Roma-Abschiebungen: Papst mahnt Sarkozy
Angesichts der von Präsident Nicolas Sarkozy verordneten Abschiebungen von Roma aus Frankreich hat sich heute auch Papst Benedikt XVI. kritisch zu Wort gemeldet. Er mahnte, die Menschen in ihrer „legitimen Unterschiedlichkeit“ anzunehmen.
In seinem französischen Grußwort nach dem Angelusgebet am Sonntag in Castelgandolfo sprach er laut Kathpress zwar die umstrittenen Ausweisungen von Roma nicht direkt an, betonte aber, Jesus sei gekommen, Menschen aller Nationen und Sprachen zu versammeln. Die Eltern rief der Papst auf, ihre Kinder im Geist „universeller Brüderlichkeit“ zu erziehen.
Priester wünscht Sarkozy Herzinfarkt
Aus Empörung wünschte ein Priester aus Lille Sarkozy den Tod. „Ich bitte um Vergebung, doch ich bete dafür, dass (Präsident Nicolas) Sarkozy einen Herzinfarkt bekommt. Ich weiß nicht mehr weiter - mir ist klar, dass das nicht okay ist“, sagte Bruder Arthur vor Journalisten. Der 71-jährige Priester hatte sich der Hilfe für die Roma gewidmet und sprach von einem regelrechten Feldzug, der seit drei Monaten gegen sie geführt werde.
Regierung bleibt hart
Trotz anhaltender internationaler Kritik setzt Frankreich seine Abschiebungspolitik gegenüber Roma rumänischer und bulgarischer Herkunft unbeirrt fort. Die Regierung in Paris betonte, dass die Regeln der Europäischen Union respektiert würden, zumal die Heimreisen auf „freiwilliger Basis“ erfolgten und jeder Fall „einzeln überprüft“ werde. Bisher wurden den Angaben zufolge 216 Roma nach Rumänien geflogen. Weitere 160 werden am 26. August folgen.
UMP kritisiert „Linksmilliardäre“
„Wir sind nicht dazu berufen, alle Roma aus Rumänien und Bulgarien in Frankreich aufzunehmen“, erklärte Innenminister Brice Hortefeux (UMP) gegenüber der Tageszeitung „Le Monde“ (Wochenendausgabe) und kritisierte die „Linksmilliardäre“ und das „kleine politisch-mediale Milieu in Paris“, die sich dieser Politik widersetzten.
Opposition sieht „Staatsrassismus“
Die Linksopposition warf Sarkozy vor, eine Volksgruppe anzugreifen, um dadurch im Hinblick auf die Präsidentenwahl im Jahr 2012 Wähler des rechtsextremen Front National (FN) von Jean-Marie Le Pen zu gewinnen. Die EU-Abgeordnete Eva Joly von „Europe Ecologie“ sprach gestern von einem „Staatsrassismus“.
„Zielt auf niedrigste Gefühle ab“
„Ich schäme mich meines Landes“, betonte der PS-Europaparlamentarier Vincent Peillon gegenüber der Tageszeitung „Le Parisien“ (Sonntag-Ausgabe) und fügte hinzu: „Erneut wollte man den Sommer mit Themen ausfüllen, die nicht die wirklichen Probleme Frankreichs sind, und in einem Tonfall, der auf die niedrigsten Gefühle abzielt.“
Publiziert am 22.08.2010