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Schwere Schäden in Christchurch

Ein heftiges Erdbeben hat am Samstag (4.35 Uhr Ortszeit; Freitag, 19.35 Uhr MESZ) vor allem in Christchurch schwere Schäden angerichtet. In der mit 400.000 Einwohnern größten Stadt der Südinsel wurde der Notstand ausgerufen. Bürgermeister Bob Parker warnte vor Nachbeben, durch die Teile von beschädigten Gebäuden einstürzen könnten.

Richterskala

Stärke 1 bis 2: nur durch Instrumente nachweisbar; 3: selten zu spüren; 4 bis 5: 30 km um das Zentrum spürbar, leichte Schäden; 6: mäßiges Beben, Todesopfer und schwere Schäden möglich; 7: Katastrophen möglich; 8: Großbeben.

Nach dem Hauptbeben mit der Stärke 7,1 auf der Richterskala kam es bisher noch zu zwölf spürbaren Nachbeben mit Stärken zwischen 3,9 und 5,3 nach Richter. Seismologen warnten vor einem noch größeren Nachbeben. Einige Gebäude wurden gesperrt, weil ihr Betreten zu unsicher erschien.

Der Internationale Flughafen von Christchurch wurde sicherheitshalber geschlossen. Brücken in der Region wurden nach Angaben der Feuerwehr beschädigt. Der Schienenverkehr auf der Südinsel wurde eingestellt.

Zerstörte HäuserAPA/EPA/David AlexanderEin zerstörtes Gebäude in der Manchester Street im Zentrum von Christchurch

Kein Wasser, kein Strom, kein Handyempfang

Ein Mann starb während des Bebens an einem Herzinfarkt. Mehrere Menschen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Die meisten kamen aber mit Schnittwunden, Prellungen oder Knochenbrüchen davon. Durch die Erschütterungen stürzten etliche Häuser in Christchurch ein. Unter den Menschen brach eine Panik aus. Viele liefen auf die Straße. Andere wurden nach Angaben der Feuerwehr in ihren beschädigten Häusern eingeschlossen. Viele Straßen waren mit Trümmern übersät.

15.000 Beben pro Jahr

Neuseeland liegt in einem Gebiet, in dem zwei Erdplatten zusammenstoßen. Deshalb kommt es hier bis zu 15.000 Beben pro Jahr, von denen rund 150 zu spüren sind. Bei weniger als zehn im Jahr kommt es zu Schäden. Das letzte große Beben am 16. Juli 2009 in der Region Fiordland erreichte eine Stärke von 7,8 und führte laut Seismologen dazu, dass die Südspitze Neuseelands 30 Zentimeter näher an Australien herangeschoben wurde. Das bisher verheerendste Erdbeben traf 1931 die Stadt Napier auf der Nordinsel. Mehr als 250 Menschen starben.

Das Strom- und das Mobilfunknetz brachen zusammen, Autos wurden demoliert und ganze Straßenzüge blockiert. Auch die Gas- und Wasserversorgung wurde unterbrochen. Bürgermeister Parker äußerte sich „entsetzt“ über die entstandenen Schäden. Auch ihn habe das Beben „vollkommen verängstigt“. „Ich habe so etwas noch nie gespürt und ich habe, wie die meisten Kiwis (Neuseeländer), schon eine Reihe ordentlicher Erschütterungen erlebt.“

„Es ist nicht sicher in der Stadt“

Einige Fälle von Plünderungen wurden bekannt. Wie Polizeikommissar Mike Coleman im Rundfunk sagte, seien Schaufenster zerbrochen, und einige Menschen hätten sich offenbar in der Auslage bedient. Es habe bereits mehrere Festnahmen gegeben. Es sei nicht sicher, in der Stadt unterwegs zu sein, sagte Coleman. Die Polizei sperrte bis Sonntag den Innenstadtbereich ab, die Streitkräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Neuseelands Ministerpräsident John Key Carter und Energieminister Gerry Brownlee flogen nach Christchurch, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Schutt auf StraßeAPA/EPA/David AlexanderDie von Trümmern übersäte Lichfield Street im Zentrum von Christchurch

„Ganz schlimm gegrollt und gedonnert“

Das Epizentrum lag nach Angaben der staatlichen Geologiebehörde rund 30 Kilometer westlich der Stadt. Die Erschütterungen Samstagfrüh seien auf der ganzen Südinsel zu spüren gewesen. „Wir sind sofort aus dem Haus. Es hat bestimmt zwei Minuten lang ganz schlimm gegrollt und gedonnert. Es war ganz schlimm“, berichtete eine Augenzeugin. „Es sieht in unserem Stadtteil aus wie nach einem Bombenanschlag.“ Eine Tsunami-Warnung wurde nicht herausgegeben.

Die rund 2.500 Kilometer von Neuseeland entfernten Tonga-Inseln wurden am Samstag von einem Beben der Stärke 6,1 erschüttert.

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Publiziert am 04.09.2010