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Jammern über „Unfuggesetze“

Mehr als acht Monate hat die syrische Opposition offenbar den gesamten privaten Mailverkehr von Syriens Machthaber Baschar al-Assad und seiner Frau Asma in Echtzeit mitlesen können. Ende Februar wurde der Hack jedoch entdeckt - die rund 3.000 Mails aus der Zeit davor sind jedoch nicht verloren, sondern nun im Besitz des britischen „Guardian“.

Die Mails sind offenbar authentisch. Der „Guardian“ kontaktierte zahlreiche, vor allem westliche, Empfänger der Mails. Sie alle bestätigten deren Echtheit oder wollten sie zumindest nicht dementieren. Zudem erhalten viele der Mails demnach persönliche Attachments wie Fotos von Familienfeiern, deren Fälschung kaum möglich ist. Der Inhalt der Mails, die die Zeitung am Donnerstag präsentierte, ist größtenteils äußerst bizarr.

Gute Tipps aus dem Iran

Die Mails legen nahe, dass Assad nur allzu bereitwillig jede Anregung aus dem Iran aufnimmt. Die Handlungsanweisungen direkt aus iranischen Führungszirkeln und von syrischen Beratern mit besten Kontakten dorthin gehen hinunter bis zu einzelnen Passagen in geplanten Reden. Er solle eine „kraftvolle und brachiale“ Ausdrucksweise benutzen und die Militärstärke des Landes durchblicken lassen, um eine Intervention von außen zu verhindern, heißt es etwa in einer Mail.

In einer Mail ungenannten Absenders vom November findet sich der Ratschlag, Assad solle die „Schlinge“ um die Regimegegner in der Stadt Homs „enger ziehen“. Ferner geht aus den Mails hervor, dass Assad detailliert über die Anwesenheit ausländischer Journalisten im Stadtteil Bab Amr in Homs informiert war. Im Februar waren zwei Journalisten aus den USA und Frankreich während der Angriffe der syrischen Armee auf Homs getötet worden.

Zehntausende Euro für Luxusartikel

Die dokumentierten Mails vermitteln jedoch größtenteils den Eindruck, als sei Assad der Ernst der Lage nicht bewusst. So verschickt er Links zu „spaßigen“ YouTube-Videos, die sich über die syrische Opposition lustig machen. Ebenfalls dokumentiert ist, wie die wenigen kritischen Stimmen, die zu den Assads vordringen, mit den Monaten immer mehr ignoriert werden. Die Tochter des Emirs von Katar etwa, eine Freundin von Asma al-Assad, drängt das Ehepaar in mehreren Mails etwa zur Flucht ins Ausland - und wird daraufhin geschnitten.

In ihrer Realitätsverweigerung geben sich die Assads dafür umso ausgedehnteren Shoppingexzessen hin. Asma soll laut den Mails etwa in einer einzigen Bestellung Designerwaren wie Kerzenhalter, Tische und Kronleuchter für mehr als 12.000 Euro übers Internet aus Paris bestellt haben. Dazu kommen beispielsweise ebenso kitschige wie sündteure Möbel und Interieurs aus London und eine Sammelbestellung von Luxus-Highheels mit Modellnamen wie „Sex" aus der Pariser Schuhwerkstatt von Christian Louboutin (mit dem persönlichen Vermerk: "... diese Stücke sind nicht für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt ...“) und vieles andere mehr.

Musik für „iAssad“

Baschar al-Assad tendiert offenbar eher zum Shopping auf iTunes. Sein Musikgeschmack reicht dabei von Cliff-Richards-Tributes über die Nummer „Bizarre Love Triangle“ von New Order bis zu Songs von Right Said Fred. Seiner Frau schickt er via iTunes nach dem Beginn der Belagerung von Homs die Country-Schnulze „God Gave Me You“ mit Textzeilen wie „The person that I’ve been lately/Ain’t who I wanna be/But you stay here right beside me/Watch as the storm goes through.“

Außerdem finden sich auf Assads Bestellliste Harry-Potter-Filme, Harry-Potter-Apps und das Videospiel „Real Racing 2“. Überhaupt scheint es, als könne Assad das Ende jedes einzelnen Tages im Präsidentenbüro nicht abwarten. So schreibt er seiner Frau am 6. Juli: „Dass Du mir gesagt hast, wo Du sein wirst, ist die beste Reform, die ein Land nur haben kann. Wir werden sie statt dieser ganzen Unfuggesetze über Parteien, Wahlen, Medien....... beschließen. Werde um 5 fertig sein.“

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