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Gold macht Sanktionen wirkungslos

Die internationale Gemeinschaft hat gegen Libyen Sanktionen verhängt und Konten eingefroren. Aber der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi sitzt auf einem Berg von Gold. In der libyschen Zentralbank, die direkt unter Al-Gaddafis Kontrolle steht, sind angeblich 143,8 Tonnen Gold gelagert. Damit könnte Al-Gaddafi jetzt den Krieg gegen seine eigenen Landsleute und den Westen führen.

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) gehören die Goldreserven zu den 25 höchsten der Welt und sind zum gegenwärtigen Goldpreis rund 6,5 Milliarden Dollar wert - genug, um eine Söldnerarmee monate- oder gar jahrelang zu finanzieren, schreibt die „Financial Times“ („FT“). Schätzungen zufolge könnte das Goldvermögen Al-Gaddafis sogar noch größer sein.

Während viele seiner arabischen Despotenkollegen ihre Goldreserven in Depots in London, New York oder der Schweiz ausgelagert haben, befindet sich Al-Gaddafis milliardenschweres Goldvermögen laut „FT“ im Land. Die Sanktionen und Kontensperren durch die USA und EU treffen seit Anfang März die Geldflüsse, nicht aber Libyens Goldreserven. Sie könnten damit zu Al-Gaddafis Rettungsanker werden, wenn er sie verkaufen kann.

Barren nach Tschad oder Niger?

Wohl keine internationale Bank dürfte am libyschen Gold interessiert sein, um Ärger zu vermeiden, schreibt die „FT“. Um an Geld für seine Söldner zu kommen, müsste Al-Gaddafi die Goldbarren außerhalb von Tripolis bringen, denn von den Sanktionen ist auch die Zentralbank in der libyschen Hauptstadt betroffen, wo das Gold vor Ausbruch der Unruhen gelagert wurde. Seitdem könnte es von Al-Gaddafis Leuten in andere Orte gebracht worden sein, etwa in die Stadt Sabha im Süden des Landes, vermutet die „FT“. Die afrikanischen Nachbarstaaten Tschad und Niger sind von dort schneller zu erreichen. Die Stämme um die Sahara-Stadt Sabha gelten überwiegend als Al-Gaddafi-treu.

Die Verlagerung wäre ein geschickter Schachzug des libyschen Diktators, um an Bargeld zu kommen. Denn wegen der Sanktionen dürfen Banken und andere Handelshäuser keine Geschäfte mit Al-Gaddafis Regime machen. In Niger und in Tschad dagegen wäre ein Umtausch in der libyschen Auslandsbank möglich. „Sollte ein Land wie Libyen sein Gold zu Geld machen wollen, wird das vermutlich in Form eines Umtauschs stattfinden - in Waffen, Lebensmittel oder eben in Bargeld“, sagte Walter de Wet von der Standard Bank der „FT“.

In Ägypten wurde der Goldexport für vier Monate verboten, um zu verhindern, dass Mitglieder der abgesetzten Regierung ihr Vermögen ins Ausland schaffen können. Der Iran stockte seine Goldreserven auf, um sein Vermögen von der Dollar-Abhängigkeit zu befreien und sich vor Beschlagnahmung zu schützen. Signifikante Goldkäufe gibt es in China, Russland und Indien.

Verstecktes Geld aus Ölgeschäft

Al-Gaddafi könnte aber Devisenreserven aus dem Ölgeschäft außerhalb der gewöhnlichen Kanäle gehortet haben und noch nicht gezwungen sein, seine Goldreserven anzutasten. Laut einem Bericht der „New York Times“ hat der Diktator auch Bargeldreserven in Höhe von vielen Milliarden Dollar angelegt, die ihn weitgehend immun gegen die internationalen Finanzsanktionen machen könnten. Al-Gaddafi habe „wahrscheinlich Dutzende Milliarden Dollar in bar, zu denen er innerhalb Libyens Zugang hat“, zitierte die Zeitung einen Vertreter der US-Geheimdienste.

Das Geld sei bei der libyschen Zentralbank und anderen Banken in Tripolis gelagert. Mit dem Geld könne Al-Gaddafi loyale Truppen, Söldner und politische Unterstützer bezahlen. Al-Gaddafi habe die Barreserven offenbar nach 2004 angelegt, als die internationalen Sanktionen gegen sein Land gelockert wurden. Er habe sich für den Fall vorbereiten wollen, dass neue Sanktionen gegen Libyen verhängt werden.

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