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Regime spricht von „Märtyrern“

Bei zwei Bombenanschlägen in der syrischen Millionenstadt Aleppo sind am Freitag mindestens 25 Menschen getötet und 175 verletzt worden, berichtete das staatliche Fernsehen. Die Sprengsätze waren vor Einrichtungen der Sicherheitskräfte detoniert. Unter den Toten sollen neben Soldaten auch viele Zivilisten sein.

Das staatlichen Fernsehen zeigte Bilder von Trümmern und Blut auf der Straße sowie von Toten. Fensterscheiben eines Gebäudes, vor dem die erste Bombe explodierte, waren zerborsten. Ein weinender Reporter hob vor den Kameras Decken und Plastikfolien, die über die Toten gelegt worden waren, in die Höhe und zeigte die zerstückelten Leichen.

„Wir entschuldigen uns dafür, diese Bilder zu zeigen“, sagte der Reporter. „Aber das ist der Terrorismus, dem wir uns ausgesetzt sehen.“ Ähnliche Bilder zeigte das Fernsehen auch von dem Ort der zweiten Explosion.

Bagger bei zerstörtem GebäudeReuters/George OrfalianBagger inmitten eines völlig zerstörten Gebäudes

Die Bilder zeigen aber auch, dass die Anschlagsorte offenbar nicht abgesperrt wurden. Auch Einsatzfahrzeuge oder Rettungswagen sind auf den Aufnahmen nicht zu sehen. Tote oder Verletzte wurden bei den Baggerarbeiten offenbar nicht aus den Schutthaufen geborgen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Die staatliche Nachrichtenagentur SANA meldete, die Terroranschläge hätten einem Gebäude des Militärgeheimdienstes und dem Sitz der Ordnungspolizei gegolten. Es habe mehrere „Märtyrer“ gegeben. Das Staatsfernsehen nannte einmal mehr „bewaffnete Terrorgruppen“ als Urheber - mittlerweile ein geläufiges Synonym für Regimegegner.

Zerstörter BusReuters/George OrfalianEin Bus wurde von der Wucht der Detonationen schwer beschädigt

Die Opposition macht hingegen das Regime für die Anschläge verantwortlich. „Wenn die Opposition Bomben plant, dann sicher nicht mitten in Wohnvierteln“, sagte der Aktivist Mohammed Abu Nasr gegenüber AP. Anrainer hätten zudem vor den Explosionen verdächtiges Verhalten der Sicherheitskräfte beobachtet: „Das ist ein weiteres schwarzes Theaterstück des Regimes.“ Die Regierungstruppen hätten nach den Detonationen jeweils mehrere Schüsse abgegeben, um den Eindruck zu erwecken, es habe ein Gefecht zwischen ihnen und den „Terroristen“ stattgefunden.

Freie Syrische Armee dementiert Beteiligung

„Die Opposition und die Freie Syrische Armee töten keine Zivilisten“, versicherte Abu Nasr. Vielmehr seien die Bomben ausgerechnet an dem Tag explodiert, als die Aktivisten zu großangelegten Protesten nach dem Freitagsgebet gerufen hatten. „Trotz der Explosionen werden wir heute rausgehen und protestieren“, sagte Abu Nasr.

Auch die Freie Syrische Armee selbst gab an, nichts mit den Sprengstoffanschlägen zu tun zu haben. Der Sekretär des Kommandeurs der Deserteure-Truppe, Oberst Riad al-Asaad, sagte am Freitag in einem Telefongespräch mit der dpa in Istanbul: „Wir haben keinerlei Verbindung zu diesen Anschlägen und wir besitzen auch nicht einmal die Art von Sprengstoff, die man dafür braucht. Wir haben nur Panzerfäuste und automatische Schusswaffen.“

Blutvergießen in Homs geht weiter

Auch in der drittgrößten Stadt Homs ging das Blutvergießen am sechsten Tag in Folge weiter. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben am Donnerstag mehr als 50 Zivilisten, über 30 allein im Viertel Bab Amr. Andere Quellen sprachen von bis zu 107 Tote. „Die Situation ist schrecklich. Wir haben kaum noch Essen, Wasser und Medikamente. Ärzte sind zusammengebrochen, nachdem sie fünf Tage ohne Unterbrechung Verwundete versorgt hatten“, schilderte Aktivist Omar Schaker die Lage. Die Aktivisten riefen die internationale Gemeinschaft dazu auf, einen sicheren Korridor zu schaffen, damit Frauen und Kinder die Stadt verlassen können.

Truppen im Libanon sichern Grenze

Unterdessen zog die Führung im Nachbarland Libanon Truppen an der Grenze zu Syrien zusammen. Zuvor war berichtet worden, über die Grenze würden Waffen in die Protesthochburg Homs geschmuggelt, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Armeequellen erfuhr. „Mit dieser Maßnahme soll die libanesische Grenze geschützt werden“, hieß es. Ein Augenzeuge berichtete, zahlreiche Soldaten seien am Freitag an die Grenze beordert worden, wo sie Kontrollpunkte errichtet hätten.

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Publiziert am 10.02.2012