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Erster Schuldspruch

Mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Schreckensregimes der Roten Khmer in Kambodscha ist dem Folterchef Kaing Guek Eav alias „Duch“ der Prozess gemacht worden. Der ehemalige Mathematiklehrer soll in einem der berüchtigsten Foltergefängnisse 12.000 Menschen getötet haben. Das erste Urteil - 35 Jahren Haft - wurde kurz darauf deutlich nach unten revidiert.

Als Genosse „Duch“ sorgte Kaing für Angst und Schrecken unter den Gefangenen im Foltergefängnis S-21 („Tuol Sleng“). Am Montag ist der berühmteste Folterchef des Pol-Pot-Regimes zuerst zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Doch kurz darauf wurde die Strafe auf 30 Jahre reduziert. Schlussendlich muss er nur noch 19 Jahre ins Gefängnis. Als Begründung wurde angeführt, dass der Verurteilte schon seit langem im Gefängnis sitzt.

„Duch“ ist der erste von fünf angeklagten Drahtziehern des Rote-Khmer-Regimes, dem vor dem eigens eingerichteten Völkermordtribunal der Prozess gemacht wurde.

Ehemaliger Rote-Khmer-Chef Kaing Guek Eav "Duch"APA/EPA/Courtesy of DCCAM Picture

Kaing Guek Eav wurde 1942 geboren. Er war von 1976-1979 Leiter des Gefängisses S-21. Dannach tauchte er unter und arbeitete jahrelang als Missionar. 1999 wurde er erkannt und verhaftet.

12.000 Menschen gefoltert

Der ehemalige Mathematiklehrer hatte als Direktor des Foltergefängnisses S-21 mehr als 12.000 Menschen in den Tod geschickt. Der Richter des Völkermordtribunals, Nil Nonn, betonte, „Duch“ sei ein Kriegsverbrecher. Es gebe aber keine ausreichenden Beweise, dass der Verurteilte selbst seine Opfer gefoltert habe. „Duch“ stellte sich im Prozess immer als kleines Rädchen im Getriebe dar.

1,7 Mio. Menschen starben

Angeklagt sind unter anderem die Nummer zwei des Regimes, Nuon Chea, und der ehemalige Staatschef Khieu Samphan. Die Roten Khmer stürzten die ungeliebte und von den USA unterstützte Regierung 1975. Das neue Regime unter Pol Pot, der wie andere Kader in Paris studiert hatte, wollte eine kommunistische Agrargesellschaft verwirklichen. Es zwang die Städter aufs Land und verordnete ihnen Schwerstarbeit auf dem Feld. Insgesamt 1,7 Millionen Menschen kamen ums Leben. Sie starben durch Hungersnöte, Seuchen und Zwangsarbeit.

Jahrelang kein Prozess

Das paranoide Regime ließ aber auch Hunderttausende als Feinde der Revolution foltern und hinrichten. 1979 vertrieben die Vietnamesen die Roten Khmer. Jahrelang wurde niemand zur Rechenschaft gezogen, weil Kambodscha zum Spielball der Weltmächte wurde und im Bürgerkrieg versank. Der seit 1985 amtierende Regierungschef Hun Sen ließ sich erst nach zähen Verhandlungen mit den Vereinten Nationen auf das Völkermordtribunal ein. Pol Pot starb 1998 unbehelligt in der Provinz.

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Publiziert am 26.07.2010