Themenüberblick
„Ungläubige wollen uns versklaven“
Geld, das die pakistanische Regierung jedoch nicht annehmen soll, wenn es nach der radikal-islamischen Taliban geht. Sie fordert einen Verzicht der US-Hilfsgelder. „Die Regierung darf amerikanische Hilfe nicht annehmen“, sagte ein Sprecher der pakistanischen Taliban-Organisation Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), Azam Tariq, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. „Wir verachten Amerika und andere ausländische Hilfe und glauben, dass sie zu Unterwerfung führt.“
„Alle Unterstützung, die kommt, ist von den Christen und Juden, die die Feinde des Islams sind. Die Menschen sollten gewarnt sein, dass die Ungläubigen uns versklaven wollen, indem sie die Hilfe stellen“, so Tariq.
Wollen selbst Hilfsgüter ausliefern
Die Aufständischen boten ihrerseits Hilfen für die Flutopfer in Höhe von 20 Millionen Dollar (rund 15 Mio. Euro) an. Die Taliban-Organisation werde selbst Hilfsgüter ausliefern, wenn die Regierung garantiere, dass TTP-Mitglieder nicht verhaftet würden, sagte Tariq.
Berichten zufolge nutzen „karitative“ Organisationen mit Kontakten zu Militanten das Machtvakuum, das durch unzureichende staatliche Hilfe entstehen dürfte, schon jetzt: So soll die Organisation Falah-i-Insaniat 13 Notlager gebaut haben, hinter ihr soll letztlich die Gruppe Lashkar-e-Toiba stehen, die unter anderem für schwere Terroranschläge in Indien verantwortlich ist, berichtete die „Presse“.
Präsident auf Auslandsreise
Befürchtungen, wonach das „wohltätige“ Auftreten aufständischer Gruppen ihren Zulauf vergrößern könnte, werden durch die massive Kritik am Katastrophenmanagement des pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari gestärkt: Er hielt sich bisher auf einer Auslandsreise auf und kehrte erst am Dienstag in seine Heimat zurück. Zardari besuchte Frankreich und Großbritannien, während die Flutkatastrophe immer schlimmere Ausmaße annahm. Er führte seine Reise nicht nur wie geplant zu Ende, sondern machte am Schluss noch einen zunächst nicht vorgesehenen Abstecher nach Syrien.
Zardaris Image angeschlagen
Die Opposition und viele Menschen in der Bevölkerung hatte Zardari wegen seiner „Gleichgültigkeit über das Leid seines Volkes“ heftig kritisiert. Politische Analysten nannten Zardaris Abwesenheit während der Flut seinen schwersten politischen Fehler jemals. Seine Beliebtheitswerte sind jüngsten Umfragen zufolge im Keller. Im britischen Birmingham hatte ein Pakistaner den Präsidenten mit seinen Schuhen beworfen, was in der muslimischen Welt als Zeichen höchster Geringschätzung gilt.
Wegen drohender Überflutungen ordneten die Behörden unterdessen die Evakuierung der Stadt Muzaffargarh in der zentralpakistanischen Provinz Punjab an. Mehr als 450.000 Einwohner und über 300.000 weitere Menschen, die wegen Überflutungen in umliegenden Dörfern in Muzaffargarh Zuflucht gesucht hatten, verließen die Stadt.
„Wie ein Weltuntergang“
„Es war wie ein Weltuntergang“, sagte der örtliche Journalist Mohammad Ali. „Nachdem die Regierung die Menschen am Montag dazu aufrief, die Stadt zu verlassen, rannte jeder um sein Leben.“ Nur einige Männer seien zurückgeblieben, um Häuser zu bewachen.
In der am schlimmsten betroffenen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa ließen die Regenfälle am Dienstag etwas nach. Hubschrauber, die wegen des schlechten Wetters zwei Tage lang am Boden bleiben mussten, konnten die Rettungsarbeiten fortsetzen.
Links:
Publiziert am 11.08.2010