Themenüberblick

38-Mrd.-Euro-Geldspritze erwartet

Investoren rechnen bei den europäischen Banken-„Stresstests“ einer Umfrage zufolge mit einer Durchfallquote von zehn Prozent. Zehn der 91 getesteten Institute dürften den Test nach Einschätzung der 376 befragten Finanzexperten nicht bestehen, das geht aus der am Donnerstagabend veröffentlichten Umfrage der Investmentbank Goldman Sachs hervor.

In der Folge müssten die Banken knapp 38 Mrd. Euro an frischem Kapital aufnehmen, lautet die durchschnittliche Erwartung der Investoren. Betroffen dürften vor allem Banken in Spanien, Deutschland und Griechenland sein. Goldman hat Investoren aus Europa, den USA und Asien bis 24 Stunden vor der Veröffentlichung der Tests befragt. Diese ist für Freitag ab 18.00 Uhr (MESZ) geplant. Der Test gilt als bestanden, wenn die Kernkapitalquote einer Bank in den Szenarien nicht unter sechs Prozent rutscht.

Liebscher: Österreich „im guten Mittelfeld“

Aus Österreich nehmen die Erste Group und die RZB-Gruppe teil, beide Institute haben laut Vorabinformationen den Test bestanden. Die Bank Austria wurde auch geprüft, das Ergebnis fließt aber beim Mutterunternehmen UniCredit in Italien ein. Der ehemalige Nationalbank-Gouverneur und jetzige Vorstand der Banken-Beteiligungsgesellschaft Fimbag, Klaus Liebscher, hält den europäischen Banken-„Stresstest“ für „sehr vernünftig" “, sagte er im Ö1-Morgenjournal. Liebscher gibt sich zuversichtlich: „So wie ich das einschätze, würde ich nicht überrascht sein, wenn wir im guten Mittelfeld landen.“ - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Wackelkandidaten in Deutschland

Aus Deutschland haben 14 Banken teilgenommen. Finanzkreisen zufolge dürften sie bis auf den Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate alle bestanden haben. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte vor wenigen Tagen, ein Scheitern des verstaatlichten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) sei „plausibel“. Die sieben deutschen Landesbanken im „Stresstest“ gelten als weitere Wackelkandidaten.

Medien: Mehrere spanische Banken betroffen

Auch in Spanien zittert man. Mehrere spanische Sparkassen bestanden einem Zeitungsbericht zufolge den Banken-„Stresstest“ nicht. Eine kleine Gruppe der 18 Sparkassen des Landes bräuchte mehr Kapital, sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern, berichtete die Zeitung „El Pais“ am Freitag unter Berufung auf Finanzkreise. Darunter seien auch Institute, die vom spanischen Staatsfonds (FROB) bereits Mittel erhalten hätten.

Griechenland hofft auf „problemlosen Verlauf“

In Griechenland setzt man derweil auf Zweckoptimismus. Nach Einschätzung der griechischen Zentralbank werden die daran teilnehmenden Banken die „Stresstests“ gut bestehen. „Mein Gefühl ist, dass die Dinge für die sechs betroffenen griechischen Banken problemlos verlaufen“, sagte der griechische Notenbankchef Giorgos Provopoulos in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Zeitung „Imerisia“. Gleichzeitig betonte der Zentralbanker, dass es zu Konsolidierungen auf dem griechischen Bankensektor kommen müsse, damit die Wirtschaftskrise besser bewältigen werden könne.

Links:

Publiziert am 23.07.2010