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Gesellschaftlicher Status sinkt

Manchmal sind Details aussagekräftiger als das Gesamtergebnis, wie der aktuelle Arbeitsklimaindex deutlich macht. Zwar ging er insgesamt nur um einen Punkt zurück, doch einzelne Teilbereiche zeigen zum Teil starke Veränderungen: So geben 60 Prozent der Beschäftigten an, mit ihrem Einkommen kaum oder gar nicht über die Runden zu kommen.

Der Anteil jener Beschäftigten, die mit ihrem Einkommen nur noch knapp auskommen, stieg im Vergleich zum Vorjahr von 44 auf 50 Prozent. Nimmt man die elf Prozent derjenigen, die mit ihrem Einkommen gar nicht mehr auskommen, so sind es bereits mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmer.

Mittelschicht erodiert

„Die Menschen mit mittlerem Einkommen kommen immer mehr unter Druck“, sagte AK-Präsident Johann Kalliauer bei der Präsentation des Index. „Die zunehmende Schwierigkeit, mit dem erarbeiteten Einkommen einigermaßen gut leben zu können, wirkt sich auch auf das Gefühl aus, an der Gesellschaft teilhaben zu können.“ Die Arbeitnehmer würden sich zunehmend übergangen fühlen, was Einkommen, Rechte und sozialen Status betrifft. Während bei Personen mit Matura und höherer Bildung der Indexrückgang von 113 auf 111 nur gering ausfiel, stürzte er bei Personen mit Pflichtschulabschluss von 104 auf 96 Punkte regelrecht ab.

Das zeigt sich vor allem bei genauerer Betrachtung der Subdimension „Gesellschaftlicher Status“. Er wurde in den Bereichen „Zufriedenheit mit Rechten als Arbeitnehmer“ und „Zufriedenheit mit sozialer Position als Arbeitnehmer“ abgefragt. Letztere liegt aktuell bei 67 Punkten und erreichte damit den tiefste Wert seit dem Frühjahr 1998. Gleichzeitig sind 64 Prozent mit ihren Rechten am Arbeitsplatz unzufrieden.

Düsteres Bild bei Migranten

Die schlechtesten Werte bei der Zufriedenheit zeigen vor allem Personen mit Migrationshintergrund und ältere Arbeitnehmer. Während Einwanderer vor allem über niedrigere Einkommen klagen und mit dem Führungsstil von Vorgesetzten unzufrieden sind, sind ältere Arbeitnehmer pessimistisch, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt betrifft. Nur noch 48 Prozent der Beschäftigten über 45 Jahre halten es für wenig wahrscheinlich, bis 65 Jahre ihre jetzige Arbeit ausüben zu können.

Die Arbeiterkammer warnt vor einem besonders düsteren Bild bei Migranten: „Die Einkommensschere schließt sich nicht, das Auskommen mit dem Einkommen wird immer schwieriger“, heißt es in einer Aussendung. Nur noch 40 Prozent der Migranten glauben an ihre Aufstiegschancen, nur noch jeder Dritte denkt, nach einem Jobverlust leicht wieder neue Arbeit zu finden.

Aber es gibt auch einen Aufwärtstrend zu beobachten. So steigt die Zahl der älteren Arbeitnehmer, die in den vergangenen zwölf Monaten an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen haben. Dafür sank gleichzeitig die Teilnahme der jüngeren Beschäftigten.

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