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Marek: „Ära Schüssel ist vorbei“

Die Wiener Rathausparteien haben am Mittwochabend offensiv um die Stimmen von Schwulen und Lesben für die Wahl am 10. Oktober gekämpft. Alle vier Gruppierungen folgten der Einladung der schwulen Managervereinigung Agpro und des Magazins „Name it“ zur Podiumsdiskussion „Wien-Wahl 2010: Kampf um schwul-lesbische Stimmen?“ - und umgarnten dort mit unterschiedlichen Argumenten homosexuelle Wähler.

Als Musterschüler in Sachen Unterstützung für Homosexuelle sah sich an diesem Abend vor allem die SPÖ. Die Sozialdemokratie setze sich maximal dafür ein, Homophobie zu bekämpfen, beschied SPÖ-Gemeinderat Kurt Stürzenbecher und zeigte sich selbstbewusst: „Es ist sehr, sehr viel, was wir vorweisen können.“ So habe man die Eingetragene Partnerschaft auf Wiener Ebene umfassend implementiert, werbe offensiv um homosexuelle Pflegeeltern und richte jährlich in der Stadt Life Ball sowie Regenbogenparade aus.

Und auch auf Bundesebene würde man die Ehe vollständig für Schwule und Lesben öffnen - wenn man nicht an die ÖVP gebunden wäre. Die Conclusio: „Wenn die SPÖ eine große Mehrheit hat, dann geht viel weiter.“

Grünen werben um „Wunschpartner“ SPÖ

Von den Grünen wurde dem „Wunschpartner“ für eine rot-grüne Stadtregierung Rosen gestreut. „Wien hat seine Hausarbeit gut gemacht - man hat das Maximum aus dem schlechten Konstrukt der Eingetragenen Partnerschaft herausgeholt“, erklärte der homosexuelle Gemeinderat der Grünen, Marco Schreuder. Besser als die SPÖ seien nur die Grünen auf die umworbene Zielgruppe eingestellt. Schließlich fänden sich nur bei den Grünen geoutete Homosexuelle an wählbarer Stelle.

Für die ÖVP muss „Wien bunt sein“

Deutlich schwerer mit dem Thema Homosexualität tat man sich dann schon bei der ÖVP. Von Kämpfen mit der eigenen Partei wusste ÖVP-Spitzenkandidatin Christine Marek zu berichten. Natürlich sei auch in der ÖVP noch nicht alles perfekt, wenn es um Vorurteile gehe: „Ich selbst habe das bisweilen schmerzhaft erlebt in der eigenen Partei.“ Es sei deshalb wichtig gewesen, dass die Volkspartei den Prozess hin zur Eingetragenen Partnerschaft durchlaufen habe: „Die Ära Schüssel ist in diesem Sinn absolut vorbei.“

Die Tatsache, dass sie als einzige Spitzenkandidatin zur Diskussion erschienen sei, spreche ja für sich. Ihr gehe es auf Wiener Ebene darum, in den Köpfen etwas zu verändern. So sei beispielsweise der „Queere Kleinprojektetopf“ mit 20.000 Euro zu gering dotiert, und die Familienberatung müsse ausgebaut werden: „Ich glaube, dass eine Stadt wie Wien bunt sein muss.“

Ebinger: „Es gibt in meiner Partei auch andere“

Wirklich skurril wurde es, als FPÖ-Gemeinderat Gerald Ebinger versuchte, seiner Partei das rosa Mascherl umzuhängen: „Wir sind die einzige Partei, die 17 Jahre von einem Schwulen geleitet wurde“, warb Ebinger, ohne Jörg Haider aber namentlich zu erwähnen. Zugleich musste er einräumen, dass er Homosexuellen kein eigenes Paket anbieten könne. Es sei klar, dass die FPÖ dabei gewisse Standpunkte vertrete, wenn man gegen die Öffnung der Ehe oder die Adoptionsmöglichkeit für Homosexuelle sei.

In Steuer- oder Mietrechtsfragen sollten homosexuelle Paare jedoch gleichgestellt sein. Leider sei diese liberale Sicht in der breiten Bevölkerung noch nicht angekommen: „Man müsste Akzeptanz schaffen.“ Das gelte natürlich auch für die FPÖ: „Ich bin heterosexuell, ich bin nicht homophob, ich habe keine Berührungsängste - aber es gibt in meiner Partei auch andere.“ Hier seien immer wieder „entbehrliche Äußerungen“ zu hören.

BZÖ: „FPÖ spuckt Haider ins Grab nach“

Ebingers Aussage bliebt nicht ohne Reaktion von Seiten des BZÖ und den Grünen. Der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz warf dem Gemeinderat in einer Aussendung vor, „Jörg Haider ins Grab“ nachzuspucken, ohne dabei das Wort „schwul“ zu erwähnen. Für den Grünen-Politiker Schreuder ist es traurig, „dass ein Parteiobmann, der angeblich schwul war, dies öffentlich nicht sagen konnte, falls es denn überhaupt stimmt“. Das Scharmützel zwischen FPÖ und BZÖ, ob Haider nun schwul war oder nicht, sei desaströs und „total irrelevant“.

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