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Kandidaten schenken sich nichts
Der texanische Gouverneur Rick Perry warf dem derzeit aussichtsreichsten Bewerber Romney vor, rund ein Jahr lang wissentlich illegale Einwanderer beschäftigt und darüber gelogen zu haben. Romney sei scheinheilig, wenn er sich nun für schärfere Einwanderungsregeln ausspreche. Romney, der beim Versuch zu antworten immer wieder von dem Texaner unterbrochen wurde, sagte: „Es waren harte Debatten für Rick, ich verstehe das, deshalb sind Sie jetzt gereizt.“ Perry bezog sich auf Vorwürfe, die schon im vergangenen Vorwahlkampf vor vier Jahren aufgekommen waren, als sich Romney ebenfalls um die republikanische Kandidatur beworben hatte.
Reuters/Steve MarcusSieben Kandidaten bei TV-Debatte in Las VegasWie damals bestritt der ehemalige Gouverneur von Massachusetts energisch, bewusst Arbeiter ohne Aufenthaltserlaubnis beschäftigt zu haben. Er räumte lediglich ein, eine Firma zum Rasenmähen auf dem Grundstück seines Hauses beauftragt zu haben, die Illegale mit gefälschten Papieren beschäftigte. Diese seien aber umgehend entlassen worden, als er davon erfahren habe. Romney kanzelte den Vorwurf als Verzweiflungstat von Perry ab. Dessen Umfragewerte waren in den vergangenen Wochen deutlich gesunken.
AP/Chris CarlsonDer ehemalige Pizzaunternehmer Cain hat AußenseiterchancenUmfragenstar Cain im Kreuzfeuer
Erneut erklären musste sich Romney wegen seiner religiösen Ausrichtung. Als Mormone stößt er vor allem bei evangelikanischen Wählern auf Misstrauen. Ins Kreuzfeuer seiner Kontrahenten geriet er abermals auch, weil er in Massachusetts eine Gesundheitsreform durchgesetzt hatte, die der von US-Präsident Barack Obama ähnelt. Die Republikaner lehnen das 2010 im Bund verabschiedete Gesetzeswerk ab und wollen es im Falle eines Wahlsieges vollständig abschaffen.
Auch der neue Umfragenstar Herman Cain geriet ins Kreuzfeuer seiner Konkurrenten. Der frühere Chef der Pizzakette Godfather’s, der zuletzt deutlich an Beliebtheit gewann und in einer aktuellen Umfrage nur noch einen Prozentpunkt hinter dem Langzeitfavoriten Romney liegt, verteidigte gegenüber seinen Konkurrenten seinen „9-9-9“-Plan, der einen einheitlichen Satz von neun Prozent für die Einkommens-, Unternehmens- und Mehrwertsteuer vorsieht.
„Ich liebe Sie, Bruder“
Perry, sagte betont herablassend, Cains Plan sei nicht realisierbar. „Ich liebe Sie, Bruder, aber man muss nicht viel analysieren, um das zu kapieren.“ Cain versicherte, durch sein Steuerkonzept werde keine amerikanische Familie mehr Steuern zahlen müssen. Eine am Dienstag veröffentlichten Studie des Tax Policy Center kam dagegen zu dem Ergebnis, dass 84 Prozent der US-Bürger mehr zahlen müssten. Erst ab einem Jahreseinkommen von 200.000 Dollar würden die Bürger entlastet.
In einer am Dienstag vor dem TV-Duell veröffentlichten CNN/ORC-Umfrage hatten sich 25 Prozent der Befragten für Cain ausgesprochen, während 26 Prozent Romney unterstützten. Der Drittplatzierte Perry, der nach seinem Einstieg in den Vorwahlkampf im August noch als Favorit galt, aber in den Umfragen bald absackte, lag weit abgeschlagen. Allerdings hielten die meisten der Befragten Cain nicht für den möglichen Sieger der am 3. Jänner beginnenden parteiinternen Vorwahlen: 51 Prozent meinten, Romney habe die besten Chancen, nur 18 Prozent sagten das von Cain.
Außenseiterchancen intakt
Cain, der von Atlanta aus seine eigene Radiotalkshow „The Herman Cain Show“ moderiert, bekleidete noch nie ein öffentliches Amt. 2004 bewarb er sich vergeblich um einen Sitz im US-Senat. Dem glühenden Anhänger der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung wurden anfangs allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt, doch machte er zuletzt bei Fernsehdebatten eine gute Figur.
Als einziger der republikanischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur blieb der ehemalige US-Botschafter Jon Huntsman der Debatte in Las Vegas fern. Er sprach stattdessen vor Anhängern in New Hampshire. Huntsman boykottierte die TV-Debatte aus Protest gegen die Entscheidung des Bundesstaats Nevada, die Vorwahlen vorzuziehen und damit New Hampshire zu überholen. Die Vorwahlen der Republikaner beginnen nach bisherigem Stand am 3. Jänner im Bundesstaat Iowa. Die Präsidentenwahl findet im November 2012 statt. Obama tritt dann für die Demokraten zur Wiederwahl an.
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Publiziert am 19.10.2011