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Polizei ermittelt im Rotlichtmilieu

Getötet und angezündet: Fünf bisher ungeklärte Frauenmorde weisen deutliche Parallelen auf. Die Leichen wurden - nackt bzw. nur teilweise bekleidet - an entlegenen Stellen angezündet. Zwei im Weinviertel in Niederösterreich gefundene Opfer waren in Wien als Prostituierte tätig und wurden vermutlich in der Bundeshauptstadt getötet. Bei den drei anderen ist die Identität bis dato nicht geklärt.

Bei dem jüngsten Fall handelt es sich um eine teilweise verbrannte Frauenleiche, die am Dienstag im Gemeindegebiet des burgenländischen Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) entdeckt wurde. Der Körper lag in einem Acker zwischen einem Windschutzgürtel und einem Maisfeld. Die Unbekannte wies massive Kopfverletzungen auf. Das Opfer war fast nackt, die Polizei vermutet, dass es sich bei ihr um eine Prostituierte handelt.

Zusammenhang nicht ausgeschlossen

Die Obduktion ergab, dass die Frau durch einen stumpfen Schlag auf den Kopf ermordet worden ist, teilte Oberstleutnant Norbert Janitsch vom Landeskriminalamt Burgenland am Mittwochabend mit. Die Frau sei etwa 50 Jahre alt gewesen und habe einige Narben aufgewiesen. Klar sei nun auch, dass zischen der Ermordung und dem Anzünden der Leiche mehrere Stunden lagen, so Janitsch. Die Identität der Frau sei weiterhin unklar.

Derzeit könne man laut Janitsch „nichts ausschließen“. Es gebe drei Möglichkeiten: Es könnte ein Zeichen aus der Unterwelt, ein Beziehungsdelikt oder tatsächlich eine Mordserie sein.

Ein Zusammenhang mit den anderen in jüngerer Vergangenheit begangenen und bisher nicht geklärten Prostituiertenmorden sei nicht auszuschließen. Anlässlich des neuen Mordfalls werde nun in allen Bundesländern im Bereich des Rotlichtmilieus ermittelt, betonte das Landeskriminalamt Burgenland.

Markanter Anhänger

Laut Obduktionsergebnis war die 1,55 Meter große Frau wahrscheinlich bereits am Dienstagvormittag erschlagen worden. Zwischen dem Zeitpunkt des Todes und der Auffindung lagen demnach rund zehn Stunden.

Die Naturhaarfarbe sei braun, die Haare hatte die Frau blond gefärbt. Die Ermordete wies am linken Knie eine Y-förmige und am linken Unterbauch eine etwa vier bis fünf Zentimeter große OP-Narbe auf. Außerdem wurde am rechten Handgelenk eine kreuzförmige Narbe entdeckt. Die Frau trug weiße Sandaletten, um den Hals hing ein Kettchen mit einem goldfarbenen, etwa drei Zentimeter großen Delfinanhänger.

Die intensive Spurensuche und Befragung sei mit insgesamt etwa 70 Exekutivbeamten am Mittwoch im erweiterten Umfeld des Auffindungsortes durchgeführt worden, so die Polizei. Brauchbare Hinweise, verwertbare Spuren oder sonstige Erkenntnisse konnten zunächst nicht erbracht werden.

Ermordete Prostituierte aus Osteuropa

Erst vor zwei Monaten fanden Arbeiter am 31. Mai bei Hohenruppersdorf (Bezirk Gänserndorf) die Leiche der 24-jährigen Bulgarin Petja Filkowa, die in Wien auf der Äußeren Mariahilfer Straße beim Westbahnhof als Prostituierte tätig gewesen war. Sie starb an einem Schädel-Hirn-Trauma, das sie durch drei wuchtige Schläge mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf erlitten hatte. Das Opfer wurde im Weinviertel abgelegt, mit Benzin überschüttet und angezündet.

Grafik listet Leichenfunde aufAPA/M. Schmidt

Im August 2007 entdeckten Radfahrer die in Wien als Prostituierte registrierte Tschechin Katerina Vavrova an einer aufgelassenen Bahnstrecke in Asparn an der Zaya (Bezirk Mistelbach). Sie war mit Messerstichen getötet und angezündet worden. Die Hände waren im Bereich der Handgelenke abgetrennt worden. Das Opfer war 23 Jahre alt.

2005 ermordet: Noch nicht identifiziert

Bei zwei weiteren, in Völkermarkt in Kärnten im Oktober 2008 bzw. im Jänner 2005 an der Südautobahn in der Steiermark gefundenen Frauenleichen steht die Identität bisher nicht fest. Ob diese beiden Fälle zu einer allfälligen Mordserie gehören, wird bei den Ermittlern eher skeptisch gesehen, obwohl auch sie verbrannt wurden.

Die in Kärnten gefundene Frau wurde mit vier Schüssen aus einer Pistole getötet, der oder die Täter versuchten auch, die Tote mit Hilfe von Benzin anzuzünden, was wegen starken Regens weitgehend misslang. Kriminalisten verglichen den Mord mit den Fällen in Niederösterreich. Ein gravierender Unterschied steht aber fest: Das bis heute nicht identifizierte Opfer in Kärnten wurde direkt am Fundort getötet.

Auch die Tote, die im Jänner 2005 in der Steiermark entdeckt wurde, war halb verbrannt. Die Identität der 23 bis 28 Jahre alten Frau ist bis heute ungeklärt. Ermittlungen ergaben, dass sie vermutlich aus Osteuropa stammte und mehrere Jahre in Deutschland verbracht hatte, bevor sie von ihrem Mörder erschlagen und an der Autobahn abgelegt wurde.

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Publiziert am 22.07.2010