Ausland

Türkei: U-Haft über „Welt“-Korrespondenten verhängt

Nach 13 Tagen Polizeigewahrsam in der Türkei hat ein Haftrichter in Istanbul heute Abend Untersuchungshaft gegen den deutschen Journalisten Deniz Yücel erlassen. Das berichtete die „Welt“, für die Yücel als Türkei-Korrespondent arbeitet.

Dem 43-jährigen Korrespondenten würden „Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung“ vorgeworfen. Verdächtige können in der Türkei bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft gesperrt werden. Yücel besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Er ist der erste deutsche Korrespondent, der seit Regierungsübernahme der islamisch-konservativen AKP des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2002 in Untersuchungshaft kommt.

Gabriel sieht Beziehungen belastet

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel kritisierte die Entscheidung scharf. „Das ist eine viel zu harte und deshalb auch unangemessene Entscheidung“, teilte Gabriel am Montagabend mit. „Sie berücksichtigt weder das demokratische hohe Gut der Presse- und Meinungsfreiheit noch, dass Deniz Yücel sich freiwillig der türkischen Justiz gestellt und bereiterklärt hat, für das Ermittlungsverfahren voll zur Verfügung zu stehen.“ Gabriel sprach von „schwierigen Zeiten für die deutsch-türkischen Beziehungen“.

Kritik nach Angriff Le Pens gegen Ermittler

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat mit einem Frontalangriff gegen die Ermittlungsbehörden scharfe Kritik ausgelöst. „Ich werde es niemals akzeptieren, dass man in unserer Republik die Beamten unter dem Vorwand beschuldigt, dass sie das Gesetz anwenden“, sagte Staatspräsident Francois Hollande heute.

Die Unabhängigkeit der Justiz und die Unparteilichkeit des Staates seien wichtige Werte, betonte der Sozialist, ohne explizit auf die Präsidentschaftskandidatin Le Pen zu verweisen.

„Krumme Schachzüge“

Die Front-National-Chefin hatte tags davor bei einer Wahlkampfkundgebung erneut behauptet, dass ihre politischen Gegner versuchten, den Staatsapparat gegen sie einzusetzen. Hintergrund sind Ermittlungen der Justiz zur Beschäftigung von Mitarbeitern durch Europaabgeordnete der Front National. Le Pen warnte die Staatsbeamten vor einer Beteiligung an „krummen Schachzügen“, da sie nach einem Machtwechsel „die Verantwortung für diese illegalen Methoden“ übernehmen müssten. Ermittlungsrichter seien nicht dazu da, „den Willen des Volkes zu durchkreuzen“.

Die Polizeigewerkschaft Alliance wertete Le Pens Aussagen als Drohungen. Le Pen hatte vergangene Woche eine Befragung durch die Polizei in der Affäre verweigert; sie will erst nach den Wahlen mit den Ermittlern sprechen. Auch die Medien hatte Le Pen bei der Kundgebung am Sonntag scharf attackiert.

Jean-Marie Le Pen wegen Roma-Äußerungen verurteilt

Marine Le Pens Vater, der Gründer der Partei, wurde unterdessen erneut für diskriminierende Äußerungen über Roma verurteilt. Der 88-Jährige Jean-Marie Le Pen muss wegen Anstiftung zum Hass und zur Diskriminierung 5.000 Euro Strafe zahlen, wie das Berufungsgericht in Aix-en-Provence nach Angaben eines Sprechers entschied.

Das Gericht bestätigte damit ein Urteil vom vergangenen April, das Le Pen angefochten hatte. Le Pen hatte 2013 bei einer Pressekonferenz in Nizza die Anwesenheit von Roma in der Stadt am Geruch festgemacht. Drei französische Menschenrechtsorganisationen hatten daraufhin gegen ihn geklagt.

UNHCR: Abschottung Europas bringt Flüchtende in Gefahr

Die Schließung der Balkan-Route und verschärfte europäische Grenzkontrollen haben Flüchtende nach UNO-Angaben in neue Gefahren gestürzt. Viele Menschen, die sich in ihrer Not an Schlepper wandten, hätten sich damit in teils gefährliche Situationen gebracht, berichtete das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR heute in Genf.

Von Schleppern gefoltert, festgehalten und erpresst

Es gebe alarmierende Berichte von Flüchtlingen, die nach eigenen Angaben verschleppt und gegen ihren Willen festgehalten, missbraucht, gefoltert und erpresst wurden.

Schlepper im Norden Mazedoniens und teils auch aus der serbischen Hauptstadt Belgrad, in Pristina (Kosovo) und in Sofia (Bulgarien) setzten „routinemäßig“ Menschen fest und erpressten sie, gaben Betroffene an. Personen, die die Dienste der Schleuser nicht in Anspruch nahmen, berichteten von Entführungen. Einige Kriminelle sollen den Berichten zufolge auch sexuelle Gewalt und Folter eingesetzt und Menschen über Tage hinweg festgehalten haben, um höhere Zahlungen als vereinbart zu erpressen.

Insgesamt seien Zehntausende Menschen an den Grenzen in Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Serbien, Spanien und Mazedonien zurückgedrängt worden, teils gewalttätig, um andere abzuschrecken. „Dieser Bericht zeigt, dass viele Flüchtlinge und Migranten ohne sichere Fluchtrouten große Risiken auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen“, meinte der Direktor des UNHCR-Europa-Büros, Vincent Cochetel.

Beratungen zu „Brexit“: Rückschlag für May möglich

Bei der Debatte im britischen Oberhaus über den Gesetzesentwurf zum Start der „Brexit“-Verhandlungen mit der Europäischen Union zeichnet sich Widerstand in zwei Punkten ab. So wollen die Lords nach Angaben aus der Labour-Partei Garantien dafür, dass die derzeit rund drei Millionen in Großbritannien lebenden EU-Bürger bleiben dürfen. Darüber könnte bereits am Mittwoch abgestimmt werden.

Im Gegensatz zum Unterhaus, das das Gesetz am 9. Februar verabschiedete, hat die konservative Regierung von Premierministerin Theresa May im Oberhaus keine Mehrheit. Die Lords wollen auch per Gesetz festlegen, dass das Parlament über den endgültigen Austrittsvertrag abstimmen muss. Konservative wie der ehemalige Minister Michael Heseltine haben bereits erklärt, dafür gemeinsam mit Liberaldemokraten und Labour-Vertretern im Oberhaus stimmen zu wollen.

Weitere Runde würde Zeitplan durcheinanderbringen

Falls das Oberhaus Änderungen erzwingt, muss die Vorlage wieder zurück ins Unterhaus. Das würde womöglich den Zeitplan von Regierungschefin May durcheinanderbringen, die spätestens Ende März offiziell den Austritt aus der EU erklären will. Danach beginnen auf zwei Jahre befristete Austrittsverhandlungen zwischen beiden Seiten.

Die Debatte im Oberhaus hatte in der vergangenen Woche begonnen. Sie wird in dieser Woche fortgesetzt. Die endgültige Lesung im Oberhaus ist für den 7. März vorgesehen.

Bei einem Volksentscheid im vergangenen Juni hatten 52 Prozent der britischen Wähler für einen Austritt ihres Landes aus der EU gestimmt. Großbritanniens Oberstes Gericht hatte im Januar entschieden, dass die Regierung die Verhandlungen mit Brüssel über einen EU-Austritt nur mit Zustimmung des Parlaments in London einleiten darf.

Visazwang für Georgier in der EU aufgehoben

Die EU-Mitgliedsstaaten haben heute endgültig beschlossen, den Visazwang für Reisende aus Georgien aufzuheben. Der EU-Einwanderungskommissar Dimitris Avramopoulos sprach von einem „historischen Tag für Georgien und seine Bürger“.

Der Vereinbarung zufolge können georgische Staatsangehörige künftig mit einem biometrischen Pass für bis zu 90 Tage ohne Visum in den Schengen-Raum einreisen.

Ausgenommen sind Großbritannien und Irland, die nicht Teil des Schengen-Raumes sind. Diesem gehören neben den restlichen EU-Staaten auch Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz an. Die Visaliberalisierung tritt 20 Tage nach Veröffentlichung des Beschlusses im EU-Amtsblatt in Kraft - voraussichtlich in der zweiten März-Hälfte.

Gleichzeitig „Visanotbremse“

Die Vereinbarung wird begleitet von neuen Regeln der EU zur schnellen Wiedereinführung von Reisebeschränkungen. Diese „Visanotbremse“ war auf Druck Deutschlands und Frankreichs im vergangenen Jahr vereinbart worden. Die deutsche Bundesregierung hatte dabei auch auf Anstiege bei Ladendiebstählen und Wohnungseinbrüchen um rund ein Drittel verwiesen, für die georgische Tatverdächtige verantwortlich seien.

Durch die Neuregelung kann bei Verstößen gegen das EU-Aufenthaltsrecht oder bei steigender Kriminalität eine Wiedereinführung der Visapflicht für bestimmte Gruppen von Bürgern für zunächst neun Monate beschlossen werden. Bleiben die Mängel bestehen, kann die Visafreiheit auch für alle Staatsbürger des betroffenen Landes ausgesetzt werden.

Türkei noch immer offen

Die EU hat bereits mehr als 50 Staaten Visafreiheit gewährt. Damit können Hunderte Millionen Menschen ohne Visum bis zu 90 Tage in die EU einreisen. Auch die Ukraine, der Kosovo und die Türkei haben die Visaliberalisierung beantragt. Während bei der Ukraine mit dem Fall des Visazwangs im Sommer gerechnet wird, erfüllen die Türkei und das Kosovo die Voraussetzungen dafür nach EU-Angaben noch nicht.

Philippinen: Berlin bestätigt Ermordung von Geisel

Das deutsche Außenministerium hat die Ermordung der deutschen Geisel auf den Philippinen bestätigt und als grausamen Terrorakt verurteilt. „Es gibt nun keinen vernünftigen Zweifel mehr, dass der auf den Philippinen entführte Deutsche nicht mehr am Leben ist. Wir sind zutiefst erschüttert über das unmenschliche und grausame Vorgehen der Täter“, erklärte ein Sprecher heute.

Die Terrorgruppe Abu Sayyaf hatte zuvor ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung des 70-jährigen Mannes zeigt. Er war im November mit seinem Boot entführt werden, seine Partnerin wurde schon damals getötet. Die Islamisten hatten 570.000 Euro Lösegeld für den Mann gefordert. Die Terrorgruppe war in den 1990er Jahren mit Geld von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gegründet worden und ist durch die Entführung vieler Ausländer bekannt geworden.

Ukraine: Separatisten drohen mit Firmenzwangsverwaltung

Der Ukraine-Konflikt spitzt sich weiter zu. Die prorussischen Separatisten haben heute mit der Zwangsverwaltung aller ukrainischen Unternehmen in den von ihnen kontrollierten Gebieten gedroht, sollte die seit einem Monat anhaltende Blockade des Eisenbahnverkehrs nicht bis Mittwoch aufgehoben werden.

Auch negative Auswirkungen auf die Ukraine

Eine Gruppe ukrainischer Politiker und Veteranen blockiert den Eisenbahnverkehr in der Ostukraine, um Kohletransporte aus den Separatistengebieten zu unterbinden und die dortige Wirtschaft zu stören. Allerdings hat die Blockade auch negative Auswirkungen auf die Ukraine, weil Kraftwerke und Stahlwerke auf Kohle aus dem Donbass angewiesen sind.

Die Führungen der beiden international nicht anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk kritisierten am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass die Blockade eine Verletzung der Minsker Friedensvereinbarungen sei und viele Unternehmen im Donbass treffe.

Poroschenko warnt vor Milliardenverlust

Der für die Rebellengebiete zuständige ukrainische Vizeminister Georgij Tuka wies die Erklärung der Separatistenführer als „Versuch der Angstmache“ zurück. Die Separatisten seien nämlich nicht in der Lage, große Industrieunternehmen in ihre Gewalt zu bringen.

Präsident Petro Poroschenko hat unterdessen davor gewarnt, dass die Blockade das Land bis zu zwei Milliarden US-Dollar (1,89 Mrd. Euro) an Exporterlösen kosten könne. Außerdem werden Stromausfälle befürchtet, wenn den Kraftwerken die Kohle ausgeht.

Luftangriffe Israels als Reaktion auf Raketenattacke

Nach einem Raketenangriff militanter Palästinenser hat Israels Luftwaffe heute Ziele im Gazastreifen beschossen. Vier Menschen seien dabei verletzt worden, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza mit. Bei den Angriffen im Norden, Zentrum und Süden des Gazastreifens seien fünf Ziele der in der Küstenenklave herrschenden Hamas-Organisation beschossen worden, teilte ein israelischer Armeesprecher mit. Augenzeugen berichteten von schweren Explosionen und Sachschaden.

„Gefährliche Eskalation“

Tags davor war aus dem Gazastreifen eine Rakete auf israelisches Gebiet abgefeuert worden. Dabei wurde niemand verletzt.

Die Hamas warf Israel eine „gefährliche Eskalation“ der Lage vor. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte nach Angaben des TV-Senders Channel 10, Israel habe keinerlei Absicht, eine neue Militäroffensive im Gazastreifen zu starten. Gleichzeitig sei Israel nicht bereit, auch einzelne Raketenangriffe auf sein Gebiet hinzunehmen.

Inland

Fremdenrechtspaket morgen im Ministerrat

Die Koalition beschließt im morgigen Ministerrat ihr Fremdenrechtspaket, das unter anderem eine Ausweitung der Schubhaft und höhere Strafen bei verweigerter Ausreise oder Falschangaben im Asylverfahren bringt. Ein letztes Detailgespräch tags davor brachte keine größeren Änderungen mehr, wurde sowohl aus SPÖ als auch ÖVP bestätigt.

Entschädigung für gemeinnützige Arbeit offen

Noch offengeblieben war vor dem Wochenende, wer die Höhe der Entschädigungen für Asylwerber, die gemeinnützige Jobs leisten, festlegen soll. Herausgekommen ist nun, dass eine entsprechende Verordnung vom Innenminister im Dialog mit den Ländern festgelegt wird.

Nicht in das schon im vergangenen Herbst in seinen Grundzügen festgelegte Paket integriert wurden vorerst jene Punkte, auf die sich die Koalition mittlerweile im erneuerten Regierungspaket verständigt hat. Allerdings wurde zuletzt nicht ausgeschlossen, dass im Zuge der parlamentarischen Behandlung der nunmehrigen Vorlage noch die eine oder andere Maßnahme ergänzt werden könnte.

Warnung vor vermehrter Obdachlosigkeit

Flüchtlingskoordinator Peter Hacker befürchtet, dass durch das neue Gesetzespaket Tausende Flüchtlinge mit negativem Asylbescheid obdachlos werden könnten. Denn es sieht vor, dass rechtskräftig abgelehnte Asylwerber ohne Grundversorgung auskommen müssen.

Mehr dazu in wien.ORF.at

„Kurier“: Heeresnachrichtenamt enttarnte Cyberterroristen

Massive Computerattacken seit dem Vorjahr auf die Server des Flughafens Wien, auf das Parlament, die Nationalbank sowie das Verteidigungs- und das Außenministerium sind laut der Tageszeitung „Kurier“ geklärt. Als mutmaßlichen Haupttäter habe das Heeresnachrichtenamt, der Auslandsnachrichtendienst der Republik, einen im US-Staat Kentucky lebenden Türken enttarnen können, meldet die Zeitung in einer Vorausmeldung.

Arslan A. alias Osman T. alias General Osman habe einen militärischen Hintergrund in der Türkei, so der „Kurier“. Er habe Fotos gepostet, die ihn in der Uniform eines türkischen Fallschirmjägers mit Sturmgewehr auf einem türkischen Truppenübungsplatz zeigten. Beruflich gebe er sich als Cybersicherheitsfachmann aus.

Arslan A. verwendete für seine Angriffe laut „Kurier“ ein Botnet mit 600 infizierten Servern aus 150 Ländern. Angegriffen worden seien Länder und Einrichtungen, denen von ihm und seinen Sympathisanten „Türkeifeindlichkeit“ nachgesagt werde.

Kern und Gabriel fordern „Schulterschluss“ in Europa

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) haben angesichts nationalstaatlicher Tendenzen in Europa, der neuen US-Regierung und des „schwierigen“ Partners Russland einen „Schulterschluss“ in Europa gefordert. Das sagten sie heute nach einem Treffen in Wien.

Kern forderte „eine Phase des Zusammenstehens“ mit Blick auf die Trump-Regierung, die Europa schwächen wolle, und ähnliche Tendenzen in „der östlichen Nachbarschaft“. Es sei „das Gebot der Zeit, dafür zu sorgen, dass die Interessen Europas konsequent und stark vertreten werden“. Kern will vor allem Punkte wie Lohn- und Sozialdumping sowie Steuerbetrug in eine große europäische Reformdiskussion einbringen.

Antrittsbesuch in Wien

Gabriel sagte, Europa brauche vor allem eine gemeinsame Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Von einem Binnenmarkt müsse es „endlich“ eine Entwicklung zu einer sozialen Marktwirtschaft in Europa geben. Selbst das bevölkerungsreiche Deutschland werde allein keine Stimme mehr haben, die gehört wird. Künftige Generationen würden „uns dafür verfluchen“, wenn es eine Rückentwicklung hin zu Nationalstaatlichkeit gebe.

Keine Stellungnahme zu Erdogan

Befragt zu Berichten, wonach der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan persönlich unter anderem in Deutschland und Österreich für die umstrittene Reform der türkischen Verfassung werben will, wollte Gabriel nicht Stellung nehmen. Kern sagte, es gelte das österreichische Demonstrationsrecht.

Auffanglager in Nordafrika für Gabriel unrealistisch

Gabriel rief angesichts neuerlicher Vorschläge für Auffanglager für Migranten in Nordafrika zu mehr Realismus auf. „Ich rate dazu, nicht eine Welt zu malen, die nicht existiert“, so Gabriel. Den Eindruck zu erwecken, das Türkei-Abkommen zum Abfangen und Betreuen von Flüchtlingen sei auf instabile und teils politisch chaotische Länder wie Libyen und Tunesien übertragbar, sei gefährlich. Das werde bei den Bürgern zu Enttäuschungen führen, sagte Gabriel.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hatte in Interviews solche Lager sowie einen Marshall-Plan für Afrika gefordert. Im Gegensatz zu Gabriel fühlt sich sein österreichischer Amtskollege Sebastian Kurz (ÖVP) durch diese Vorschläge bestätigt. Sein Vorschlag, Flüchtlinge, die ihre Einreise mit Schleppern schaffen wollten, an der EU-Außengrenze zu stoppen, zu versorgen und zurückzubringen, sei „Gott sei Dank mehrheitsfähig geworden“, sagte Kurz nach einem Treffen mit Gabriel.

ZIB2

Gemeinsame EU-Armee statt der NATO?

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist für eine EU-Armee samt Atomwaffen, um Europa unabhängig von einer US-dominierten NATO zu machen. In der ZIB2 ist Politikberater Thomas Hofer.

Warum man als Auto-Raser ein Mörder sein kann

Nach einem illegalen Rennen in Berlin wurden zwei Männer zu lebenslanger Haft verurteilt. Die ZIB2 sieht sich Szene und Rechtslage in Österreich an.

Die neuen Ziele der IS-Terrormiliz in Ägypten

Nach einer Mordserie sind Christen am Nordsinai an sichere Orte geflüchtet. Eine ZIB2-Reportage.

EU-weite Geschäfte und ihre Kosten und Nutzen

Was dem Finanzminister durch Aufträge an Firmen im EU-Ausland entgeht.

Pannen und Höhepunkte der Oscar-Verleihung

Die Sieger, die politischen Botschaften und die Pannen in Los Angeles.

ZIB 2 mit Armin Wolf, 22.00 Uhr, ORF2.

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Textfassung: Zeit im Bild

Sport

Nordische WM: Medaillen nehmen Druck von ÖSV-Team

Nach elf von 21 Bewerben bei der nordischen Ski-WM in Lahti kann der Österreichische Skiverband (ÖSV) zur Halbzeit sehr zufrieden Bilanz ziehen. Mit einem kompletten Medaillensatz in Gold, Silber und Bronze wurde die auf dreimal Edelmetall lautende Vorgabe von Präsident Peter Schröcksnadel bereits erfüllt.

Stefan Kraft und Co. können entsprechend befreit in die zweite WM-Woche gehen. Der Medaillenhunger von ÖSV-Sportdirektor Ernst Vettori ist dennoch noch nicht gestillt.

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Ski alpin: Reichelt kämpft mit kaltem Schnee

Mit Platz zwei im Super-G hat ÖSV-Ass Hannes Reichelt gestern ein durchwachsenes Wochenende in Kvitfjell doch noch gerettet. Das Gastspiel in Norwegen förderte aber erneut eines der größten Probleme zutage. Erst bei den richtigen Bedingungen kommen die heimischen Speed-Herren in Fahrt.

„Da läuft es dann“, sagte der 36-Jährige und sprach damit die veränderten Bedingungen an. Um künftig auch wieder auf kaltem und trockenem Schnee mitmischen zu können, werden nun nach Saisonende Überstunden eingeschoben.

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Bundesliga: Rapid und Sturm hängen in den Seilen

Statt Aufbruchsstimmung regiert bei Rapid Wien und Sturm Graz im Frühjahr bisher der Frust. Beide Teams, die einen Europacup-Platz als großes Ziel ausgegeben haben, gleichen angeschlagenen Boxern und hängen sprichwörtlich in den Seilen: Rapid holte bisher nur zwei Punkte im Kalenderjahr 2017, Sturm ging überhaupt dreimal als Verlierer vom Platz. Kein Wunder, dass in Wien und in Graz die Durchhalteparolen dominieren.

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Wirtschaft

Geldwäsche in Ukraine? Ermittlungen gegen Meinl Bank

Die Staatsanwaltschaft Wien hat das Bundeskriminalamt mit Ermittlungen gegen die Meinl Bank im Zusammenhang mit Geldwäsche beauftragt. Das berichtet „Der Standard“ (Dienstag-Ausgabe).

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gebe es einen Anfangsverdacht gegen aktive und frühere Verantwortliche der Meinl Bank betreffend Geldwäsche im Zusammenhang mit der Ukraine, heißt es in dem Bericht.

Die Meinl Bank bestreitet, dass in der Ukraine Ermittlungen gegen das Institut oder ihre Organe geführt werden. Von den Verfahren in Österreich seien die meisten bereits eingestellt worden, da sich „keinerlei Anhaltspunkte für rechtswidrige Handlungen“ ergeben hätten.

KitzVenture legt Beschwerde gegen FMA-Strafe ein

Nachdem die Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Geldstrafe gegen die Firma KitzVenture verhängt hat, da diese aus FMA-Sicht die Konsumenten nicht ausreichend über die Risiken ihrer Investments aufklärt, hat das Tiroler Unternehmen nun Beschwerde angekündigt. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) sieht in KitzVenture ein „hochspekulatives Produkt, das für den normalen Verbraucher nicht geeignet ist“.

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Chronik

Flusspferd in Zoo von Angreifern zu Tode misshandelt

Ein Flusspferd im Zoo von El Salvador ist von Angreifern so schwer misshandelt worden, dass es seinen Verletzungen erlag. Flusspferd Gustavito sei gestern Abend gestorben, teilte das salvadorianische Kulturministerium heute mit. Das Tier war am vergangenen Mittwoch von Unbekannten mit Stichwaffen verletzt und geschlagen worden.

„Wir sind empört und traurig über die Tötung des Flusspferds“, sagte Kulturministerin Silvia Regalado. Auch die Zoologische Stiftung von El Salvador verurteilte die Tat. „Wir können nicht verstehen, wie jemand einem schutzlosen Tier so etwas antun konnte“, sagte ihr Sprecher Mauricio Velasquez der Zeitung „La Prensa Grafica“.

Die Polizei fahndete nach den Tätern. Das Motiv für den Angriff war zunächst unklar. Die Sicherheitsvorkehrungen in dem Zoo sollten nun verstärkt werden, teilte Kulturministerin Regalado mit.

Leichter Besucherrückgang bei Karneval von Nizza

Der berühmte Karneval von Nizza hat sieben Monate nach dem Terroranschlag in der Stadt am Mittelmeer einen leichten Besucherrückgang verzeichnet. Nach Angaben des für Tourismus zuständigen Beigeordneten des Bürgermeisters, Rudy Salles, kamen etwa zehn Prozent zahlende Besucher weniger als im Vorjahr.

Da man zu Beginn des Kartenverkaufs mehr als 40 Prozent im Rückstand war, sei das verkraftbar, sagte der Politiker heute dem Radiosender France Bleu Azur. Endgültige Zahlen gebe es aber noch nicht.

Die Behörden hatten die zweiwöchigen Karnevalsfeiern streng abgesichert. Die Umzüge fuhren nicht mehr über die Strandpromenade, Zuschauer mussten Sicherheitskontrollen passieren. Am 14. Juli 2016 war ein 31-Jähriger auf der Promenade des Anglais mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast und hatte 86 Menschen getötet.

Zwischenfall in bayrischem AKW Grundremmingen

Wegen eines Zwischenfalls an einem Ventil ist Block B des Atomkraftwerks Gundremmingen in Bayern am Montag abgeschaltet worden. Nach Angaben der Betreiber waren zum Abschluss der Revision Prüfungen unter anderem an Sicherheits- und Entlastungsventilen durchgeführt worden. Im nuklearen Bereich habe eines der elf Ventile, die sich innerhalb des geschlossenen Sicherheitsbehälters befinden, zur Prüfung korrekt geöffnet, aber nicht wieder verschlossen werden können.

Der ausgetretene radioaktive Dampf sei in dem geschlossenen Sicherheitsbehälter verblieben, betonte ein Sprecher. Block B sei ordnungsgemäß per Hand abgeschaltet worden. Derzeit werde der Vorfall untersucht. Nach vorläufiger Einschätzung sei das Vorkommnis als meldepflichtiges Ereignis in die Kategorie „Normal“ einzustufen. Personal, die Anlage und ihre Umgebung seien nicht gefährdet gewesen.

Kultur

Deutscher Schauspieler Martin Lüttge gestorben

Der Schauspieler Martin Lüttge ist tot. Er sei am Mittwoch im Alter von 73 Jahren in Schleswig-Holstein gestorben, bestätigte seine Hamburger Agentur Reuter am Montag entsprechende Medienberichte. Der gebürtige Hamburger war Anfang der Neunzigerjahre als „Tatort“-Kommissar Bernd Flemming einem breiten Fernsehpublikum bekannt geworden.

Schauspieler Martin Lüttge 2011

picturedesk.com/SZ-Photo

Für Rolle als „Tatort“-Kommissar gelobt

Lüttges Rolle des eher bodenständigen, leicht verschrobenen Kommissars - gepaart mit Humor - wurde von Kritikern hoch gelobt. Doch trotz des großen Erfolgs verabschiedete sich Lüttge nach nur 15 Folgen, um sich wieder mehr dem Theater zu widmen.

Bereits 1978 gehörte er zu den Gründern eines Theaters auf einem Bauernhof in der Nähe von Burghausen in Bayern, der als Theaterhof Priessenthal bekannt wurde.

Gesundheit

WHO: Die zwölf gefährlichsten „Killerkeime“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste von zwölf „Killerkeimen“ veröffentlicht, gegen die herkömmliche Medikamente keinen ausreichenden Schutz bieten können. Die Liste solle als Richtschnur für die weitere Forschung und für die Entwicklung neuer Antibiotika dienen, teilte die WHO heute mit.

Wenn es nur den Marktgesetzmäßigkeiten überlassen bleibe, würden die neuen Antibiotika „nicht rechtzeitig“ entwickelt, sagte Vize-WHO-Direktorin Marie-Paule Kieny.

Im Jänner war in den USA eine Patientin an einer Infektion gestorben, nachdem alle 26 zugelassenen Antibiotika keine Wirkung gezeigt hatten. Ein besonders gravierendes Problem sind die nosokomialen oder auch behandlungsassoziierten Infektionen. Es handelt sich um Infektionen, die Patienten sich im Rahmen einer medizinischen Behandlung zuziehen können.

IT

Nokia 3310 wird neu aufgelegt

Das klassische Handy Nokia 3310 kehrt zurück. Der finnische Anbieter HMD Global, der jetzt Geräte unter der Marke Nokia entwickelt und produziert, kündigte die Neuauflage des Modells gestern im Rahmen des Mobile World Congress in Barcelona an. Das neue Nokia 3310 bekommt sogar ein ähnliches Design wie das Original aus dem Jahr 2000 - und neben dem Spiel „Snake“ auch den typischen Klingelton.

Nokia 3310

APA/AFP/Josep Lago

Die Telefone kommen zusätzlich zum gewohnten Grau auch in den verspielten Farben Rot, Gelb und Blau. Vor allem die Batterielaufzeit ist man von Smartphones nicht mehr gewohnt: Das neue 3310 soll 22 Stunden Telefonate aushalten - und einen Monat im Stand-by-Modus. Der Verkaufspreis soll weltweit im Schnitt bei 49 Dollar (rund 46 Euro) liegen.

Auch Modelle mit Android angekündigt

HMD Global versucht, mit Nostalgie die angeschlagene Marke Nokia den Nutzern wieder näherzubringen. Einfache Telefone werden immer weiter von den Smartphones verdrängt. Deshalb war die eigentlich wichtigere Ankündigung der Start von drei Smartphone-Modellen mit dem Betriebssystem Android. Drei verschiedene Modelle sollen alle Preisklassen abdecken.

Der einstige Handy-Weltmarktführer Nokia hatte schon mit dem Beginn der modernen Smartphone-Ära immer mehr Boden an Apples iPhone und Telefone mit Googles Android verloren. Die Übernahme des Handygeschäfts durch Microsoft half auch nicht: Nokia rutschte in die Bedeutungslosigkeit ab, und die Marke verschwand vom Markt. Inzwischen kehrten die Namensrechte wieder zu dem finnischen Konzern zurück, der sie an die von ehemaligen Nokianern gegründete Firma HMD weiterreichte.

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