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Milliardenprojekt jahrelang verzögert

Nach langen Diskussionen ist am Mittwoch der Spatenstich für den Semmering-Basistunnel (SBT) neu gefallen. Eigentlich ist es bereits der zweite Festakt am Fuße des Berges, denn in den 90er Jahren wurde das Projekt schon einmal in Angriff genommen. Doch die niederösterreichische Landesregierung stoppte damals das Projekt. Doch nun feierte Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) mit.

Pröll zählte lange zu den größten Verhinderern des Tunnels. Sei es wegen Sorgen um das Grundwasser oder den Verfall der alten Strecke über den Semmering, Projektgegner und Umweltschutzorganisationen fanden immer ein offenes Ohr in der Landesregierung. Doch die überarbeiteten Pläne dürften letztlich auch den Landeshauptmann überzeugt haben. Es habe drei Gründe gegeben, die ihn umgestimmt hätten, so Pröll im Ö1-Interview - mehr dazu in oe1.ORF.at.

ÖBB-Vorstand Christian Kern, LH Franz Voves, BM Doris Bures, LH Erwin Pröll und EU-Vertreterin Desiree Oen

APA/Herbert Pfarrhofer

ÖBB-Vorstand Kern, der steirische Landeshauptmann Voves (SPÖ), Verkehrsministerin Bures (SPÖ), Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll und EU-Vertreterin Oen

Pröll: Varianten nicht mehr zu überblicken

Es werde bei den aktuellen Plänen mehr Rücksicht auf das Grundwasser gelegt, und die alte Bahn über den Semmering bleibe, so Pröll. Außerdem sei für ihn wichtig gewesen, dass es jetzt zwei Röhren statt einer gebe. Dass er nicht schon früher zu einer Lösung beigetragen hatte, erklärte Pröll damit, dass er kein Experte sei: Es habe „13 oder 15 unterschiedliche Varianten“ gegeben. „Wenn Sie mir zumuten, dass ich das überblicken hätte sollen, das ist ungefähr so, als wenn ich Ihnen zumuten würde, dass Sie über die Raumfahrt Bescheid wissen.“

Teilstück der Ghega-Bahn-Strecke am Semmering

APA/Günter R. Artinger

Seit 150 Jahren führt die Bahnstrecke über den Semmering

Gegner wollen nicht aufgeben

Doch ganz wollen die Gegner ihren Kampf noch nicht aufgeben. Die Naturschutzorganisation Alliance For Nature (AFN) zieht nach wie vor gegen den Tunnelbau zu Felde, hat jeden Bescheid angefochten und auch erst am Montag wieder an der Rechtsstaatlichkeit des Spatenstichs gezweifelt. Teilweise stehen Entscheidungen auch tatsächlich noch aus. So können bis zum 1. Juni am Amt der steirischen Landesregierung noch Einsprüche erhoben werden. Das Verfahren soll aber nicht die aktuellen Arbeiten betreffen, versicherte man bei den ÖBB.

Dass mit dem Spatenstich auch der Tunnel tatsächlich Realität wird, scheint angesichts der wechselhaften Geschichte des Projekts SBT fast wie ein Wunder. Bereits in den 1980er Jahren begannen die ersten Planungen, mehrfach wurde das Projekt - vor allem von niederösterreichischer Seite - politisch totgesagt. Eine 2006 begonnene Überarbeitung der Pläne brachte im Vorjahr dann doch überraschend grünes Licht sämtlicher Behörden.

Pröll: „Nie als Prestigeprojekt gesehen“

Von einem „Prestigeprojekt“ will man in Niederösterreich jedoch immer noch nichts wissen. Zu sehr stand in den letzten Jahren der Ausbau der Westbahn als Hochleistungsstrecke im Fokus. Das sei auch ein Grund gewesen, warum man die Verfahren bis ins Detail abgewickelt habe, sagte Pröll gegenüber Ö1. „Und die Verfahren haben ihre eigene Sprache gesprochen.“ Auch wenn Niederösterreich dem Tunnel keine Priorität einräumte, die Zugsfahrer werden den Unterschied zu schätzen wissen. Während sich der Railjet derzeit mit 45 bis 50 km/h über die kurvenreiche Strecke den Berg hinaufquält, sollen nach Fertigstellung Geschwindigkeiten bis zu 230 km/h möglich sein.

Von der Ostsee an die Adria

Von den ÖBB wurde das Projekt stets als „wesentliches Schlüsselprojekt für die neue Südbahn als zentrale Achse auf der transeuropäischen Route von der Ostsee an die Adria“ beworben. Doch während die Verlängerung Richtung Süden durch die Koralm bereits weit fortgeschritten ist, ist am Semmering mit einer Fertigstellung des Drei-Milliarden-Euro-Projekts erst 2024 zu rechnen, und das obwohl durch denselben Berg bereits zwei Autotunnel führen.

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