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S&P wehrt sich gegen Vorwürfe
S&P habe einen „verblüffenden Mangel an Kenntnissen in grundlegender US-Haushaltsmathematik“ an den Tag gelegt und sei zu „genau dem falschen Schluss gekommen“, sagte Geithner dem Fernsehsender NBC.
Finanzministerium spricht von Rechenfehler
US-Medien berichteten, die US-Regierung habe sich bis zuletzt vehement gegen die Herabstufung zur Wehr gesetzt. Dabei habe die Regierung der Agentur auch Rechenfehler vorgehalten, hieß es. Angeblich habe sich die Agentur in ihren langfristigen Schuldenprojektionen um zwei Billionen Dollar verkalkuliert. Dieser Lapsus wecke Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Ratingagentur, hieß es im Finanzministerium in Washington.
S&P: „Unsere Analyse ist einwandfrei“
Das sieht Standard & Poor’s anders: Verantwortlich für die Herabstufung sind demnach nicht nur bloße Zahlen, sondern auch die tiefen Gräben zwischen Demokraten und Republikanern. Die zu befürchtende Dauerlähmung des Politikbetriebs in Washington sei ebenfalls ein Grund für die Herabstufung der Kreditwürdigkeit. „Es sollte niemanden überraschen, dass wir uns auch den Prozess anschauen, in dem Politik gemacht wird“, sagte S&P-Manager David Beers. Den politischen Risiken komme bei den Berechnungen ein „höheres Gewicht“ zu als dem steuerlichen Teil.
Und selbst eine Berechnung mit den Zahlen wie sie die US-Regierung fordere, ändere nichts daran, dass die US-Schuldenquote unter den „plausibelsten Annahmen“ in den nächsten zehn Jahren steigen werde, sagte der S&P-Verantwortliche John Chambers dem Sender CNN. „Die Zahlen, die wir veröffentlicht haben, sind korrekt, und unsere Analyse ist einwandfrei.“
Buffett: „Würde USA Vierfach-A geben“
Die Unfehlbarkeit der Ratingagenturen ziehen aber gerade in den USA zahlreiche Kritiker seit der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise infrage, die 2008 ihren Anfang nahmen. S&P, Moody’s und Fitch werden wegen ihrer Fehleinschätzungen für die Krise mitverantwortlich gemacht.
„Diese Menschen sind nicht in der Position, Urteile zu fällen“, schrieb der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Ökonom Paul Krugman in seinem Blog bei den „New York Times“. Robert Reich, der einst unter Präsident Bill Clinton Arbeitsminister war, erklärte, S&P trage durch früheres Versagen an den bis heute angehäuften Schulden der USA Mitschuld. Die Herabstufung sei eine „Einmischung“ in die Politik. Auch für Milliardär und Großinvestor Warren Buffett hat die Entscheidung von Standard & Poor’s keinen Sinn. „Wenn es eine vierfache A-Note gäbe, würde ich sie den USA geben“, sagte Buffett.
Droht weitere Herabstufung?
Der S&P-Manager John Chambers sagte unterdessen am Sonntag im US-Sender ABC, der Ausblick für die Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft der Welt sei weiter negativ. Sollte sich die Haushaltslage weiter verschlechtern oder sich der politische Stillstand verschärfen, könne das zu einer erneuten Herabstufung führen - und zwar in den nächsten sechs bis 24 Monaten. Die Wahrscheinlichkeit dafür bezifferte er auf eins zu drei.
Demokraten und Republikaner wiesen sich in den Sonntagstalkshows im US-Fernsehen gegenseitig die Verantwortung für die angekratzte Kreditwürdigkeit zu. Während der demokratische Senator John Kerry die starre Haltung der ultrakonservativen „Tea-Party“-Bewegung kritisierte, warf der republikanische Senator John McCain Obama vor, keine Führungsstärke im Streit um die Staatsverschuldung gezeigt zu haben.
Moody’s warnt erneut vor Herabstufung
Die Ratingagentur Moody’s stufte die Kreditwürdigkeit der USA bisher - ebenso wie Fitch - nicht herab, schließt das aber auch weiter nicht aus. Der Schritt sei möglich, wenn die USA nicht ausreichend sparten oder die Wirtschaft deutlich an Schwung verlöre, kündigte Moody’s am Montag an und wiederholte damit eine frühere Warnung. Die Entscheidung von vergangener Woche, die Bestnote „AAA“ für die USA beizubehalten, basiere auf der Annahme, dass bis 2013 weitere Schritte zur Senkung des Defizits folgten. Außerdem werde erwartet, dass sich die Wirtschaftserholung fortsetze.
Wochenlanges Tauziehen
Eine zweistufige Anhebung des Schuldenlimits um 2,1 Billionen Dollar sowie Haushaltskürzungen von mehr als 2,4 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren sind das Ziel des Haushaltsplans, den die USA vergangene Woche nur Stunden vor Eintreten der drohenden Zahlungsunfähigkeit verabschiedet hatten.
Ein wochenlanges Tauziehen zwischen der Demokratischen Partei von US-Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern im Kongress war der Einigung vorausgegangen. Auf der einen Seite die Forderung nach Steuererhöhungen, auf der anderen Seite das Beharren auf Ausgabenkürzungen - bei dem Geschacher standen sich beide Parteien unversöhnlich gegenüber, was sich mit Blick auf die Präsidentenwahl im kommenden Jahr sogar noch verschärfen dürfte.
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Publiziert am 08.08.2011