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Als Tausende Synagogen brannten

Im November 1938 ist es zu Übergriffen gegen die jüdische Bevölkerung im gesamten „Deutschen Reich“ gekommen. Die November-Pogrome, oft immer noch mit dem Nazi-Ausdruck „Reichskristallnacht“ bezeichnet, bedeuteten für viele Historiker den Beginn des Holocaust, der gezielten Auslöschung der jüdischen Bevölkerung.

In Österreich wurden in der Nacht auf den 10. November 1938 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Im gesamten „Deutschen Reich“ wurden Tausende Synagogen und Geschäfte niedergebrannt, 91 Personen getötet, 20.000 verhaftet. Die Übergriffe in Österreich gelten als besonders heftig.

„Spontane“ Antwort auf ein Attentat

Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris von einem 17-jährigen Juden namens Herschel Grynszpan niedergeschossen worden und starb später.

Grynszpan hatte ursprünglich ein Attentat auf den deutschen Botschafter in Paris geplant, mit dem er gegen die Abschiebung Tausender polnischstämmiger Juden protestieren wollte. Statt des Botschafters trafen seine Schüsse jedoch den jungen Botschaftssekretär Rath. Für die NS-Führung ein willkommener Anlass, die Vorgangsweise gegen die jüdische Bevölkerung unter dem Vorwand des „Zorns der kochenden Volksseele“ zu verschärfen.

Ausschreitungen dauerten mehrere Tage

Die gezielten Ausschreitungen nach der Aktivierung der SS-Ortsgruppen beschränkten sich allerdings nicht auf eine Nacht, sondern dauerten mehrere Tage an. Allein im „Kreis Wien I“ wurden 1.950 Wohnungen zwangsgeräumt und 42 Synagogen in Brand gesteckt und verwüstet. Hunderte Juden begingen Selbstmord.

Auch in den Bundesländern kam es zu zahlreichen Übergriffen. Die Synagogen in Eisenstadt, Berndorf, Vöslau, Baden, Klagenfurt, Linz und Graz fielen dem Pogrom zum Opfer. In Baden wurden alle Juden verhaftet, in St. Pölten 137, in ganz Salzburg 70, in Klagenfurt 40. Ein Zehntel der rund 650 bis dahin in Oberösterreich lebenden Juden wurde bereits am 8. November festgenommen.

Görings „Sühneabgabe“

Hermann Göring, Verantwortlicher für den Vierjahresplan des „Deutschen Reiches“, erlegte den Juden nach dem Pogrom eine „Sühneabgabe“ von einer Milliarde Reichsmark auf. Sie wurde später noch um 25 Prozent erhöht und war binnen eines Jahres zu zahlen. Für die angerichteten Schäden musste die jüdische Bevölkerung ebenfalls aufkommen.

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