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„Winzig“ im Vergleich zur Ölpest

Vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana ist nach einem Schiffsunfall in der Barataria-Bucht eine Ölquelle aufgerissen. Aus einer Plattform sei eine unbekannte Menge Öl ins Meer geströmt, nachdem ein Boot der US-Küstenwache sie am Dienstag gerammt hatte, sagte der Einsatzleiter der US-Regierung im Kampf gegen die Ölpest, Admiral Thad Allen.

Neben Gas, das in die Luft entweiche, sei auch Öl ins Meer ausgetreten. Der Ölteppich habe bisher eine Ausdehnung von 1,6 Kilometern und sei knapp 50 Meter breit. Nach Angaben des Gouverneurs von Louisiana, Bobby Jindal, sei eine rund 30 Meter hohe Fontäne mit orangebraunem Öl aus dem Leck in die Höhe geschossen. Es handele sich um eine seit 2008 aufgegebene Quelle, sagte er dem Sender CNN.

ÖlfontäneAP/Patrick Semansky

Auf den Vorfall habe schnell reagiert werden können, weil in der Region wegen der mehr als drei Monaten herrschenden Ölpest Tausende Schiffe im Einsatz sind, sagte Allen. Um die Unfallstelle auf dem Wasser herum sei eine rund 1,8 Kilometer lange Begrenzung ausgelegt worden, die das Öl örtlich eindämmen und verhindern soll, dass andere Schiffe das Öl weiter verbreiteten. Das Leck befinde sich in einer Bucht rund 100 Kilometer südlich von New Orleans.

Quelle nicht beleuchtet

Laut dem Kapitän des Schleppbootes soll die Quelle nicht, wie vorgeschrieben, beleuchtet gewesen sein. Als Besitzer des Bohrlochs sei das Unternehmen Cedyco identifiziert worden. Ein Sprecher von Cedyco war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bei dem Unfall wurde niemand verletzt.

Im Vergleich zu dem Ölleck, aus dem seit der gesunkenen BP-Plattform Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko sprudelten, sei das Leck „winzig“, so Deano Bonano, ein Beamter der betroffenen Gemeinde in Louisiana. Der Unfall werde die Säuberungsarbeiten am BP-Leck nicht beeinträchtigen.

2.000 Tonnen Öl verseuchen Fluss

Unterdessen sind nach dem Bruch einer Leitung mehr als 2.000 Tonnen Öl in den Kalamazoo-Fluss im US-Staat Michigan geflossen. Die Pipeline zwischen dem Staat Illinois und Ontario in Kanada wurde inzwischen abgeschaltet, sodass kein Öl mehr ausströme, teilte der Betreiber Enbridge Energy Partners am Dienstag mit. Die Reinigungsarbeiten liefen auf Hochtouren.

Ölpestbekämpfung verläuft nach Plan

Derweil verläuft laut Allen bei der geplanten Versiegelung der BP-Ölquelle rund 60 Kilometer vor der Küste Louisianas alles nach Plan. Es bleibe beim angepeilten Datum, am 2. August Schlamm und Zement von oben in das Bohrloch zu pumpen. Fünf Tage später sei eine ähnliche Prozedur von unten am Ursprung der Quelle vier Kilometer unter dem Meeresgrund vorgesehen.

Knapp zwei Wochen nach Verschluss der defekten BP-Quelle löst sich der Ölteppich auf dem Meer nach Expertenmeinung überraschend schnell auf. Nach Angaben der US-Küstenwache war 100 Tage nach Beginn der Katastrophe nur noch an wenigen Stellen Öl auf dem Wasser zu finden. Fachleuten zufolge ist ein Großteil des Öls an der Oberfläche verdunstet und von Bakterien im Wasser zersetzt worden.

Strafrechtliche Ermittlungen geprüft

Die USA prüfen unterdessen strafrechtliche Ermittlungen gegen BP, Transocean und Halliburton, wie die „Washington Post“ berichtete. Bis es zu Anklagen kommen könne, werde aber möglicherweise mehr als ein Jahr vergehen, schrieb das Blatt. Konkret gehe es darum, herauszufinden, inwieweit „lauschige“ Beziehungen zwischen den Firmen und den Aufsichtsbehörden zum Entstehen der Katastrophe beigetragen hätten. Zu diesem Zweck stelle die US-Regierung eine „BP-Einsatztruppe“ in New Orleans zusammen, die Vertreter der US-Küstenwache, der Umweltschutzbehörde und anderer Einrichtungen umfasse.

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Publiziert am 28.07.2010