Japans Wirtschaft verliert überraschend stark an Fahrt
Japans Industrie ist im Juni wegen des stärkeren Yen und der schwächeren Nachfrage aus dem Ausland überraschend ins Stocken geraten. Die Firmen schränkten ihre Produktion mit 1,5 Prozent so stark ein wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr und rechnen auch für den Juli mit weiteren Einbußen, wie aus Daten von heute hervorgeht.
Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Konjunkturerholung in dem ostasiatischen Land an Tempo verliert. Zunehmend werden Forderungen laut, die Notenbank solle mit ihrer Geldpolitik der in einer Deflation gefangenen Wirtschaft aus der Krise helfen.
Abgeordnete drängen auf Inflation
Eine Gruppe von Abgeordneten der regierenden Demokratischen Partei sprach sich für ein Inflationsziel von zwei bis drei Prozent aus. Zudem solle das Notenbankgesetz so geändert werden, dass neben der Preisstabilität auch Vollbeschäftigung als Ziel der Währungshüter gilt. Auch wenn die Vorschläge nicht vollständig von der Regierung übernommen werden, dürfte doch der Druck auf die Bank von Japan steigen.
Die Notenbank senkte bereits die Zinsen nahe null und pumpt zusätzliches Geld in den Markt. Sie sieht ein Inflationsziel jedoch skeptisch. Derzeit kämpft Japan mit hartnäckig fallenden Preisen: Im Juni sanken die Lebenshaltungskosten um ein Prozent und damit nicht so stark wie im Mai. Dennoch ist es bereits der 16. Preisrückgang in Folge. Bei fallenden Preisen droht eine gefährliche Abwärtsspirale, weil sich die Verbraucher in der Hoffnung auf noch günstigere Angebote mit dem Konsum zurückhalten und so die Firmen weiter unter Druck geraten.
Publiziert am 30.07.2010