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Dramatische Lage nach Dammbruch

Die Hochwasserlage an der deutschen Grenze zu Polen hat sich nach heftigen Regenfällen weiter verschärft. Der Fluss Neiße im deutschen Bundesland Sachsen ist in der Nacht auf Sonntag nach einem Dammbruch ungewöhnlich schnell angeschwollen. In der Grenzstadt Görlitz mussten tausende Menschen in Sicherheit gebracht werden. Mindestens sieben Menschen kamen bisher ums Leben.

„Die Lage ist nach wie vor angespannt“, sagte ein Sprecher der Polizei Görlitz. Knapp tausend Menschen mussten durch die Einsatzkräfte in Sicherheit gebracht werden, zwei Altenheime wurden evakuiert. Sorge bereiteten den Rettern Schaulustige, die von Brücken aus das Hochwasser beobachteten, sagte der Polizeisprecher. Sie brächten sich unnötig in Gefahr.

Schaulustige am FlussuferAPA/DPA/Jan WoitasSchaulustige in der Stadt Görlitz

Minister appelliert an Bevölkerung

„Wir haben eine dramatische Situation“, sagte auch Innenminister Markus Ulbig (CDU). Er hielt sich bis zum späten Samstagabend in Görlitz auf. „Mit wenigen Ausnahme reagiert die Bevölkerung gut auf die Evakuierungen“, sagte der Minister. In Zittau habe jedoch ein Radfahrer von einer Dammkrone geholt werden müssen. „Solche Menschen bringen sich und andere leichtfertig in Gefahr“, sagte Ulbig. Der Minister appellierte eindringlich, den Weisungen der Rettungskräfte zu folgen.

Evakuierte PensionistenAPA/DPA/Jan WoitasSenioren werden in Sicherheit gebracht.

Damm gebrochen

Nach heftigen Regenfällen und dem Bruch einer Staumauer am Witka-See im polnischen Grenzgebiet war die Neiße in Görlitz binnen weniger Stunden auf einen Höchststand von sieben Metern angestiegen. In der Region war deshalb Katastrophenalarm ausgerufen worden. Trotz zwischenzeitlicher Stagnation war in den frühen Morgenstunden noch kein Sinken des Pegels in Sicht.

In Sachsen wurden Erinnerungen an das Jahrhunderthochwasser im August 2002 wach: Auch damals waren nach heftigen Regengüssen zunächst Bergflüsse über die Ufer getreten, dann große Wasserläufe bis hin zur Elbe. 21 Menschen starben damals, die Schäden gingen in die Milliarden.

Haus im HochwasserAPA/EPA/Hendrik SchmidtChemnitz steht großteils unter Wasser.

Drei Personen ertranken im Keller

Am Samstag hatte das Tief „Viola“ auf dem Weg gen Osten unter anderem im Erzgebirgsort Neukirchen gewütet. Dort ertranken eine 72-Jährige, ihr 74-jähriger Ehemann und ein 63-jähriger Nachbar, als sie versuchten, Haushaltsgeräte vor den Fluten aus dem Keller ihres Hauses zu retten.

Wegen Hochwassers an der Elbe wurde der Zugverkehr zwischen Sachsen und Tschechien unterbrochen. In Polen wurde die Stadt Bogatynia an der Grenze zu Sachsen fast vollständig überflutet. Ein Mensch sei dabei ums Leben gekommen, sagte der Sprecher der polnischen Feuerwehr, Pawel Fratczak, der Nachrichtenagentur PAP. In Tschechien ertranken vier Männer. Auf Wunsch der Regierung in Prag schickte das Deutsche Rote Kreuz vier seiner Luftretter mit Hubschraubern der Bundespolizei nach Tschechien. Viele Menschen warteten auch dort auf den Dächern ihrer Häuser auf Rettung, teilte die Hilfsorganisation mit.

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Publiziert am 08.08.2010