Stromanbieter: Österreicher noch immer wechselfaul

Mit der gestern präsentierten Studie der deutschen Grünen, wonach die deutschen Energiekonzerne von ihren Stromkunden heuer bis zu eine Milliarde Euro zu viel kassieren, ist auch in Österreich die Diskussion um möglicherweise zu hohe Strompreise wieder einmal aufgeflammt.

Wie die deutschen Grünen kritisiert auch der heimische Energieregulator, dass die Versorger die Preissenkungen an den Strombörsen nicht ausreichend an die Kunden weitergäben. Die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern sind mitunter beträchtlich - momentan kann sich ein Haushalt bis zu 82 Euro im Jahr sparen. Trotzdem sind die Österreicher noch immer „wechselfaul“.

In den vergangenen drei Jahren wechselten jeweils nur ein bis 1,5 Prozent der Haushalte ihren Stromanbieter, sagte Johannes Mayer, Leiter der E-Control-Volkswirtschaftsabteilung. 2009 betrug die Wechselquote 1,2 Prozent, was etwa 48.000 Haushalten entspricht, 2008 hatten 1,3 Prozent gewechselt. Deutlich wechselfreudiger ist die Industrie - jährlich sucht sich etwa jedes zehnte Unternehmen einen neuen Stromlieferanten.

E-Wirtschaft: „Konsumentenbeschimpfung“

Die heimische E-Wirtschaft wehrt sich indes erneut gegen die Kritik der E-Control wegen möglicherweise zu hoher Strompreise. Der Regulator betreibe „Konsumentenbeschimpfung“, so Ernst Brandstetter vom Branchenverband Oesterreichs Energie im Zusammenhang mit der geringen Zahl der Österreicher, die jährlich ihren Stromanbieter wechseln. Brandstetter kontert: Seit der Liberalisierung des Strommarktes 2001 hätten bereits zehn Prozent aller Haushalts- und 50 Prozent aller Industriekunden ihren Lieferanten gewechselt.

Darüber hinaus hätten sich in den vergangenen neun Jahren alle Industrieunternehmen neue Stromlieferverträge ausgehandelt. Und 50 Prozent des Stroms fließe in die Industrie, so der Sprecher der Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft.

Publiziert am 04.08.2010