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Warnhinweise in den Wind geschlagen
Die Situation erinnert an die besten „Goldgräberzeiten“ in den USA und Europa, als selbst renovierungsbedürftige Althäuser in mäßig attraktiven Lagen Höchstpreise erzielten. Doch während im Westen die Blase platzte und Hunderttausende ihre Eigenheime zu verlieren drohten, dreht sich die Preisspirale in „down under“ munter weiter nach oben.
Frieren für einen Baugrund
Laut einem Artikel der deutschen Zeitung „Die Zeit“ führt Australien die Liste der Länder mit den am schnellsten steigenden Häuserpreisen an. In Sydney kostet jedes zweite Haus bereits mehr als 450.000 Euro, und vor kurzem lief die kaum idyllische Hauptstadt Canberra sogar Melbourne bei den höchsten Immobilienpreisen den Rang ab. Als in einem Vorort, 14 Kilometer außerhalb von Canberra, Grundstücke zum Verkauf angeboten wurden, campierten Neo-Häuslbauer dort bis zu einer Woche lang bei eisigen Temperaturen. Erst als die örtlichen Behörden Nummern verteilten, waren die interessierten Käufer bereit, das Grundstück zu verlassen.
Mit Preissteigerungen bis zu 3,7 Prozent im ersten Quartal 2010 war Canberras Häusermarkt zuletzt der am schnellsten wachsende weltweit. In Melbourne stiegen die Preise in den letzten drei Monaten um 3,3 Prozent, im teuren Sydney um 2,4 Prozent. Diese Renditen locken Investoren aus dem In- und Ausland. Am privaten Wohnungsmarkt sind die Preissprünge noch gravierender: So stieg der Preis für ein Ein-Zimmer-Appartement in einem Jahr von 315.000 Australischen Dollar (210.000 Euro) auf 420.000 Australische Dollar (280.000 Euro).
„Boom, aber keine Blase“
„Wir erleben sicherlich einen Boom. Es ist aber keine Blase, und es wird langsam abnehmen“, erklärte Brian Nancarrow vom Immobilienbüro Century 21 gegenüber der australischen Nachrichtenseite News.com. Mit seiner Meinung ist Nancarrow nicht alleine. Auch Christopher Joye, Direktor der Investmentfirma Rismark International, glaubt nicht an einen raschen Preisverfall. „Wachsendes Einkommen und fast eine Vollbeschäftigung wird den Bedarf noch stärken“, sagte Joye gegenüber der Zeitung „The Australian“.
Und die Bevölkerungzahlen scheinen diese Argumente zu belegten: Australien liegt mit einem Bevölkerungswachstum von 2,1 im internationalen Vergleich an der Spitze. Zudem würden 200.000 Zuwanderer jedes Jahr die Nachfrage nach neuen Häusern verlässlich absichern, so Joye. Zudem ist das begehrte Bauland entlang der Küsten knapp. Bis 2014 könnte so eine Lücke von bis zu 355.000 Wohnungen zwischen Angebot und Nachfrage entstehen, rechnet „Die Zeit“ vor.
Einkommen hinkt hinterher
Doch es gibt auch warnende Stimmen. Eine davon gehört Steve Keen, Wirtschaftsexperte an der University of Western Sydney. „Was sich in den USA abgespielt hat, wird sich auch hier wiederholen, nur zeitverzögert und mit einer geringeren weltweiten Kettenreaktion“, erklärte Keen gegenüber der „Zeit“. Sein Haus hat er sicherheitshalber bereits verkauft.
Ein Blick auf die Wirtschaftsdaten bekräftigt seine Befürchtungen. Denn die Wirtschaftsleistung hält mit dem Preisboom längst nicht mehr stand. Seit den 80er Jahren wuchsen die Hauspreise viermal so schnell wie das Durchschnittseinkommen. Damit hat sich in Australien eine ähnliche Situation wie vor dem Crash in den USA und Spanien entwickelt.
Staat heizt Boom weiter an
Doch auch der Staat ist an der Entwicklung nicht ganz unschuldig. Mit Zinssenkungen, hohen Eigenheimzulagen und Steuererleichterungen heizt die Regierung das Immobiliengeschäft zusätzlich an. „Diese Sonderbehandlung ist ein Riesenproblem. Sie führt dazu, dass sich Haushalte immer weiter verschulden, um auf dem Immobilienmarkt mitbieten zu können“, warnt Julian Disney, Rechtsprofessor an der University of New South Wales. Der private Schuldenberg hat sich laut Demographia-Studie in den letzten zehn Jahren fast versechsfacht. Ein durchschnittlicher Hausbesitzer gibt bereits mehr als die Hälfte seines Einkommens für Hypothekenrückzahlungen aus.
„Crash größer als in den USA“
Und die ersten Gewitterwolken zeichnen sich bereits am Immobilienhimmel ab. Erstmals gingen im Mai die Hausverkäufe um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurück. Auch im Juni stagnierten die Verkäufe. „Warnhinweise gibt es bereits seit mehreren Monaten mit geringeren Gewinnen bei Hausversteigerungen und weniger Kreditvergaben“, erklärte Tim Lawless, Direktor des Marktanalysten RP Data. Für Keen ist es längst nur noch eine Frage der Zeit, bis die Blase platzt. „In Australien wird der Crash noch größer ausfallen als in den USA, weil unsere Privatverschuldung weitaus höher ist“, ist sich Keen sicher.
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Publiziert am 01.08.2010