundsätzlichen Themen benötigen wir die Unterstützung der Sozialisten.“

Sozialisten uneins

Auch nach dem gestrigen Sieg der Konservativen blieb die PSOE dabei: „Wir werden Rajoy nicht unterstützen“, sagte Vizeparteichef Cesar Luena in Madrid. Ob die PSOE bereit ist, Rajoy durch eine Enthaltung bei einer Vertrauensabstimmung im Parlament erneut an die Regierungsspitze zu verhelfen, ließ Luena offen.

Ein anderer einflussreicher sozialistischer Politiker plädierte dagegen dafür, Rajoy zum Regierungschef zu küren.

Mehr dazu in Rajoy wieder im Aufwind

Selbstmordanschläge im Jemen: Mindestens 19 Tote

Bei mehreren Selbstmordanschlägen auf Soldaten im Südjemen sind heute mindestens 19 Menschen getötet worden. In der Hafenstadt Mukalla, einer ehemaligen Hochburg des Al-Kaida-Netzwerks, sprengten sich nach Angaben von Sicherheitskräften zunächst zeitgleich an drei Kontrollpunkten Angreifer in die Luft. Wenig später habe es ein viertes Attentat am Eingang eines Militärcamps gegeben.

Insgesamt seien 17 Soldaten sowie eine Frau und ein Kind getötet worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Demnach wurden alle Angriffe von Selbstmordattentätern ausgeführt. Diese schlugen zu, als die Soldaten am Abend gerade das Fastenbrechen begingen.

Die jemenitischen Regierungstruppen hatten die ein Jahr lang von Al-Kaida-Kämpfern kontrollierte Hafenstadt erst Ende April zurückerobert. Die Armee vertrieb die Islamisten mit Unterstützung der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition.

Türkei bedauert Abschuss von russischem Kampfjet

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich für den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs entschuldigt. Erdogan habe an den russischen Präsidenten Wladimir Putin geschrieben, dass der Abschuss keine Absicht gewesen sei, sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow heute in Moskau.

Erdogan habe Putin einen entsprechenden Brief geschickt, bestätigte auch sein Sprecher Ibrahim Kalin. In dem Schreiben habe Erdogan bekundet, er wolle „die Familien der verstorbenen russischen Piloten darüber informieren, dass ich ihren Schmerz teile und ihnen mein Beileid ausdrücke, mögen sie uns verzeihen“.

Annäherung soll folgen

Erdogan habe Putin dazu aufgerufen, die „traditionell freundlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Russland wiederherzustellen“. Kalin verkündete weiter: „Wir sind erfreut, mitzuteilen, dass die Türkei und Russland übereingekommen sind, ohne Verzögerung die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die bilateralen Beziehungen zu verbessern.“

Die türkische Luftwaffe hatte im vergangenen November ein russisches Kampfflugzeug des Typs „Suchoi Su-24“ abgeschossen, das aus Syrien angeblich kurz in den Luftraum der Türkei eingedrungen war. Ein Pilot war dabei ums Leben gekommen. Danach hatte Russland die Beziehungen zur Türkei weitgehend eingefroren.

Inland

ZIB24

Wann wird der „Brexit“ vollzogen?

London bremst, Brüssel macht Druck - und Berlin versucht die Briten zumindest nicht zu drängen. Am vierten Tag nach dem EU-Referendum stehen Großbritannien und die EU vor der Frage: Wie werden jetzt die Weichen für den „Brexit“ gestellt?

Beide Seiten bemühen sich um eine optimale Verhandlungsposition. Die EU ringt um Geschlossenheit, die Lager im Vereinigten Königreich hingegen sind gespalten und bieten ein chaotisches Bild. Einen Plan für ein „Brexit“-Szenario hat zurzeit niemand.

Michael Pammesberger zum Tod von Manfred Deix

Schonungslos, direkt und kompromisslos - so war er in seinem Leben, so gestaltete er auch sein Werk: Manfred Deix ist am Samstag im Alter von 67 Jahren verstorben.

Aktuelle Themen kommentierte der Künstler auf seine unverwechselbare, ganz eigene Art. Unter dem Begriff „Deix-Figuren“ sind seine satirischen Spiegelbilder der österreichischen Bevölkerung sogar im Duden verankert. Freunde und Weggefährten trauern um einen der größten politischen Karikaturisten. Im ZIB24-Studio spricht Künstlerkollege Michael Pammesberger über den genialen Zeichner.

ZIB24 mit Lisa Gadenstätter, 23.30 Uhr ORF eins

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Textfassung: Zeit im Bild

Sport

Fußball-EM: Ungarn trotz Achtelfinal-Aus zufrieden

Begonnen hat die Fußball-EM für Ungarn mit einem 2:0-Sieg gegen Österreich, zu Ende gegangen ist sie gestern Abend im Achtelfinale mit einem 0:4 gegen Belgien.

Die Magyaren blicken aber trotz der deutlichen Niederlage hoffnungsvoll in die Zukunft. „Mit dieser Mannschaft kann man noch viel erreichen“, sagte Teamchef Bernd Storck. Nächstes Ziel ist die Beendigung der WM-Durststrecke.

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Fußball-EM: Deutschland sorgt für Angstzustände

Deutschland hat sich mit seinem souveränen Sieg im Achtelfinale der EM über die Slowakei an die Spitze der Titelkandidaten gesetzt. So sehen es zumindest die Medien in den Ländern der kommenden möglichen Gegner in Frankreich. Dort regieren nach dem Auftritt der Deutschen Angstzustände. „Absolute Dominanz des Weltmeisters“, titelte etwa die italienische „Tuttosport“. DFB-Teamchef Joachim Löw versuchte jedoch, den Ball flach zu halten. Denn die richtigen Gradmesser würden erst vor der Tür stehen.

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Wirtschaft

Moody’s entzieht auch ÖBB-Infrastrukur AG Toprating

Nach der Republik Österreich am Freitag hat heute die ÖBB-Infrastruktur AG ihr Toprating bei bei der Moody’s von „AAA“ verloren und notiert nun bei „Aa1“. Dafür habe sich der Ausblick immerhin von negativ auf stabil verändert, teilte die US-Ratingagentur am Montagabend mit.

Grund für die Abstufung ist die kürzliche Abstufung der Republik, in deren Eigentum die ÖBB stehen. Die Kreditwürdigkeit der ÖBB-Infrastruktur wird von Moody’s gleich bewertet wie jene ihrer Eigentümerin, heißt es in der Mitteilung.

Konkret werden bei der ÖBB-Infrastruktur AG langfristige Emissionen, aber auch nachrangige Verbindlichkeiten bewertet.

Österreicher Brabeck geht 2017 als Nestle-Präsident

Der 71-jährige Österreicher Peter Brabeck-Letmathe, der seit 50 Jahren im Dienst des Schweizer Nahrungsmittelgiganten Nestle steht, wird sich bei der Generalversammlung am 6. April 2017 nicht mehr als Verwaltungsratspräsident zur Wiederwahl stellen. Der bisherige CEO, der 61-jährige Paul Bulcke, soll bei der Generalversammlung zum Nachfolger von Brabeck gewählt werden. Das teilte Nestle heute mit.

Schon ab Jänner 2017 wird Ulf Mark Schneider neuer Konzernchef von Nestle. Vor dem Hintergrund der bestätigten Strategie und der organisatorischen Integration beschloss der Verwaltungsrat - unter Leitung von Brabeck - einstimmig, Schneider zum neuen Konzernchef zu ernennen, so Nestle.

Um sich auf seine zukünftige Rolle als aktiver, nicht exekutiver Verwaltungsratspräsident vorzubereiten und „eine minimale Abkühlungsphase zu respektieren“, werde Bulcke am 31. Dezember 2016 als CEO zurücktreten, so die Schweizer Nachrichtenagentur sda. Der 50-jährige Schneider wird zudem zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Schneider ist deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger und seit 2003 Vorstandsvorsitzender der deutschen Fresenius-Gruppe.

EU erlaubt Megafusion von US-Hotelketten

Die EU-Kommission hat grünes Licht für die Fusion der US-Hotelketten Starwood und Marriott gegeben. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte heute, die milliardenschwere Übernahme von Starwood durch Marriott sei für den europäischen Markt nicht wettbewerbsschädlich.

In Städten wie Wien, Barcelona, Mailand, Venedig und Warschau, wo beide Unternehmen besonders stark seien, gebe es genügend Konkurrenz mit anderen Hotelketten und unabhängigen Hotels.

Wochenlange Übernahmeschlacht

Marriott will nach der Übernahme von Starwood zum größten Anbieter von Hotelbetten weltweit aufsteigen - mit über einer Million Zimmer. Die Aktionäre beider Unternehmen hatten das Geschäft Mitte April abgesegnet, nachdem sich ein chinesisches Konsortium aus einer wochenlang tobenden Übernahmeschlacht um Starwood zurückgezogen hatte.

Zu Marriott gehören unter anderen die JW-Marriott- und Ritz-Carlton-Hotels. Insgesamt zählt die Kette 4.500 Häuser weltweit. Zu Starwood gehören die Westin-, Sheraton- und Le-Meridien-Hotels, weltweit sind es 1.270 Häuser.

Chronik

Flugschreiber von EgyptAir-Maschine in Frankreich

Die Speicherkarten des Flugschreibers der vor gut einem Monat über dem Mittelmeer abgestürzten EgyptAir-Maschine sind heute in Frankreich eingetroffen. Bei der französischen Flugunfallbehörde BEA sollen die schwer beschädigten Speicherelemente repariert und später ausgewertet werden, wie ein BEA-Sprecher mitteilte. Es sei nicht klar, wie viel Zeit die Reparatur in Anspruch nehmen werde.

Spezialschiff entdeckte Flugdatenschreiber

Nach wochenlanger Suche hatte Mitte Juni ein Spezialschiff den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder entdeckt. Von deren Auswertung erhoffen sich die Experten Aufschluss über die weiterhin ungeklärte Absturzursache.

Der Airbus A320 war am 19. Mai auf dem Weg von Paris nach Kairo mit 66 Menschen an Bord, darunter 40 Ägypter und 15 Franzosen, im Mittelmeer zerschellt. Kairo schloss einen Anschlag als Absturzursache nicht aus, doch bekannte sich bis heute niemand dazu.

D: Mann scheiterte bei Diesellokdiebstahl kläglich

Ein 21-Jähriger hat versucht, in Halle im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt eine Diesellok zu stehlen. Der Mann hatte sich laut Polizeiangaben von heute am Wochenende auf einem Güterbahnhof Zutritt zum Führerstand verschafft und versucht die Lok zu starten - was allerdings misslang. Mitarbeiter der Bahn bereiteten dem Treiben schließlich ein Ende.

Gegenüber den alarmierten Polizisten gab der 21-Jährige an, er habe die Lok entwenden und damit fahren wollen. Der verhinderte Lokführer war nicht alkoholisiert und stand auch nicht unter Einwirkung anderer berauschender Mittel. Gegen ihn laufen nun mehrere Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs und gefährlichen Eingriffs in den Zugsverkehr.

Zwei Tote und zwei Verletzte bei Badeunfällen

Bei drei Unfällen im Poysdorfer Badeteich und im Donaualtarm Greifenstein (Niederösterreich) sind innerhalb von drei Tagen zwei Männer gestorben. Ein 23-Jähriger und eine 44-Jährige wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

Mehr dazu in noe.ORF.at

Leiche im Donaukanal: Kein Fremdverschulden

Der Tod eines Mannes, dessen Leiche gestern aus dem Wiener Donaukanal geborgen wurde, ist laut Polizei nicht auf Fremdverschulden zurückzuführen. Zunächst hatte das nicht gänzlich ausgeschlossen werden können.

Mehr dazu in wien.ORF.at

IT

„Brexit“-Votum verschob EU-Netzsperrendebatte

Heute hätte der Innenausschuss des EU-Parlaments über sogenannte „Netzsperren“ abstimmen sollen. Am Freitag war jedoch bekanntgeworden, dass die Abstimmung über die geplanten Eingriffe in den Informationsfluss im Netz auf Mittwoch verschoben worden ist.

Mehrere Anläufe für Netzsperren in den letzten neun Jahren waren auf Initiativen britischer Konservativer zurückgegangen, die damit Alleingänge der nationalen Jurisdiktion EU-weit absichern wollten. Großbritannien hatte „Pornofilter“ bekanntlich vor Jahren im Alleingang eingeführt.

Am Samstag meldete die britische Nachrichtenagentur Reuters, dass die Internetkonzerne bereits vollendete Tatsachen geschaffen hätten. YouTube, Facebook und Co. blockieren laut Reuters Gewaltvideos der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bereits automatisch - man greife dabei auf Methoden zurück, die ursprünglich zur Identifikation urheberrechtlich geschützter Inhalte entwickelt wurden.

Mehr sdazu in fm4.ORF.at

Gesundheit

Röntgenwartezeiten: „Politik muss dreinfahren“

„Die Politik muss da dreinfahren“, so scharf formuliert es Gerhard Aigner, Sektionschef im Gesundheitsministerium. Anlass sind Wartezeiten von bis zu acht Wochen für Krebspatienten bei Röntgeninstituten.

Die Situation sei unerträglich für lebensbedrohlich erkrankte Patienten, so Aigner. Hintergrund seien finanzielle Argumente und zu lange dauernde Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Wirtschaftskammer.

Mehr dazu in oe1.ORF.at

Science

Leute

Fluchen in der Karibik: Geldstrafe für 50 Cent

Der für seine expliziten Songtexte bekannte Rapper 50 Cent ist auf der Karibikinsel St. Kitts und Nevis wegen Fluchens festgenommen worden. Nach einem Konzert am Wochenende wurde der US-Musiker zu einer Geldstrafe von 3.000 Ostkaribischen Dollar (1.000 Euro) verurteilt, wie die Zeitung „St. Kitts & Nevis Observer“ gestern (Ortszeit) berichtete.

Fluchen in der Öffentlichkeit ist auf St. Kitts und Nevis verboten. Bereits 2003 war dort der Rapper DMX wegen ungebührlicher Ausdrücke mit einer Geldstrafe belegt worden.

Weil 50 Cent in dieser Woche für weitere Auftritte gebucht ist, verhandelte das Gericht in der Hauptstadt Basseterre seinen Fall ausnahmsweise am Sonntag. Offenbar hatte die Justiz Sorge, der Musiker könnte wegen Verdienstausfalls auf Schadenersatz klagen, sollte er länger festgehalten werden, wie der „St. Kitts & Nevis Observer“ weiter berichtete.

Kultur

Karikaturist Manfred Deix gestorben

Manfred Deix ist tot. Der Karikaturist starb am Samstag im Alter von 67 Jahren, wie heute bekanntwurde. Mit ihm verliert das Land seinen wohl wichtigsten satirischen Chronisten, auch wenn sich Österreich daran gewöhnt hatte, von seinen Aquarellen den Spiegel vorgehalten zu bekommen. An Deix selbst lag das nicht. Trotz aller Umarmungsversuche bis zur Musealisierung blieb er derselbe.

Die Pose des Lebemanns und Schelms mit Lust an Obszönitäten legte er sich zu einem Gutteil aus Selbstschutz zu - nur selten passierte ihm das „Missgeschick“, dass er erkennen ließ, wie sehr ihn zeitlebens ein gewaltiger Zorn über gesellschaftliche Missstände antrieb.

Mehr dazu in „Ich bin ein Freund der Menschen“

Von Van Gogh verewigte Kirche wird restauriert

Die durch Vincent Van Gogh weltberühmt gewordene Kirche in Auvers-sur-Oise ist von Wasserschäden bedroht und muss dringend restauriert werden. Die Bürgermeisterin Isabelle Mezieres sagte heute, seit einem großen Sturm im Oktober 2015 dringe Wasser durch das Dach der kleinen Kapelle, die sich an die katholische Pfarrkirche Notre-Dame-de-l’Assomption anlehnt.

Kosten sollen 720.000 Euro betragen

Die bei ersten Restaurierungsarbeiten in den 80er Jahren verwendeten porösen Ziegel bröckeln und müssen ersetzt werden. Die Gemeinde schätzt die Kosten für die neuerlichen Arbeiten, die 2017 beginnen und vier Jahre dauern sollen, auf 720.000 Euro.

Van Gogh malte die frühgotische „Kirche von Auvers“ im Jahr 1890 und nahm sich wenig später in dem Ort das Leben. Das Bild gehört zu den bekanntesten Gemälden des niederländischen Malers. Jedes Jahr kommen etwa 20.000 Besucher in das 35 Kilometer nordwestlich von Paris gelegene Auvers.

Lifestyle

Streit um „Happy Birthday“-Lied beigelegt

Das weltbekannte Lied „Happy Birthday“ ist nach einem jahrelangen Gerichtsstreit nun rechtefrei und damit Allgemeingut. Ein Richter in Los Angeles stimmte gestern einer schon vor Monaten ausgehandelten Einigung zwischen dem Musikgiganten Warner und den Klägern offiziell zu.

Das sei ein „großer Sieg“ für die Öffentlichkeit und für Künstler, die das Lied in ihren Werken verwenden wollten, teilte einer der Klägeranwälte, Daniel Schacht, in einer Pressemitteilung mit.

Seit Jahrzehnten beanspruchten Musikverlage die Rechte an dem Song. Privat durfte das Lied zwar jeder singen, aber bei einer kommerziellen Nutzung - etwa in Filmen und auf elektronischen Grußkarten - klingelten bei Warner/Chappell Music die Kassen. Schätzungen zufolge soll das Unternehmen rund zwei Millionen Dollar (etwa 1,8 Mio. Euro) Lizenzgebühren pro Jahr verdient haben.

Dokumentarfilmer zogen vor Gericht

Eine Gruppe Dokumentarfilmer und andere Künstler waren in Kalifornien vor Gericht gezogen. Bereits im September erklärte der zuständige Richter den Rechteanspruch des Musikkonzerns für nichtig. Die Streitparteien handelten anschließend eine Einigung aus. Damit erklärte sich Warner bereit, seine Rechte an dem Song aufzugeben und 14 Millionen Dollar (etwa 12,7 Mio. Euro) zurückzahlen.

Komponiert hatte das Lied 1893 die Musikerin Mildred Hill aus dem US-Bundesstaat Kentucky gemeinsam mit ihrer Schwester, der Kindergärtnerin Patty. Es hieß ursprünglich „Good Morning To You“ und war ein Kinderlied. Der Geburtstagstext entstand erst später.