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Zuversicht trotz schlechter Konjunkturdaten

Die während der Wirtschaftskrise um 50 Prozent zurückgegangenen Firmenehen nehmen wieder zu. Im bisherigen Monatsverlauf stieg der Wert der Fusionen und Übernahmen weltweit auf knapp 200 Milliarden Dollar (rund 157 Mrd. Euro), wie aus einem nun veröffentlichten Bericht von Thomson Reuters hervorgeht.

Diese Höhe ist ungewöhnlich für den traditionellen Urlaubsmonat August und kommt sehr nahe an den bisherigen Höhepunkt vom August 1999 heran mit einem Fusionsvolumen von rund 275 Mrd. Dollar. An der Börse werden Übernahmen als Zeichen für zurückkehrenden wirtschaftlichen Optimismus in den Unternehmen gewertet - obwohl die Kursverluste an den Börsen und die schlechten Konjunkturdaten insbesondere in den USA wenig Anlass dafür geben.

Beispiele aus den vergangenen Tagen gibt es ausreichend. Am Donnerstag kündigte der Halbleiterkonzern Intel überraschend den Kauf des Sicherheitssoftware-Unternehmens McAfee für 7,7 Mrd. Dollar an. Beobachter erwarten sich in diesem schnell wachsenden Segment weitere Übernahmen und rechnen, dass andere Branchengrößen wie Oracle und IBM auf den Intel-Vorstoß reagieren. Insbesondere McAfee-Rivale Symantec und kleinere Anbieter wie Checkpoint Systems, Sourcefire und SafeNet geraten zunehmend in den Fokus von Anlegern und Interessenten.

„Ultimativer Ausdruck von Zuversicht“

Nicht nur die Anbieter von Sicherheitssoftware werden potenzielle Übernahmekandidaten. Auch um den Speicherspezialisten 3PAR hat sich eine Bieterschlacht entwickelt. Banker erwarten vor allem in den Bereichen Technologie, Energie, Gesundheit und Rohstoffe vermehrte Zusammenschlüsse. Das steigende Interesse ist laut „Financial Times“ auch auf den Aufstieg Chinas und Indiens und die daraus resultierende stärkere Nachfrage nach Rohstoffen zurückzuführen. Deren Preise sind laut „Financial Times“ seit Anfang 2009 wieder um 35 Prozent gestiegen. Nicht umsonst sind asiatische Unternehmen auch bei Übernahmen von westlichen Firmen auf dem Vormarsch.

„Bei den Transaktionen in dieser Woche ging es um den ultimativen Ausdruck von Zuversicht“, sagte Jeffrey Kaplan gegenüber dem „Wall Street Journal“. Kaplan leitet bei der Bank of America Merrill Lynch den Bereich Fusionen und Übernahmen (M&A, Mergers & Acquisitions). Die optimistischere Stimmung und die steigenden Unternehmensgewinne bewirken den derzeitigen Meinungsumschwung. Denn noch vor wenigen Wochen stimmten die großen Investmenthäuser wie Goldman Sachs und JPMorgan überein, dass es 2011 zu „keinem dramatischen Sprung der Fusionsaktivitäten“ kommen werde. 2010 war bereits als dürftiges Jahr für Zusammenschlüsse abgehakt worden.

Düngemittelhersteller umworben

Angeführt wird die Übernahmeschlacht heuer aber von dem australischen Bergbaukonzern BHP Billiton, der in einer feindlichen Übernahme rund 39 Milliarden Dollar für den kanadischen Düngemittel-Weltmarktführer Potash bietet. Die Investmentbanker können sich auf ordentliche Provisionen einstellen. Allein für den Auftrag von BHP, der laut „Handelsblatt“ eine Reihe von Beratern darunter JPMorgan, Barclays Capital, BNP Paribas und die Royal Bank of Scotland engagierte, können die Banken laut Insidern auf 180 bis 190 Mio. Dollar an Honorar erwarten, wenn BHP zum Zug kommt.

Sicher ist das noch nicht, denn Potash sucht nach Alternativen zu BHP und könnte dabei in China Erfolg haben. Denn der chinesische Staatskonzern Sinochem bekundete bereits Interesse an dem kanadischen Unternehmen. Die Übernahme durch BHP wäre die größte Übernahme in diesem Jahr.

Nicht alle glauben an neuen Boom

Dennoch gibt es auch warnende Stimmen, die den Boom an Zusammenschlüssen eher als Zufallsprodukt betrachten: „Da wieder Stabilität einkehrt, werden wir definitiv mehr Fusionen und Übernahmen sehen. Ich denke jedoch, dass die gegenwärtige Flut an Transaktionen noch nicht den Start eines großen Booms ankündigt“, glaubt Guy Dawson von der Investmentbank Nomura im Interview mit Reuters.

Auch Robert Profusek von der Anwaltskanzlei Jones Day’s global M&A practice sieht im „Wall Street Journal“ nach wie vor eine durchwegs misstrauische Haltung bei Übernahmen und spricht angesichts des flauen Wirtschaftswachstums und der insbesondere in den USA hohen Arbeitslosenzahlen von einem „schizophrenen Markt“. Bei Übernahmen werde „jeder Stein gewendet“, das ziehe den Prozess in die Länge und könne dadurch einige Deals überhaupt zum Erliegen bringen.

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Publiziert am 21.08.2010