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Nachhaltige Nutzung gefordert

Der weltweite Bevölkerungsanstieg und der damit einhergehende Nahrungs- und Energiebedarf bedrohen ebenso wie der Klimawandel die weltweiten Trinkwasserressourcen. „Der Wasserbedarf nimmt zur gleichen Zeit zu, wie der Klimawandel seine Verfügbarkeit bedrohen dürfte“, heißt es im jüngsten Weltwasserbericht der Vereinten Nationen.

Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Gefahr, warnt die UNO-Wissenschaftsorganisation UNESCO. Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft, Lebensstil und Verhaltensmuster seien die wichtigsten Faktoren beim Wasserverbrauch.

Immer mehr Grundwasser angezapft

Zugenommen hat die Bedeutung des Grundwassers: Es stellt weltweit heute fast die Hälfte des gesamten Trinkwassers. Im 20. Jahrhundert habe es eine regelrechte „stille Revolution“ gegeben beim zunehmenden Anzapfen dieser Ressource, betonen die Autoren des Berichts. In den vergangenen 50 Jahren habe sich die Menge des angeazpften Grundwassers verdreifacht. Damit werde der Puffer gegen Dürren immer dünner.

Der Bericht fordert daher dringend eine genauere Erfassung der Reserven - und deren nachhaltige Nutzung. „Weil Wasser preiswert und weit verbreitet ist, wird sein Gebrauch oft nicht direkt gemessen, sondern eher geschätzt.“ Zudem würden 80 Prozent des Brauchwassers weltweit nicht aufbereitet.

70 Prozent für Landwirtschaft

Weltweit liegt der Anteil der Landwirtschaft am Wasserverbrauch bei 70 Prozent. Zum Gegensteuern empfehlen die Experten unter anderem den Anbau von Pflanzen mit geringem Wasserverbrauch und die Nutzung von Gebrauchtwasser für Toilettenspülungen.

In Asien hätten auch geänderte Lebensgewohnheiten beim Konsum - etwa dem Umstieg vom Fahrrad aufs Auto - Einfluss auf den Wasserverbrauch: „In den Schwellenländern könnte der Wasserbedarf um 50 Prozent über die Werte von 2011 steigen.“ In Asien und auch in Schwarzafrika könnten mehr als 40 Prozent der Länder im Jahr 2040 unter ernsthafter Trinkwasserknappheit leiden.

Millenniumsziel erreicht

Der rund 700-seitige Bericht mit dem Titel „Managing water under uncertainty and risk“ (Wassermanagement angesichts von Unsicherheit und Risiko) wird zum Auftakt des 6. Weltwasserforums in Marseille veröffentlicht. Die Publikation erscheint im Dreijahresrhythmus. Bereits vor einer Woche hatten die Vereinten Nationen einen Bericht präsentiert, laut dem heute vor allem dank des Aufschwungs in Ost- und Südasien neun von zehn Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Die Menschheit habe damit eines ihrer selbst gesteckten Millenniumsziele erreicht.

20.000 Experten in Marseille

Beim weltweit größten Expertentreffen in Marseille mit mehr als 20.000 Teilnehmern wird eine Woche über den Zugang zu sauberem Wasser, Wasserrechte und den Einsatz moderner Technologien beraten. Der französische Regierungschef Francois Fillon wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass Milliarden Menschen kein sauberes Wasser hätten, die Zahl der Toten durch verunreinigtes Wasser gehe in die Millionen. „Diese Situation ist nicht hinnehmbar“, sagte der Regierungschef bei dem alle drei Jahre stattfindenden Treffen, das diesmal unter dem Motto „Zeit für Lösungen“ steht.

Zu der Konferenz sind Vorsitzende internationaler Organisationen und Vertreter aus mehr als 100 Staaten angereist. Initiator ist der Weltwasserrat, dem Wissenschaftler, Organisationen und internationale Unternehmen angehören. Das letzte Weltwasserforum fand 2009 in Istanbul statt.

Enorme Auswirkungen

Der Hauptautor des Berichts, der kanadische Biochemiker Richard Connor, verdeutlichte im Interview mit der dpa die möglichen Folgen der knappen Ressource Wasser: 2010 habe es eine Dürre in Nordeuropa und Asien gegeben. Deshalb habe die russische Regierung ein Exportverbot für Getreide verfügt, daraus resultierte wiederum mehrere Monate später eine Verdoppelung des Weltmarktpreises. „Einige Beobachter meinen sogar, dass dieser Anstieg der Getreidepreise einer der Auslöser für den ‚arabischen Frühling‘ war. Es zeigt, wie die Dinge direkt mit Wasser verbunden sind“, so Connor.

Vor einer Zuspitzung der globalen Wasserkrise warnt auch die Umweltschutzorganisation WWF. So sei es allein seit der Jahrtausendwende weltweit zu über 50 Konflikten mit Gewalteinwirkung aufgrund der Nutzung von Wasser gekommen. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser werde die schwelende Wasserkrise noch weiter verschärfen und vermehrt zu Konflikten führen.

Auch Europa gefährdet

Die Tatsache, dass neun Staaten - nämlich Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, Indien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und die USA - mehr als 60 Prozent der weltweit verfügbaren Süßwasservorkommen haben, könne bei einer Verschärfung der Wasserkrise wie ein „Brandbeschleuniger“ wirken, so Martin Geiger, Wasserexperte des WWF.

„Auch wenn in Westeuropa die Situation derzeit weitgehend entspannt ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns bereits mitten in einer globalen Wasserkrise befinden.“ Die Folgen würden nach Geigers Einschätzung auch die EU treffen. Es drohten Landflucht in Südeuropa, Kollaps der Landwirtschaft in Teilen des Mittelmeer-Raumes und ein Ende des Tourismus in einigen beliebten Urlaubsregionen.

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