Themenüberblick
Vorstand wusste laut Pilz Bescheid
Pilz vermutet hinter den Zahlungen Schmiergelder für Rumänien, denn der Lobbyist sei kein Experte für Erdölförderung. Er habe von drei Dingen wirklich Ahnung, so Pilz: „Truthähne, Jagd und Schmiergeld.“ In Gesprächen mit OMV-Vertretern habe Pilz die Antwort erhalten: „Wir haben in Rumänien einen schwierigen Markt, und sie wissen, dass dort nichts ohne Korruption geht“, wird Pilz im Ö1-Mittagsjournal zitiert - mehr dazu in oe1.ORF.at. Laut Pilz sei der Vorstand der OMV informiert gewesen.
Zufällig Rechnungen gefunden
Die Vorwürfe bezüglich OMV und Telekom tauchten eigentlich zufällig auf. Vor drei Jahren fanden Hausdurchsuchungen in der Causa British Aerospace statt, dabei wurden Rechnungen der beiden Unternehmen gefunden. Mensdorff-Pouilly hatte Anfang 2010 eine Woche in Londoner Untersuchungshaft verbringen müssen - wegen mutmaßlicher Verwicklung in Bestechungsvorgänge rund um den Rüstungskonzern British Aerospace (BAE). Dafür erhielt er vergangenen Mai eine Haftentschädigung in Höhe von umgerechnet 430.000 Euro.
Die 1,5 Mio. Euro sollen bis Anfang 2005 laut Pilz von der OMV gezahlt worden sein - während und nachdem sich der Mineralölkonzern beim rumänischen Petrom-Konzern eingekauft hatte.
Petrom zu billig gekauft?
Im Rahmen der Petrom-Privatisierung kaufte die OMV 2004 zunächst um 669 Mio. Euro 33,34 Prozent der Aktien, über eine Kapitalerhöhung von weiteren 830 Mio. Euro wurde der Anteil auf 51 Prozent erhöht. Rumänische Medien hatten den Verkauf der Petrom als zu billig kritisiert. Eine rumänische Wirtschaftszeitung hatte 2006 eine Schätzung veröffentlicht, dass die OMV die Petrom um den halben Wert erhalten habe, so Pilz.
Besonders kritisiert Pilz, dass ein Drittel der Summe, 500.000 Euro, auf ein Konto des bereits verstorbenen Wahlonkels Timothy Landon von Mensdorff-Pouilly auf den British Virgin Islands gezahlt wurde. Der Grünen-Politiker erhielt bei der OMV eine Erklärung dafür: „Der Kunde habe sich gewünscht, dass diese Zahlung verschleiert wird“, wird er im Ö1-Mittagsjournal zitiert. „Und jetzt möchte ich gerne wissen: Wer ist denn der Kunde, der solche seltsamen Wünsche hat?“ Eine Million Euro soll bis 2005 in mehreren Tranchen auf das Konto von Mensdorffs Beratungsunternehmen MPA überwiesen worden sein.
Staatsanwaltschaft ermittelt schon länger
Bei der OMV will man von diesen Anschuldigungen nichts wissen. Das sei von Pilz bereits vor einem Jahr aufgebracht worden, im Februar sei das ausreichend kommentiert worden. Demnach habe Mensdorff-Pouilly das Geld für eine Südosteuropa-Studie bekommen, bestätigte das Unternehmen ein Vertragsverhältnis. Ab 2004 sei er rund drei Jahre für das Unternehmen tätig gewesen und habe die Märkte in Zentral- und Osteuropa analysiert. Tatsächlich äußerte Pilz schon im Juni 2009 den Verdacht von Zahlungen an Mensdorff. Damals ging es aber um die Beträge in der Höhe von mehreren 100.000 Euro.
Auch Mensdorff-Pouillys Anwalt Harald Schuster wollte keine Stellung nehmen. Laut Ö1 ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien bereits seit längerem auch wegen der OMV-Zahlungen. Pilz selbst will eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft einbringen - wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen, Korruption und Untreue.
Links:
Publiziert am 06.09.2011