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Koons-Kunstwerk als neues Wahrzeichen

Seit fast drei Jahren kann man in New York auf einer ehemaligen Hochbahntrasse flanieren: Nach jahrelangen Streitereien zwischen der Stadt und einer Bürgerinitiative wurde 2009 der High Line Park eröffnet, der sich mittlerweile größter Beliebtheit erfreut. Nun wurden die Pläne für den dritten Bauabschnitt vorgestellt, der nicht nur eine wesentliche Verlängerung der Parktrasse bringen soll.

Geht es nach dem Verein Friends of the High Line soll an einer Kreuzung über dem letzten, nicht ganz einen Kilometer langen Parkabschnitt ein Kunstwerk von Jeff Koons zu einem Touristenmagneten Manhattans werden. Die 25 Mio. Dollar (18,7 Mio. Euro) teure Installation ist die (bisher nur auf dem Papier existierende) an einem Kran hängende Replik einer Dampflokomotive aus den 1940er Jahren und trägt den simplen Titel „Train“.

Die Installation, gefertigt aus Stahl und Carbonfaser, würde mehrere Tonnen wiegen und in regelmäßigen Abständen zum Leben erwachen - laut Koons soll die Lokomotive von Zeit zu Zeit ihre Räder bewegen, hupen und Dampf ablassen. „Die Kraft und Dynamit von ‚Train‘ repräsentiert die vergängliche Energie die Tag ein Tag aus durch die Stadt zieht“, so der Künstler.

Gerendertes Bild des High Line Parks

James Corner Field Operations, Diller Scofidio + Renfro, and Jeff Koons.

„Train“ von Jeff Koons könnte schon bald über den Köpfen der Passanten in Manhattan hängen

Großsponsor für 25 Mio. Dollar gesucht

Im Gegensatz zum Ausbau der dritten Teilstrecke der High Line, dessen Kosten der Verein der Freunde der High Line mit rund 900 Mio. Dollar (673 Mio. Euro) angibt, ist die Umsetzung der Skulptur noch nicht gesichert. Denn während die Eisenbahngesellschaft CSX Transportation als Sponsor die Fertigstellung des Parks zur Gänze finanzieren wird, hat sich bisher noch niemand gefunden, der für das Koons-Kunstwerk aufkommen möchte.

Robert Hammond, Präsident des Freunde-Vereins, erklärte gegenüber der „New York Times“, dass man auf der Suche nach einem großzügigen Spender sei, der die Gesamtkosten des Werks übernehmen würde, damit der „Train“ permanent oder zumindest für einige Jahre über den Köpfen der Parkbesucher schweben könne.

Große Spenden wie diese wären zwar selten, aber durchaus nicht einzigartig, wie Hammond einräumte. So hat die Diller von Fürstenberg Family Foundation erst im Oktober eine Spende von 20 Mio. Dollar (14,97 Mio. Euro) für die High Line angekündigt. Die Stiftung von Medienmogul Barry Diller und seiner Frau, der Designerin Diane von Fürstenberg hatte zuvor schon gut 15 Mio. Dollar für den Ausbau des New Yorker Parks zur Verfügung gestellt.

Mehrere Tonnen Stahl am Kran

Ein möglicher Standort für die Skulptur ist am Ende des zweiten Abschnitts der High Line, an der Kreuzung von 10th Avenue und 30th Street. Zur Stabilisierung der hängenden Lokomotive würde eine aufwendige Krankonstruktion benötigt, die verhindern soll, dass sich das Kunstwerk bewegt. „Es wäre ja nett, wenn es im Wind schwanken würde, aber die Besucher könnten sich unwohl fühlen“, so Hammond. Immerhin soll die fertige Installation mehrere Tonnen wiegen.

Dass die Idee zur Verwirklichung des Koons-Werks nicht nur auf positive Resonanz stieß, ist für Hammond kein Problem. „Viele Menschen waren am Anfang gegen das Projekt High Line. Man fürchtete, Besucher würden von der Trasse springen oder ihren Müll von oben hinunter werfen“.

High Line Park in New York

AP/Kathy Willens

Die High Line schlängelt sich durch die Häuserschluchten Manhattans

Abrissgenehmigung gab es bereits

Dass aus der Hochbahn ein Park geworden ist, ist tatsächlich nicht selbstverständlich. Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani wollte das Backsteinviadukt eigentlich einebnen lassen. Die Genehmigung zum Abriss hatte es bereits gegeben. Geschäftsleute aus der Umgebung forderten lange den Abriss - nicht zuletzt aufgrund der dann verfügbaren neuen Baufläche.

Verwirklicht wurde der Park - liebevoll „grüner Laufsteg“ getauft - auch aufgrund des Drängens des 1999 gegründeten Vereins Friends of the High Line und der Unterstützung von prominenten New Yorkern, die auch für Spenden- und Sponsorengelder sorgten. Die Diskussion über Abriss oder Neugestaltung zog sich allerdings über Jahre.

Züge über Schlachthofviertel

Die High Line wurde in den 1930ern im Westen von Manhattan errichtet. Die Züge sollten Frachten über den Straßen des damaligen Schlachthofviertels transportieren. Güterzüge waren zuvor neben dem übrigen Verkehr durch normale Straßen gefahren und hatten nicht nur für Verkehrsinfarkte, sondern auch für viele Unfälle gesorgt. Eine der betroffenen Straßen, die 10th Avenue, hatte vor dem Bau der High Line deshalb den Beinamen „Todesavenue“.

In den 50ern und 60ern verlagerte sich der Gütertransport zunehmend von der Schiene auf die Straße. Ein Teil der Bahntrasse wurde bereits damals abgerissen. Der heute als High Line bekannte Teil wurde 1980 stillgelegt. Der Meatpacking District gehört heute zu den Szenevierteln der Stadt.

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