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Kleine Banken nur national getestet
Lediglich die deutsche Hypo Real Estate (HRE), die griechische Atebank und fünf spanische Sparkassen schafften beim angenommenen Krisenszenario nicht die erforderliche Kernkapitalquote von sechs Prozent. Grob gesagt bestimmt die Kernkapitalquote, wie viele der aushaftenden Kredite einer Bank durch Eigenkapital gedeckt sind.
Doch auch am Abend der Bekanntgabe des Ergebnisses wollten die Rufe nicht verstummen, die von einem politisch manipulierten, zu wenig transparenten und zu leichtem Test sprachen.
„Wichtiger Schritt“
Doch dem widersprachen EU, die Europäische Zentralbank (EZB), die europäische Bankenaufsicht CEBS und der Internationale Währungsfonds (IWF). Die Überprüfung der Institute habe die Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensystems insgesamt bestätigt, erklärten EU-Kommission, EZB und die CEBS am Freitag. Die Tests seien ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens der Märkte.
Auch der IWF begrüßt den Banken-„Stresstest“. Das sei ein „wichtiger Schritt in Richtung zu mehr Transparenz und mehr Marktvertrauen“, so IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn.
Nowotny: Geschäftsfeld entscheidend
Nationalbank-Chef Ewald Nowotny zeigte sich in der ZIB2 am Freitagabend über das Abschneiden der heimischen Banken „zufrieden“. Erste, RZB und Bank Austria (sie wurde im Rahmen ihrer italienischen Mutter UniCredit getestet) seien insgesamt im Mittelfeld. Man müsse allerdings den Schwerpunkt der Bank berücksichtigen. Die heimischen Banken seien im Retail-Geschäft (Kredite, Einlagen) tätig. Unter diesen Instituten wären Ersten und RZB deutlich im oberen Ende der Mitte angesiedelt.
Kleine Banken nicht relevant
Auch die Kritik, die kleineren Banken, die teilweise schlechter dastünden, seien gar nicht getestet worden, wies Nowotny ebenfalls zurück. Beim europäischen „Stresstest“ sei es darum gegangen, die internationalen Investoren zu beruhigen. Daher sei es Bedingung gewesen, dass in jedem Land Banken, die in Summe mehr als 50 Prozent der Bilanzsumme ausmachen, getestet werden.
Für die kleinen Banken würden sich die internationalen Investoren gar nicht interessieren. Für sie seien nur jene Institute relevant, die auf dem internationalen Geldmarkt in größerem Stil tätig seien.
Zusätzlich sei aber national ein „Stresstest“ für alle Banken durchgeführt worden, von dem allerdings - anders als beim europäischen Test - keine Details veröffentlicht werden. Laut Nowotny bestanden alle Institute - auch Sorgenkinder wie Hypo Alpe Adria, Volksbank und Kommunalkredit - den Test, wenn auch mit „sehr unterschiedlichen Quoten“.
Im Mittelfeld
Die Erste kommt auf Rang 50, die RZB auf Platz 52 - ex aequo mit der UniCredit, der italienischen Mutter der Bank Austria. Erste und RZB betonen jedoch, sie seien wegen des Osteuropa-Risikos strenger geprüft worden.
Generell verteidigte Nowotny den europäischen „Stresstest“ gegen Kritik, der Test sei quasi „geschoben“ und zu leicht angelegt geworden. Im Gegenteil, Europa habe einen schärferen Maßstab angelegt als die USA vor zwei Jahren. Damals sei es darum gegangen, herauszufinden, welche US-Banken Staatshilfe brauchen. Und diese hätten sich anschließend auch bekommen. In Europa sei die Situation völlig anders. Die Rettungsmaßnahmen seien bereits umgesetzt worden, die Banken hätten sich konsolidiert. Mit anderen Worten: Wären mehr Banken durchgefallen, würde das bedeuten, dass das Bankensystem noch voll in der Krise steckt.
„Bankensystem widerstandsfähig“
Erfreut zeigte sich auch Finanzminister Josef Pröll (ÖVP). Die Ergebnisse ließen selbst im Fall eines neuerlichen Wirtschaftsabschwungs bei keinem Institut einen unmittelbaren Handlungsbedarf erkennen, so Pröll.
7,8 und 8,0 Prozent
Konkret würde sich die Kernkapitalquote der Erste Group in dem Krisenszenario von anfänglich 9,2 Prozent auf 8,0 Prozent per Ende 2011 reduzieren, die der RZB von 9,3 Prozent auf 7,8 Prozent.
Sieger und Verlierer
Die jeweils beste und schlechteste Bank kommt aus Spanien. Testsieger ist die Banca March, die im strengsten Szenario auf eine Kernkapitalquote von 19 Prozent kam. Die Sparkassengruppe Diada wies mit 3,9 Prozent die schlechteste Kernkapitalquote auf.
Bei dem Test wurden die Auswirkungen eines Konjunktureinbruchs und eines Kursverfalls bei Staatsanleihen auf die Bankbilanzen geprüft. Überprüft wurden insgesamt 91 Banken aus 20 EU-Staaten. Europa will mit den „Stresstests“ das von der Finanzkrise erschütterte Vertrauen der Investoren in die europäischen Banken wieder stärken.
Für das „Stress“-Szenario wurde unter anderem angenommen: Das Wirtschaftswachstum fällt 2010 und 2011 aggregiert um drei Prozentpunkte (in der EU) bzw. vier Prozentpunkte (in Österreich) niedriger aus als die Prognose der EU-Kommission. Das Zinsniveau steigt an und die Zinsstrukturkurve flacht ab. Die Risikoprämien auf den Staatsanleihemärkten in Europa weiten sich relativ zu ihren Niveaus von Anfang Mai aus.
US-Börsen im Plus
Der Ausgang des „Stresstests“ wirkte sich auch auf der Wall Street positiv aus. Die Anleger seien erleichtert darüber, dass die meisten Finanzinstitute die Belastungsprobe bestanden hätten, sagten Marktteilnehmer. Für zusätzliche Aufwärtsimpulse sorgten weitere gute Quartalszahlen von US-Unternehmen.
Der Dow Jones knüpfte an seine Vortagesrally an und kletterte um weitere 0,99 Prozent auf 10.424,62 Punkte. Auf Wochensicht gewann der Leitindex 3,24 Prozent. Der breiter gefasste S&P-500-Index verbesserte sich um 0,82 Prozent auf 1.102,66 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq zog der Composite-Index um 1,05 Prozent an auf 2.269,47 Punkte. Der Nasdaq-100-Index legte um 0,66 Prozent zu auf 1.875,38 Punkte. In der abgelaufenen Handelswoche stieg er damit um knapp vier Prozent.
Links:
- tvthek.ORF.at (Nowotny-Interview in ZIB2)
- CEBS
- RZB
- Erste Group
- EU
- OeNB
Publiziert am 24.07.2010