Spontanwalzer und „Boxring“: FPÖ beginnt Wien-Wahlkampf
Als erste Partei hat gestern die FPÖ ihren Wahlkampf für die Gemeinderats- und Landtagswahl am 10. Oktober eröffnet. Schauplatz war das Einkaufszentrum Lugner City im 15. Wiener Gemeindebezirk, Höhepunkt ein Auftritt von FPÖ-Bundesparteichef Heinz-Christian Strache, der in seiner Rede prognostizierte, Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) werde im Wahlkampf „die Luft ausgehen“.
Vor Straches Auftritt hatten sich neben der U-Bahnstation Burggasse-Stadthalle und vor dem Haupteingang der Lugner City Gegendemonstranten versammelt, die, begleitet von Trommeln und Trillerpfeifen, „Nieder mit der FPÖ“ skandierten. Auf Transparenten waren Slogans wie „Blut kennt keine Grenzen“ (in Anspielung auf die FPÖ-Kampagne „Mehr Mut für unser Wiener Blut“) und „Stoppt die Hetze gegen Muslime“ zu lesen.
Walzer vor der Hauptbibliothek
Um Punkt 17.30 Uhr versammelten sich auf dem Urban-Loritz-Platz vor dem Aufgang zur Hauptbibliothek weitere FPÖ-Gegner zu einem Flashmob. Geschätze 100 Paare tanzten anschließend für zehn Minuten zum Johann-Strauss-Walzer „Wiener Blut“. Aufrufe zur Teilnahme waren via Internet verbreitet worden.
Bühne als Boxring
„Wiener Blut“ erklang auch in der Lugner City, bevor Strache (in Anspielung auf das „Duell um Wien“) die zu einem Boxring stilisierte Bühne betrat. Vor einem übergroßen Transparent mit der Aufschrift „Ring frei - M. Häupl vs. HC Strache“ hatte zuvor eine Band die Strache-Fans in Stimmung zu bringen versucht.
Strache zeigte sich bei seinem Auftritt „beeindruckt ob dieser Kulisse“, da er vor einem (de facto nicht ganz) „vollen Haus“ stehe. „Fleißige Menschen sind bei uns willkommen“, erklärte der FPÖ-Chef, nachdem er und seine Partei wegen ihrer Wahlkampagnen („Wiener Blut“) ins Kreuzfeuer der Kritik geraten waren. Die FPÖ wolle lediglich „keine unanständigen Menschen“.
Unfreiwillige Redepause
Kurz nach dem Beginn seiner Rede musste Strache nach einem Mikrofonausfall unfreiwillig eine mehrminütige Pause einlegen. Er kommentierte die Panne halbernst als „Sabotageakt“, um schließlich festzustellen, dass man ihm „das Wort nicht abdrehen“ könne. An der SPÖ und Häupl kritisierte der FPÖ-Chef und Spitzenkandidat für die Wien-Wahl, diese habe keine Lösungen und sei die Partei der „großkopferten Superverdiener“, habe das „Staatsbürgerschaftsrecht im Gemeindebau abgeschafft“. Überhaupt seien beim kommunalen Wohnen die „Mietpreise asozial“. Die FPÖ werde sich für finanzierbare Mieten einsetzen, versprach Strache.
SPÖ als „Islamistenpartei“
Einmal mehr titulierte der FPÖ-Chef die Wiener Sozialdemokraten als „Islamistenpartei“. Der SPÖ-Abgeordnete und Integrationsbeauftrage der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) trete bei Demonstrationen als „Einpeitscher“ und „Hetzprediger“ auf. Die SPÖ sei für eine „schrankenlose, völlig unkontrollierte Zuwanderung“ und „teilweise Parallelgesellschaften“ in Wien verantwortlich. Häupl wünschte Strache am 10. Oktober eine „ordentliche“ Wahlniederlage. „Der Herr ist rücktrittsreif.“
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Publiziert am 02.09.2010