Offener Bruch: Berlusconi entsagt Fini Vertrauen
Nach einer Krisensitzung des Präsidiums der italienischen Regierungspartei Popolo della Liberta (PdL) erscheint ein endgültiger Bruch zwischen Premier und Parteichef Silvio Berlusconi mit seinem Langzeitverbündeten Gianfranco Fini unausweichlich.
Auch wenn laut Medienberichten der Ausschluss aus der erst im Vorjahr gegründeten Gemeinschaftspartei noch aussteht, entsagte Berlusconi nach der knapp einstündigen Sitzung Fini gestern Abend offen das Vertrauen. Es bestehe keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit. Zudem forderte Berlusconi Fini auf, auch von seinem Amt als Präsident des Abgeordnetenhauses zurückzutreten. Der Ex-Chef der postfaschistischen Alleanza Nazionale betonte laut ANSA in einer ersten Reaktion, dass sein Amt nicht zur Verfügung stehe. Zudem liege es nicht in der Kompetenz des Premiers, darüber zu entscheiden, so Fini weiter.
Trotz des bisherigen Höhepunkts der seit Monaten schwelenden Krise sieht Berlusconi seine Regierung weiterhin nicht am Ende. Dennoch mehren sich die Zeichen, dass der bald 74-Jährige schon bald nicht mehr über die notwendige Mehrheit verfügen könnte: Zahlreiche Fini-Anhänger kündigten unter anderem bereits die Gründung einer neuen Parlamentsgruppierung an.
Publiziert am 29.07.2010