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Bezug zum Amt entscheidend

Mehrere Juristen haben dem deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff vorgeworfen, in seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen gegen geltendes Recht verstoßen zu haben. „Christian Wulff hat meines Erachtens gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen“, sagte der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag-Ausgabe).

Es gehe „längst nicht mehr nur darum“, ob Wulff den Landtag unvollständig informiert habe. Vielmehr untersagten das Ministergesetz und der dazugehörige Erlass die Annahme von verbilligten Krediten. „Ein Bezug zum Amt“, sagte von Arnim, „ist bei dem Darlehen von Frau Geerkens aus meiner Sicht gegeben.“

Günstige Konditionen

Wulff war in den vergangenen Tagen Ziel heftiger Kritik geworden, da er von Edith Geerkens, der Ehefrau des Unternehmers Egon Geerkens, 2008 einen Kredit von 500.000 Euro erhalten hatte. Dabei war der Vorteil nach Informationen der „Welt“ beträchtlich. Nach einer Bundesbankstatistik belief sich der durchschnittliche Kreditzins für Wohnungsbaukredite mit einer Zinsbindung von ein bis fünf Jahre im Oktober 2008 auf 5,43 Prozent.

Das Darlehen an Wulff kostete dagegen nur vier Prozent und war laut Edith Geerkens unbesichert gewährt worden. Einen solchen Kredit aber hätte auch einem Ministerpräsidenten vermutlich keine Bank gegeben, heißt es in dem Zeitungsbericht unter Berufung auf Angaben der ING Diba und eines anderen Baufinanzierers.

Reine Privatsache?

„Wenn es keine Sicherheiten gab - zum Beispiel einen Grundbucheintrag - und Herr Wulff also zu den genannten Konditionen gar keinen Kredit bei einer Bank bekommen hätte, muss man einen Verstoß bejahen“, sagte Ulrich Battis von der Berliner Humboldt-Universität der „Welt“. Allerdings sei für ihn noch der Amtsbezug unklar. „Man muss sehr genau prüfen, ob das eine rein private Angelegenheit war - oder eine, die einen engen Bezug zu seinem Amt als Ministerpräsident hatte“, erläuterte Battis.

Das sieht Verfassungsrechtler Arnim schon deshalb als gegeben an, weil Egon Geerkens an drei Reisen des Ministerpräsidenten teilgenommen habe, obwohl er nach „objektiven Kriterien nicht mehr in diese Delegationen“ gepasst habe. Auch der Jurist Franz-Josef Peine aus Frankfurt an der Oder kritisierte Wulffs Verhalten: „Mit dem Kredit von Frau Geerkens hat Wulff auf jeden Fall gegen die Verwaltungsvorschrift verstoßen, die keine Annahme zinsgünstiger Darlehen erlaubt.“

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