Themenüberblick
Zuversichtliche Töne
Die heimischen Banken seien zwar nicht allzu gut kapitalisiert, hätten aber ein risikoärmeres Geschäftsmodell als europäische Konkurrenten, die stark im Investmentbanking vertreten sind. Die Kapitalisierung für das eigene Geschäftsmodell sei ausreichend, sagte ein Insider. Die beiden österreichischen Geldhäuser seien nicht in Gefahr, sagte eine zweite Person.
„Im unteren Drittel“
Diese Auffassung vertritt auch Willibald Cernko, der Chef der Bank Austria UniCredit. Seine Prognose für die österreichischen Institute lautet: „Es ist damit zu rechnen, dass die Banken beim EU-weiten Banken-Stresstest bei der Kapitalisierung in etwa am oberen Ende des unteren Drittels aller Banken zu liegen kommen“, sagte er am Wochenende. Seine Bank nimmt als Teil der italienischen UniCredit-Gruppe an dem Test teil. Das Ergebnis der österreichischen Tochter wird vermutlich aber nicht eigens ausgewiesen.
Felderer widerspricht
IHS-Chef Bernhard Felderer widersprach am Mittwoch Cernko. Die heimischen Banken würden „nicht im unteren Drittel“ liegen. Im Gegenteil: „Sie werden überrascht sein“, kündigte Felderer an.
Das Krisenszenario
Geprüft wird insbesondere, ob die Banken unter Annahme der Belastungsszenarien über der geforderten Kernkapitalquote (Core Tier 1) von sechs Prozent bleiben oder nicht und welche Institute eventuell frisches Kapital brauchen. Zum Kernkapital werden im Wesentlichen das Eigenkapital und Gewinnrücklagen gezählt, nicht jedoch Ergänzungskapital und Hybridkapital.
Die Kernkapitalquoten der maßgeblichen Banken in Europa liegen etwa zwischen 7,2 und rund 14 Prozent. Erste Bank und Raiffeisen rangieren mit etwas über neun Prozent im unteren Mittelfeld. Darin sind 1,2 Milliarden (Erste) beziehungsweise 1,7 Milliarden Euro (Raiffeisen) an staatlichem Hilfskapital berücksichtigt. Die mit den Tests vertrauten Personen rechnen damit, dass die beiden Banken die Probe bestehen, auch wenn man dieses temporäre Kapital herausrechnet.
CEE-Lage berücksichtigt
Welche genauen Kapitalquoten sich unter den Stressannahmen ergeben, ist noch offen. In jedem Fall dürften sie aber deutlich über den geforderten sechs Prozent liegen, so Reuters. Bei den österreichischen Instituten fließen auch Annahmen über die Entwicklung in Mittel- und Osteuropa ein. In dieser Region sind die beiden Banken besonders engagiert. Die Rezession dort und damit verbundene starke Kreditausfälle machten ihnen im Vorjahr stark zu schaffen.
Wenig betroffen dürften die Österreicher von Abschlägen auf Staatsanleihen von hoch verschuldeten Ländern der Euro-Zone sein. Sie sind nur wenig in irischen, spanischen, portugiesischen und griechischen Anleihen investiert. Auf Handelsbestände in diesen Anleihen müssen die Banken Abschläge von zwölf bis 23 Prozent vornehmen.
Links:
Publiziert am 21.07.2010