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Österreich hinkt hinterher

Die österreichischen Universitäten geben pro Student weniger aus als vergleichbare Hochschulen im deutschsprachigen Raum, sie haben höhere Drop-out-Raten und schlechtere Betreuungsverhältnisse. Das zeigt laut einem „Standard“-Bericht von Anfang Juli eine 2005 für das damalige Bildungsministerium erstellte, allerdings nie veröffentlichte Studie des IHS.

Verglichen wurden dabei - unter Bereinigung von Faktoren wie Mieten und Strukturunterschieden - die drei Volluniversitäten Uni Wien, Uni Zürich und Ludwig-Maximilian-Uni München sowie die drei Technischen Unis TU Wien, TU Darmstadt und ETH Zürich.

Pro Absolvent unterscheiden sich die Gesamtausgaben für Wien, Darmstadt und München allerdings kaum mehr, was die Studie auf die höheren Drop-outs in Wien und Darmstadt zurückführt. Die beiden Züricher Unis lassen sich ihre Absolventen dagegen doppelt so viel kosten. Die Zahlen für den Vergleich stammen aus dem Jahr 2003. Seither haben aber etwa die deutschen Unis Exzellenzinitiativen hinter sich, die ihnen erhebliche Zusatzmittel gebracht haben.

„Faktor drei“ in Übersee

Keine Überraschung war die Studie für den Präsidenten der Universitätenkonferenz, Hans Sünkel: „Das deckt sich mit dem, was ich ohnehin seit Jahren mit mir herumtrage“, sagte er zur APA. Die ETH Zürich gibt laut Studie viermal so viel Geld pro Student aus wie die TU Wien. Ähnliches gilt laut Sünkel auch für die TU Graz, die bei in etwa gleicher Studentenzahl ein fünfmal niedrigeres Budget hat. „Wenn man statt nach Deutschland oder die Schweiz nach Übersee geht, kann man sogar noch einmal den Faktor drei drauflegen“, so Sünkel. In Stanford werden für einen Studienplatz etwa umgerechnet 70.000 Euro aufgewendet, das sei ungefähr zehnmal so viel wie in Österreich.

Kampf um Hunderte Millionen Euro

Politisch will Sünkel die Studie als Argumentationshilfe verwenden, um etwa die Übertragung der Liegenschaften und Gebäude ins Eigentum der Unis anzugehen. Bei den Budgetverhandlungen müsse Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) „nicht nur um jeden Cent kämpfen, sondern um Hunderte Millionen“: „Uns fehlen ja nicht Bruchteile, sondern signifikante Summen, um zumindest gleich gut wie die deutschen Universitäten aufgestellt zu sein.“

„Dürftige“ Infrastruktur

Mit diesen Institutionen werde man ja oft verglichen, argumentierte Sünkel: „Aber nicht, wenn’s ums Geld geht.“ Nicht nur beim Personal hinke Österreich hinterher, sondern auch bei der „dürftigen“ Infrastruktur. Die TU Graz habe eine technologische Infrastruktur im Anschaffungswert von 150 Mio. Euro, die bereits zu 80 Prozent abgeschrieben sei. Gleichzeitig brauche man aber auch geregelten Zugang mit Beschränkungen in den Massen- und Anreizsystemen in Mangelfächern.

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Publiziert am 29.07.2010