Scheidende UNO-Diplomatin rechnet mit Ban ab

Die scheidende Chefkontrolleurin der Vereinten Nationen geht laut Medienberichten mit Generalsekretär Ban Ki Moon hart ins Gericht. Ban habe ihre Arbeit als oberste Korruptionsbekämpferin unterlaufen und die UNO in eine Ära des Niedergangs geführt, schrieb Inga-Britt Ahlenius laut einem Bericht der „Washington Post“ gestern in einem vertraulichen Memorandum.

Entgegen seinen Ankündigungen zum Amtsantritt 2007 habe Ban die durch mehrere Affären angeschlagene Reputation der Vereinten Nationen nicht mit allen Mitteln geschützt.

„Verwerflich“

Vielmehr habe er ihr Amt der Chefrevisorin mehr und mehr geschwächt, schreibe Ahlenius in dem 50-Seiten-Papier an Ban: „Ihr Handeln ist nicht nur bedauerlich, sondern sogar verwerflich.“ Es sei beispiellos und „meiner Meinung nach für Sie selbst beschämend“. Das Blatt zitierte: „Ich bedaure es, sagen zu müssen, dass das Sekretariat in einem Zerfallsprozess ist.“

Kritiker werfen Ban seit langem vor, die UNO nur zu verwalten und vor wirksamen politischen Initiativen zurückzuschrecken. UNO-Mitarbeiter wiesen die Vorwürfe in der „Washington Post“ als „unfair“ zurück. Ban habe mehrere politische Schwerpunkte gesetzt, etwa beim Klimaschutz und bei der Gleichstellung der Frau. Die Abrechnung der scheidenden Schwedin sei ein „höchst unausgewogener Ausdruck ihrer Differenzen“ mit Ban.

Publiziert am 20.07.2010