Bettencourt-Affäre: Woerth als Schatzmeister zurückgetreten
Der in die Spendenaffäre um die L’Oreal-Erbin und Politikerwitwe Liliane Bettencourt verwickelte französische Arbeitsminister Eric Woerth ist heute offiziell von seinem Posten als Schatzmeister der Regierungspartei „Union für eine Volksbewegung“ (UMP) zurückgetreten. Die Parteileitung wird erst im September den Nachfolger ernennen. Nach Angaben der regierungsnahen Paris Tageszeitung „Le Figaro“ (Freitag-Ausgabe) übernimmt vorübergehend UMP-Generalsekretär Xavier Bertrand die Aufgaben des Schatzmeisters.
Woerth wird vorgeworfen, im Jahr 2007 von Bettencourt 150.000 Euro zur Finanzierung des Wahlkampfs von Präsident Nicolas Sarkozy (UMP) erhalten zu haben. In einem Polizeiverhör gestern erklärte der Arbeitsminister, nur legale Schenkungen entgegengenommen zu haben. Er dementierte auch jede Intervention zugunsten seiner Ehefrau Florence, damit diese einen Posten als Vermögensverwalterin Bettencourts erhalte.
De Maistre in Polizeigewahrsam
Unterdessen wurde Patrice de Maistre, der Florence Woerth Ende 2007 in eine Vermögensverwaltungsgesellschaft Bettencourts aufgenommen hatte, am Freitag erneut in Beugehaft genommen. Nach Angaben der Tageszeitung „Le Monde“ (31. Juli), seien Widersprüche in den Aussagen De Maistres und Woerths nachgewiesen worden.
De Maistre war bereits am 15. und 16. Juli festgenommen und gemeinsam mit dem Fotografen Francois-Marie Banier einvernommen worden, dem vorgeworfen wird, der 87-jährigen L’Oreal-Erbin Güter im Millionenwert entzogen zu haben. De Maistre wird insbesondere vorgeworfen, Woerth die 150.000 Euro vonseiten Bettencourts überreicht zu haben.
2008 war De Maistre dann von Woerth mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. In geheimen Tonbandaufzeichnungen erklärte de Maistre im Gespräch mit Bettencourt, Woerths Ehefrau aufgenommen zu haben, um dem Minister einen „Gefallen“ zu tun. Der damalige Budgetminister steht im Verdacht, im Gegenzug dafür Steuervergehen Liliane Bettencourts „übersehen“ zu haben.
Publiziert am 30.07.2010