Themenüberblick

Vor allem Drogenkonsumenten oft koinfiziert

„Jede dritte HIV-infizierte Personen weltweit hat ebenso Hepatitis C“, berichtete David L. Thomas von der Johns-Hopkins-Universität am Abschlusstag der 18. Internationalen Aids-Konferenz in Wien. Dabei liege die Koinfektionsrate von Drogenkonsumenten sogar bei 80 Prozent, bei den HIV-Infizierten, die ihre Krankheit via sexuelle Übertragung erworben haben, hingegen bei weit unter 15 Prozent.

Entsprechend hoch sei die Zahl der auch mit Hepatitis C infizierten HIV-Kranken in jenen Ländern, in denen das Virus vornehmlich unter Drogenkonsumenten übertragen wird: In Russland beträgt die Rate 90 Prozent, in Vietnam fast 100 Prozent, in Taiwan weit über 80 Prozent. Dabei ist laut Thomas zu konstatieren: „HIV macht alle Stadien der Krankheit Hepatitis C schlimmer.“ Beispielsweise wird ein Leberversagen wesentlich wahrscheinlicher, weshalb die Sterblichkeit deutlich höher liege. „Derzeit werden aber weniger als zehn Prozent der Koinfizierten geheilt.“

Die wenigsten wissen Bescheid

Gefragt seien deshalb die Überprüfung von Bluttransfusionen, vor allem aber Spritzentauschprogramme, mit denen unter Drogenkonsumenten beide Krankheiten reduziert werden könnten. „Prävention ist möglich, wird derzeit aber nicht angewandt“, bedauerte Thomas. Ein Grund seien fehlende Tests - so wüssten 70 Prozent der Betroffenen in den USA nicht, dass sie die Krankheit haben.

Dabei stehe man medizinisch an einem Wendepunkt. Die Heilung von Hepatitis C soll in wesentlich kürzerer Zeit und mit wesentlich weniger Nebenwirkungen möglich werden: „Es wird der Tag kommen, an dem wir fast alle heilen können, die in Behandlung kommen.“

HIV-Risikogruppe Gefängnisinsassen

Auf eine andere Problematik macht Manfred Nowak, UNO-Sonderbeauftragter für Folter, aufmerksam: „Es gibt eine weltweite Krise der Gefängnissysteme“, klagt er an. Ein Großteil der Gefängnisse weltweit seien hoffnungslos überbelegt: „60 Prozent aller Länder haben mehr Gefangene als Gefängnisplätze.“ Als Folge müssten drei Insassen um einen Schlafplatz kämpfen.

Resultat des Platzmangels sei eine weit überdurchschnittliche HIV-Infektionsrate unter den Inhaftierten. Diese liege beispielsweise in Indonesien bei gut 21 Prozent - gegenüber 0,2 Prozent in der Gesamtbevölkerung.

„Haben dasselbe Recht wie andere“

Dabei wisse man genau, was getan werden müsste, um diese Rate zu senken: „Es ist nur eine Frage des politischen Willens.“ Notwendig seien Information, HIV-Tests, der Zugang zu Kondomen sowie Spritzentausch- und Substitutionsprogramme. „Insassen mit HIV haben dieselben Rechte auf Behandlung wie andere auch“, unterstrich Nowak.

Links:

Publiziert am 24.07.2010