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„Uns egal, wenn sie eine Sexbombe ist“

Julia Perez hat keine politische Erfahrung. Als Quereinsteigerin in die indonesische Regionalpolitik hofft die attraktive 30-Jährige alias „Jupe“ trotzdem, punkten zu können. Dass ihre Kandidatur das ganze Land polarisiert, liegt aber weniger an ihrer mangelnden Erfahrung, als vielmehr an ihrer Freizügigkeit.

Die Sängerin und Schauspielerin geizt nicht mit ihren Reizen. Auf Fotos und in ihren Musikvideos zeigt sich die Muslimin gern mit viel nackter Haut in sexy Posen. Sie ist eine „heißblütige, hüftenschwingende Celebrity“, in einem Land, in dem ihr Dekollete „den Ärger islamischer Hardliner“ nach sich zieht, schreibt CNNGo über Perez.

Es ist aber nicht nur ihre Kleidung, die konservative Kräfte in Indonesien provoziert: Sie stoßen sich auch an ihrem Engagement für Sexualaufklärung. „Jupe“ wurde dafür von der National AIDS Commission zur Kondombotschafterin ernannt. Ihrem letzten Album legte die Künstlerin beispielsweise kostenlose Präservative bei, und sie unterstützt die Aufklärung von Teenagern und Frauen zum Thema Safer Sex.

„Lerne Politik aus dem Fernsehen“

Perez kandidiert für die Opposition bei den Wahlen zum Bezirksleiter von Pacistan - der Provinz, aus der auch der indonesische Präsident stammt. Sie selbst behauptet gegenüber CNNGo, ihre „Hausaufgaben darüber, eine gute Politikerin zu sein“ gemacht zu haben. „Ich lerne Politik aus dem Fernsehen und aus Zeitungen“, wird sie vom „Jakarta Globe“ zitiert.

Kandidaten mit „moralischen Mängeln“ verbieten?

Konservative Gruppen strengten sich an, die Kanidatur von „Jupe“ zu verhindern: Sie versuchten erfolglos, die Gesetze für Regionalwahlen so abzuändern, dass Kandidaten mit „moralischen Mängeln“ verboten wären. Das Bestreben wurde jedoch von Kritikern aus Medien und durch Unterstützungserklärungen in Sozialen Netzwerken vereitelt, berichtet die „New York Times“ („NYT“, Online-Ausgabe). Ein Großteil der Bevölkerung glaubt laut CNNGo schlicht an einen Witz.

„Kann so sein wie Barack Obama“

Perez meint es jedoch offenbar ernst: „Ich möchte Bezirksleiterin werden, aber es ist, als würde ich Präsidentin werden wollen. Ganz Indonesien beobachtet mich. Die Menschen sagen, ich sei zu jung, ich hätte nicht das Recht zu kandidieren, weil ich zu sexy bin. Aber in der Politik geht es um Ehrlichkeit, es geht darum ein gutes Team zu haben. Ich kann auch so sein wie Barack Obama“, sagte die Sängerin gegenüber CNNGo.

Laut „NYT“ haben die Unterstützer Perez’ nicht ohne Grund eine hübsche junge Frau als Kandidatin gewählt: Der Chef der lokalen Oppositionspartei Hanura habe gesagt, dass die Partei nach einem Prominenten gesucht habe, der Investoren anlocken soll. „Perez ist ehrlich darüber, was sie ist“, sagt der Parteichef. „Sie ist bereit, hart zu arbeiten und zu lernen. Es ist uns egal, wenn sie eine Sexbombe ist.“

„Paradoxon der indonesischen Demokratie“

In einem Kommentar über die Aufregung, die Perez’ Kandidatur in Indonesien auslöste, schreibt die „Jakarta Post“ (Online-Ausgabe): „Es ist das Paradoxon der Demokratie in Indonesien, das zeigt, dass mehr Menschen Angst vor ‚promiskuitiven‘ Figuren als vor korrupten Verurteilten und Menschenrechtsverletzern haben, wenn es um die Wahlen geht. Das Gesetz erlaubt es verurteilten Schuften, bei den Wahlen anzutreten, hat jedoch keine Gnade gegenüber mutmaßlichen Ehebrechern.“

Nur ein PR-Gag?

Dass Perez ausgerechnet in jenem Bezirk kandidiert, aus dem der indonesische Präsident stammt, sehen Kritiker jedoch als Hinweis darauf, dass ihre Kandidatur lediglich eine PR-Masche ist: „Ich habe meine Zweifel an Julia Perez, weil die Kandidatur nicht ihre Idee war“, sagt etwa die Autorin Julia Suryakusuma. „Das sieht nach einem Trick der Oppositionsparteien aus, um den Präsidenten in Verlegenheit zu bringen“, wird sie von der „NYT“ zitiert.

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Publiziert am 02.09.2010