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Alles offen in der Steiermark

Spannung in der Steiermark und ein „konservativer“ Wahlkampf in Wien - so lauten die Einschätzungen der Meinungsforscher gut eine Woche vor der steirischen und drei Wochen vor den Wien-Wahl. Prognosen über Wahlausgänge traut sich zwar keiner der Experten abzugeben. Bundespolitisch größere Bedeutung messen die Experten aber allemal der Steiermark-Wahl zu.

Wer hat am 26. September in der Steiermark die Nase vorne? Laut jüngsten Umfragen kündigt sich ein äußerst knappes Kopf-an-Kopf-Rennen an. Für Meinungsforscher Peter Hajek hat die SPÖ vor dem Urnengang in der Steiermark noch keinen Landeshauptmann-Bonus lukrieren können. Jedenfalls sei es „aus jetziger Sicht ein psychologischer Vorteil für die ÖVP, dass sich die SPÖ bisher nicht absetzen konnte“.

Günther Ogris (SORA) verweist darauf, dass die SPÖ bei der letzten Nationalratswahl in der Steiermark nur drei Prozentpunkte vor der ÖVP lag: „Das ist nicht viel.“ Auch für David Pfarrhofer (market) geht es bei der Steiermark-Wahl mit dem Kampf um den Landeshauptmannsessel „um deutlich mehr“ als beim Wiener Urnengang.

Ein Drittel noch unentschieden

Laut den letzten Umfragen liegen SPÖ und ÖVP fast gleichauf. Nur wenn es um die Frage des Landeshauptmannes geht, schlägt die Wählergunst leicht Richtung Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) aus. Hermann Schützenhöfer (ÖVP) liegt aber nur knapp dahinter. Spannend ist auch das Rennen um Platz drei, denn hier liegen FPÖ, KPÖ und Grüne fast gleichauf. Ein Drittel der Wähler hat sich aber noch nicht entschieden, wem sie ihre Stimme geben werden - mehr dazu in steiermark.ORF.at

FPÖ punktet mit Ausländerthemen

Der FPÖ werden in der Steiermark durchwegs satte Zugewinne prognostiziert. Was nicht schwierig werden dürfte, flog sie doch 2005 mit nur 4,56 Prozent der Stimmen aus dem Landtag. Mit dem Thema Minarette habe es die steirische FPÖ „auf jeden Fall geschafft, für Aufmerksamkeit zu sorgen“, so Hajek. Ein wichtiger Punkt, denn Spitzenkandidat Gerhard Kurzmann sei grundsätzlich „nicht so ein Bringer wie (FPÖ-Chef Heinz-Christian, Anm.) Strache“.

Den Grünen prognostizieren die Meinungsforscher in der Steiermark keine allzu „großen Sprünge“ (Hajek), der Einzug in den Landtag wird aber als fix angenommen. Laut einer IMAS-Umfrage kämen die Grünen auf sechs Prozentpunkte und damit einen Prozentpunkt hinter der FPÖ.

Die Kommunisten

Die KPÖ erreichte 2005 in der Steiermark mit ihrem Spitzenkandidaten Ernest Kaltenegger ihr bestes Ergebnis. Sie zogen mit 6,34 Prozent in den Landtag ein. 2010 tritt die 39-jährige Sozialexpertin Claudia Klimt-Weithaler als KPÖ-Frontfrau zur Wahl an.

Als „große Unbekannte“ schätzt Hajek das Abschneiden der KPÖ ein. Laut derzeitigen Umfragen liegen die Kommunisten um die fünf Prozent. Das wäre auch für die Mandatsverteilung interessant und für den Regierungssitz der Freiheitlichen - Letzteres werde auch die „Gretchenfrage“ für die Koalition in der Landesregierung sein. „Wenn die FPÖ den Regierungssitz schafft, wird es interessant.“ Sollten SPÖ und ÖVP wirklich eng aneinanderliegen, dann könnte die FPÖ den Ausschlag geben, so Hajek.

Für das BZÖ werden laut Experten beide Wahlen richtungsweisend. Die Frage sei laut Pfarrhofer, ob es diesmal gelingt, „einmal ohne Jörg Haider politisch zu überleben“. Ein Sprung in den Landtag ist für Hajek „eher nicht anzunehmen“. Und auch für Wien werden den Orangen wenig Chancen eingeräumt. Hajek wertet es „schon als Erfolg für das BZÖ“, dass man den Ex-ORF-Journalisten Walter Sonnleitner als Spitzenkandidat gewinnen konnte - mehr dazu in wien.ORF.at.

Wahlplakat der ÖVP Wien

APA/Herbert Neubauer

„Frischer Wind“ oder laues Lüftchen in Wien?

„Konservative“ ÖVP, zerstrittene Grünen

Während also in der Steiermark viele Faktoren - vom Landeshauptmannsessel bis zur künftigen Zusammensetzung des Landtages - offen sind, beschränkt sich in Wien die alles entscheidende Frage darauf, ob die SPÖ ihre absolute Mandatsmehrheit halten kann. Und davon gehen die Experten eigentlich aus. Ogris meint, dass laut aktuellen Umfragen der SPÖ dafür derzeit noch drei bis vier Prozentpunkte fehlen würden. Das sei durch eine Schlussmobilisierung „schon machbar“. Auch Pfarrhofer hält die diesbezüglichen Chancen nach derzeitigem Stand für „absolut intakt“.

Für die ÖVP sieht Hajek in Wien das Problem, dass man mit der „urbanen, moderaten“ Spitzenkandidatin Christine Marek auf „ziemlich konservative“ Themen setze. Medial habe die Hauptstadt-ÖVP zuletzt - auch durch das Thema Arbeitspflicht bei der Mindestsicherung - immerhin für Aufsehen sorgen können. Für recht verunglückt hält Pfarrhofer die erste Plakatwelle der Wiener Volkspartei mit dem Konterfei des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl. „Das verstehe ich genauso wenig wie alle anderen“.

Den Grünen attestieren die Experten zwar aufgrund ihrer internen Querelen in der Josefstadt und in Mariahilf keine besonders gute Position. „Gut und positiv ist das nicht“, sagt Pfarrhofer. Er glaubt aber dennoch nicht, dass sich das „dramatisch“ auswirken werde. Als guten Schachzug wertet er die „Aktivierung“ von Ex-Bundessprecher Alexander Van der Bellen. „Er hat noch immer eine starke Zugkraft“, so Pfarrhofer zum um Vorzugsstimmen kämpfenden Alt-Parteichef.

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