Bettencourt-Affäre: Magazin klagt Sarkozys Parteichef
In der Affäre um L’Oreal-Erbin Liliane Bettencourt tun sich immer neue juristische Fronten auf: Nun klagte ein französisches Onlinemagazin den Chef von Nicolas Sarkozys Partei wegen Diffamierung. UMP-Generalsekretär Xavier Bertrand hatte dem Onlinemagazin Mediapart „faschistische Methoden“ vorgeworfen, weil die Website die Mitschnitte aus dem Hause Bettencourt teilweise veröffentlicht hatte, die ein Hausangestellter heimlich aufgenommen hatte.
Mediapart teilte heute mit, deswegen Klage eingereicht zu haben. Man wolle auch Schadenersatz fordern, betonte Chefredakteur Edwy Plenel.
Das Magazin habe die Abschrift der Aufnahmen wie andere Medien auch zugespielt bekommen, nachdem Bettencourts Tochter Francoise diese der Polizei übergeben hatte. Francoise will mit Hilfe der Aufnahmen die Senilität ihrer Mutter belegen, bestreitet aber, sie in Auftrag gegeben zu haben. In den Gesprächsprotokollen fanden sich auch pikante Hinweise auf Steuerbetrug im Hause Bettencourt und illegale Parteispenden an Sarkozys Regierungspartei.
Antrag auf Vormundschaft erneut abgelehnt
Unterdessen scheiterte die Tochter der L’Oreal-Erbin erneut mit dem Versuch, ihrer Mutter die Geschäftsfähigkeit juristisch aberkennen zu lassen. Ohne ein medizinisches Gutachten über den Gesundheitszustand der 87-jährigen Milliardärin könne ein Antrag auf Vormundschaft nicht angenommen werden, erklärte die Staatsanwaltschaft von Nanterre.
Publiziert am 22.07.2010