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Wettrüsten bei Handyfeatures

Auf der Handymesse Mobile World Congress in Barcelona übertrumpfen einander die Hersteller derzeit mit ihren neuesten Geräten, die dem Nutzer immer mehr Leistung bieten sollen. Neben Vierkernprozessoren liegen auch schärfere Displays und schnellere und bessere Kameras im Trend.

Die derzeit höchste Messlatte in Sachen Handykamera legte Nokia am Montag mit der Vorstellung seines neuen Symbian-Handys Nokia 808 PureView: 41 Megapixel Auflösung ermöglicht das Gerät laut Herstellerangaben und soll damit schärfere und detailreichere Bilder als so manche handelsübliche Digitalkamera und die Aufzeichnung von Full-HD-Videos (1.080p) ermöglichen.

Fünf Jahre Entwicklungszeit stecken laut der IT-Website All Things Digital in der Technologie, die in Zukunft auch in anderen Nokia-Geräten Einzug halten soll. Bei den Topgeräten der anderen Hersteller sind derzeit acht Megapixel üblich. Abseits davon kündigte Nokia an, das Lumia 900 auch außerhalb der USA auf den Markt bringen zu wollen.

Prozessoren mit vier Kernen

Auch der taiwanesische Hersteller HTC hat sich bei seinen neuen Handys auf die Verbesserung der Kameras konzentriert. Sie sollen nun schärferer Bilder machen und vor allem schneller reagieren. Das Topmodell der neuen One-Familie, das One X, führt neben dem großen, hochauflösenden Display (720p) mit 4,7 Zoll zudem einen weiteren aktuellen Trend bei Smartphones fort: Die Vierkernprozessoren halten Einzug und verleihen den Handys damit - zumindest auf dem Papier - mehr Kraft, als so mancher Rechner hat.

Den Anfang machte LG wenige Tage vor dem offiziellen Beginn der Handymesse mit der Ankündigung seines Optimus 4X HD mit einem 1,5 GHz schnellen Vierkernprozessor von Nvidia (Tegra 3), der auch in zahlreichen anderen Geräten verbaut wurde. Das Optimus 4X HD hat ebenfalls ein 4,7 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 1.280 mal 720 Pixeln, das Display des bereits vor einer Woche angekündigten Optimus Vu sogar fünf Zoll (4:3).

Chinas Huawei und ZTE ziehen nach

Der chinesische Hersteller Huawei nimmt für sich in Anspruch, mit seinem Ascend D quad und quad XL überhaupt das derzeit schnellste Handy auf den Markt zu bringen. Der darin verbaute Vierkernprozessor mit 1,5 GHz ist eine Eigenentwicklung von Huawei. Mit einem 4,5 Zoll großen Display (720p) gehören die beiden Geräte größenmäßig fast schon zu den kleineren Vertretern, dafür soll das Ascend D quad nur 8,9 Millimeter dünn sein. Auch der chinesische Hersteller ZTE setzt auf Quad-Core-CPUs, sowohl für seine Handys als auch seine Tablets.

Samsung und Sony ohne Hochleistungsgeräte

Die Ankündigungen von Sony Mobile und Samsung scheinen sich den aktuellen Trends ein wenig zu entziehen: Das Topmodell Xperia P wurde von Sony mit einem Dual-Core-Prozessor und einem vier Zoll großen Display ausgestattet, das Xperia U ist mit seinem 3,5 Zoll großen Monitor noch einmal deutlich kleiner. Sony setzt nach dem Rückzug von Ericsson aus dem Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson vor allem auf die tiefe Integration der Handys in die Sony-Welt mit einer Reihe von Film- und Musikangeboten für seine Geräte.

LTE und NFC bleiben Thema

Die meisten der nun in Barcelona vorgestellten Geräte sollen im zweiten Quartal des laufenden Jahres verfügbar sein, die Android-Handys meist mit Version 4.0. Auch LTE, diesmal auf Handys, und der Nahfunk NFC sind heuer wieder ein großes Thema.

Samsung hatte bereits vor der Messe angekündigt, in Barcelona keinen Nachfolger für sein Topmodell Galaxy SII vorstellen zu wollen, und zeigte stattdessen das Galaxy Beam mit integriertem Beamer, mit dem alle Inhalte vom vier Zoll großen Display auf Wand oder Zimmerdecke projiziert werden können. Das Galaxy Ace 2 und mini 2 haben jeweils noch kleinere Displays, das mini 2 zudem einen Prozessor mit einem Kern. Dafür hat Samsung bei den Tablets mit dem zehn Zoll großen Galaxy Note 10.1, das auch mit Stift bedient werden kann, und dem Galaxy Tab 2 mit sieben und zehn Zoll nachgelegt, alle mit jeweils Dual-Core-CPUs.

Auch wenn HTC mit dem One X im aktuellen Trend liegt, habe sich der Hersteller bei seiner Präsentation im Gegensatz etwa zu Huawei nicht so sehr auf die Spezifikationen konzentriert, sondern auf die grundlegenden Möglichkeiten für die Benutzer, schreibt die IT-Website Cnet. Die Benutzer würde sich weniger für die Zahl der Rechenkerne interessieren, es gehe mehr um Emotionen - wie auch bei Apple. LG hielt dem entgegen, dass die Kunden sehr wohl an den Spezifikationen ihrer Handys interessiert seien.

Handys als Basis für Desktop-Rechner

Wohin die Reise der schnellen Handys mit vielen Kernen gehen kann, zeigen Asus und Ubuntu. Asus will wie mit seinem PadFone das Handy zur Basis für größere Geräte wie Tablets machen. Das Handy mit einem 4,3 Zoll großen Monitor lässt sich wie Asus’ Tablet-Rechner Transformer Prime zu einem zehn Zoll großen Tablet umbauen, indem das Gerät in eine entsprechende Öffnung des Tablets eingebaut wird. Mit einer Tastatur wird das Tablet mit Handykern dann zum Notebook. Im Gegensatz zum neuen Transformer Pad Prime reichen dem PadFone dafür zwei statt vier Kerne.

Linux-Distributor Ubuntu reichen Zwei-Kern-CPUs auch aus, um damit eine eigene Ubuntu-Version mit Desktop auf einem Handy betreiben zu können. Derzeit sucht Ubuntu allerdings noch Hersteller, die das System auf das ebenfalls Linux-basierte Android aufsetzen wollen. Weil die aktuellen Touchhandys für Büroarbeiten nur bedingt geeignet sind, sollen dazu Ubuntu-Handys über Dockingstation mit Monitor und Tastatur verbunden werden, wie Ubuntu auf seiner Website schreibt.

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