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„Hauptmarkt nicht vernachlässigen“

Österreichs Tourismusbetriebe haben heuer in der ersten Hälfte der Sommersaison ein Plus von 1,4 Prozent bei den Gästenächtigungen verzeichnet. Vor allem die Zahl der inländischen Gäste legte wie bereits in den vergangenen Jahren zu. Auffallend ist jedoch, dass der Anstieg bei ausländischen Gästen stagniert.

Insgesamt wiesen die Betriebe in den Monaten Mai bis Juli 29,78 Millionen Übernachtungen aus. Wesentlich stärker haben sich die gezählten Ankünfte erhöht, die um 5,3 Prozent zulegten, geht aus den aktuellen Zahlen der Statistik Austria von Mittwoch hervor. Aber die Urlauber bleiben nicht mehr so lange wie früher. In der ausgewiesenen Periode verringerte sich die Aufenthaltsdauer im zehnjährigen Vergleich von 4,7 auf 3,9 Nächtigungen pro Gast.

Weniger ausländische Gäste

Betrachtet man das gesamte erste Halbjahr (von Jänner bis Juli) ist der Zuwachs etwas geringer. Hier liegt die Zahl der Übernachtungen nur 0,6 Prozent über der Vorjahresperiode. Auffallend ist jedoch, dass trotz besserer Wirtschaftsdaten als im Vorjahr die Nächtigungen ausländischer Gäste bei 57,89 Millionen stagnierten. Vor allem die Nächtigungen deutscher Urlauber brach um 4,1 Prozent ein.

„Die Alarmglocken läuten“

Für den Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Hans Schenner, müssten hier bereits die „Alarmglocken läuten“. „Man darf den Hauptmarkt nicht vernachlässigen“, warnte Schenner gegenüber ORF.at, hier seien vor allem die Österreich Werbung und die Landesverbände gefordert. Gerade in den Bundesländern Kärnten, Oberösterreich und Steiermark würde man das Wegfallen der Urlauber aus Deutschland besonders deutlich merken. „Und hier ist für August und September keine Verbesserung zu erwarten.“

Land Prozent
Deutschland -4,3
Italien -2,6
Niederlande +2,4
Großbritannien +12,4
USA +17,7
Russland +32,9

Dort, wo ausländische Gäste auslassen, springen zunehmend heimische Touristen ein. In der ersten Jahreshälfte wurden 20,88 Millionen Übernachtungen inländischer Gäste registriert - ein Plus von 2,3 Prozent.

Wien top, Oberösterreich und Kärnten flop

Nach Bundesländern betrachtet konnte die Mehrheit der Bundesländer ihre Nächtigungsbilanzen in der ersten Sommerhälfte 2010 deutlich verbessern - mit Ausnahme von Kärnten (minus 3,8 Prozent) und Oberösterreich (minus 4,2 Prozent). Insbesondere Wien lag mit einem besonders kräftigen Zuwachs von 13,7 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt von plus 1,4 Prozent. Hier trug vor allem der Aids-Kongress im Juli zum starken Zuwachs bei.

Dass vor allem das südlichste Bundesland Kärnten beim Sommertourismus immer mehr am Boden verliert, führen Tourismusexperten auf den mangelnden Qualitätstourismus zurück. So gibt es in vielen Regionen nur wenige bis gar keine Unterkünfte im Fünf- und Viersternesegment, doch gerade die würden laut einer Gästebefragung im Auftrag der Kärnten Werbung und des Tourismusreferates des Landes verstärkt nachgefragt - mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Wanderer in TirolAPA/Tiroler ZugspitzarenaTouristen auf dem Tiroler Zugspitz

Im Vergleich dazu sind Tirol und Vorarlberg über die erste Hälfte des Sommers mehr als zufrieden. Vor allem in Vorarlberg freut man sich über die höchste Gästezahl, die bisher registriert wurde - mehr dazu in vorarlberg.ORF.at. Und in Tirol konnte durch Investitionen in die Qualitätshotellerie im Juli ein Plus von 9,6 Prozent verzeichnet werden - mehr dazu in tirol.ORF.at.

Gäste wollen nobel urlauben

Wie wichtig die Unterkunft bei der Wahl des Urlaubsortes ist, belegt auch die Studie der Statistik Austria. So entschieden sich die Urlauber in der ersten Sommerhälfte vor allem für qualitativ höherwertige Unterkunftsarten: Hotelbetriebe der Fünf-und Viersternkategorie verzeichneten ein Plus von 6,2 Prozent, Dreisternbetriebe plus 1,0 Prozent. Unterkünfte der Zwei- und Einsternkategorie hingegen verzeichneten Rückgänge von 4,3 Prozent, ebenso wie Privatquartiere bzw. private Ferienhäuser und -wohnungen.

Flugreisen ziehen wieder an

Wer nicht im eigenen Land urlaubt, der steigt wieder ins Flugzeug. So wurden im Juli um über 20 Prozent mehr Linienflüge gebucht worden als im relativ schwachen Vergleichsmonat des Vorjahres, wie der Geschäftsführer der Buchungsplattform Amadeus Austria, Wilfried Kropp, am Dienstag mitteilte. Doch auch gegenüber Juli 2008 betrage der Zuwachs immer noch rund zehn Prozent, der Einbruch im Jahr 2009 sei mehr als wettgemacht.

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Publiziert am 25.08.2010