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Vereitelte Anschläge dank Routinekontrollen

Ein Großteil geplanter Terroranschläge wird nicht durch Hightech-unterstützte Geheimdienstarbeit, sondern vielmehr durch klassische Polizeiarbeit aufgedeckt. Zu diesem Schluss kommt eine vom Institute for Homeland Security Solutions (IHSSNC) in Auftrag gegebene Studie, in der 86 Terrorkomplotte in den USA zwischen 1999 bis 2009 untersucht wurden.

Obwohl die Geheimdienste in der letzten Dekade auf der Suche nach effektiven Mitteln zu Terrorbekämpfung massive Anstrengungen unternommen hatten, spielen laut Studienautor Kevin Strom vom US-Forschungsinstitut RTI International die staatlichen und lokalen Polizeibehörden nach wie vor die „entscheidende Rolle“.

Konkret scheiterten laut der von RTI International in Kooperation mit der Duke-Universität (US-Bundesstaat North Carolina, Anm.) erstellten Studie rund 70 Prozent der untersuchten Anschlagspläne. In 80 Prozent der Fälle sei das aber nicht den Geheimdiensten, sondern Hinweisen aus der Bevölkerung bzw. dem wachsamen Auge von Polizeibeamten zu verdanken gewesen.

Nach Angaben vom Center for Investigative Reporting (CIR) seien ein Fünftel der Terrorverdächtigen bei Routinearbeit, etwa Verkehrskontrollen, ins Netz gegangen. Mit rund 40 Prozent ist der Löwenanteil der aufgedeckten Terrorpläne Informanten aus der Bevölkerung zu verdanken. Grund dafür sei laut den Ermittlern nicht zuletzt auch der traditionell gute Kontakt zu Randgruppen und der dort „gut platzierten Informanten“.

Fokus auf Al-Kaida & Co.

Kritisch betrachtet wird von den Studienautoren auch, dass die Geheimdienste im Anti-Terror-Kampf ihren Hauptfokus auf Al-Kaida und deren Verbündete richteten, da mehr als die Hälfte der Anschläge nicht von islamistischen Extremisten, sondern von anderen militanten Gruppierungen geplant worden seien. Unter anderem wurde etwa darauf verwiesen, dass Rechtsextremisten weit öfter in den Verdacht geraten seien, auch Atom- bzw. Biowaffen für Anschläge einsetzen zu wollen.

Auch der Datensammelwut des Heimatschutzministeriums konnte in der Studie wenig abgewonnen werden. Angesichts des enormen Aufwands halte sich der Erfolg demnach in beschaulichen Grenzen. Obwohl weit über 400 Millionen Dollar allein für das Sammeln, Analysieren und Weiterleiten von Daten ausgegeben wird, sei etwa der „Christmas-Day-Bomber“ im Vorjahr nur dank aufmerksamer Passagiere ausgeforscht worden. Zuvor gelang es diesem - samt in seiner Unterhose verstecktem Sprengstoff - offenbar ohne Probleme, einen Passagierjet zu besteigen, obwohl er bereits zuvor von den Geheimdiensten als mutmaßlich verdächtig eingestuft worden war.

Dennoch wurde von den Forschern betont, dass es nicht Ziel der Studie gewesen sei, die Arbeit der Geheimdienste zu diskreditierten. Offen sei demnach nicht zuletzt, über wie viele vereitelte Anschlagsversuche die Bevölkerung bisher nie informiert wurde. Trotz der hohen Aufklärungsquote bleibe zudem die Suche nach dem „einsamen Wolf“ weiterhin die große Herausforderung im Kampf gegen den Terror, da Einzeltäter der Studie zufolge in den letzten zehn Jahren eine mehr als doppelt so hohe „Erfolgsquote“ hatten als von Gruppen geplante Komplotte.

Kontrollen nach Zufallsprinzip

Unterdessen betrachtet der US-Statistikprofessor William Press die bisher praktizierte Suche nach Terrorismusverdächtigen grundsätzlich als wenig effizient. Vielmehr sollte die Auswahl etwa bei Kontrollen auf Flughäfen völlig zufällig erfolgen, wie aus der von Press in der Zeitschrift „Significance“ publizierten Studie hervorgeht.

Die Auswahl nach Aussehen könne laut Press nicht funktionieren, weil „immer wieder dieselben Unschuldigen kontrolliert“ würden, die zu einer bestimmten Zielgruppe gehörten. Polizeikräfte würden dadurch verstärkt auf bestimmte Gruppen gelenkt, während diese Kräfte dann für andere Gruppen nicht zur Verfügung stünden. Im Gegensatz dazu würde bei Stichprobenerhebungen nach dem Zufallsprinzip für jeden die gleiche Wahrscheinlichkeit bestehen, kontrolliert zu werden.

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