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Tot im Gehege entdeckt

Die über 100 Jahre alte Galapagos-Riesenschildkröte Lonesome George ist verendet. Der „einsame Georg“ wurde vor knapp einem Monat von seinem Wärter auf einer Forschungsstation der Charles Darwin Foudation (CDF) auf den Galapagosinseln tot in seinem Gehege entdeckt, wie die Naturparkverwaltung mitteilte. Mit Lonesome George ist die Riesenschildkröten-Unterart Chelonoidis nigra abingdoni ausgestorben.

Lonesome George galt jahrelang als das „einsamste und seltenste Tier“ der Welt. Das männliche Exemplar war 1972 von Ziegenhirten auf der Insel Pinta gefunden worden. Bis dahin galt seine Unterart als ausgestorben. In der Forschungsstation der Insel Santa Cruz wurde mehrfach versucht, die Gene Lonesome Georges durch Paarung mit Riesenschildkröten-Weibchen verwandter Unterarten zu erhalten. Die Weibchen legten zwar mehrere Eier, die jedoch alle unbefruchtet waren.

Galapagos Schildkröte Lonesome George

APA/EPA/dpa/Jan Ronneburger

Lonesome George im Gehege

Als Rarität erkannt

Lonesome George soll ein Alter von über 100 Jahren erreicht haben. Sein Wärter Fausto Llerena fand ihn in der Früh (Ortszeit) tot vor seinem Trinknapf. Als Todesursache wurde Herzversagen infolge von Altersschwäche festgestellt. George lebte seit vielen Jahren in einem Gehege der Forschungsstation. Der Panzer des dunkel gefärbten Pflanzenfressers maß der Länge nach etwa einen Meter, das Tier war rund 90 Kilogramm schwer.

Als er gefunden wurde, wurde er als Rarität erkannt und in die Forschungsstation gebracht. George lebte seit Jahren mit zwei Weibchen der sehr ähnlichen Unterart Geochelone nigra becki zusammen - diese stammen von der Insel Isabela. Die Hoffnungen auf Nachwuchs erfüllten sich allerdings nicht. „Wir hofften, dass George einige seiner Gene weitergeben würde“, hieß es von den Forschern vor einigen Jahren. Die Hoffnung blieb unerfüllt.

Nahrung für Seefahrer

Mit George starb eine Tiergruppe aus, die viele Jahre hinweg eigenhändig und rücksichtslos an den Rand der Existenz gedrängt worden war. Seefahrer luden die Reptilien aufs Boot, weil sie auch ohne Pflege lange Zeit bis zum Schlachten „frisch“ blieben. Nach Galapagos eingeschleppte Ratten fressen Eier und Nachkommen der Panzertiere. Vielerorts wurde der Lebensraum der Riesenschildkröten zerstört.

Weiterhin Touristenattraktion?

Wie nach dem Tod bekanntgegeben wurde, soll Lonesome George auch nach dessen Ableben eine Touristenattraktion bleiben - die Schildkröte soll einbalsamiert werden. George werde auf der Insel Santa Cruz ausgestellt, erklärte die ecuadorianische Umweltministerin Marcela Aguinaga wenige Tage nach der Todesmeldung.

Darwins Schildkröte starb vor sechs Jahren

Vor sechs Jahren war eine der ältesten Schildkröten der Welt verendet: Riesenschildkröte Harriet starb 2006 im Alter von 176 Jahren in einem Zoo in Australien an Herzversagen. Das berühmte Tier soll schon Charles Darwin als Anschauungsobjekt für seine Evolutionstheorie gedient haben. Harriet war 1830 auf den Galapagosinseln geschlüpft, verbrachte ihre letzten Jahre jedoch in dem australischen Tierpark, wo sie die Hauptattraktion war. „Darwin soll die Schildkröte von den Galapagosinseln mitgenommen haben“, sagte der Tierarzt des Zoos, John Hangar, damals den Medien.

Harriet verbrachte demnach einige Zeit in Großbritannien, bevor sie sich ungefähr zwischen 1850 und 1860 im Botanischen Garten von Brisbane in Australien wiederfand und später im Australia Zoo landete. Das Tier hieß ursprünglich Harry, weil es zunächst fälschlicherweise für ein Männchen gehalten worden war. Der Fehler wurde erst nach mehr als einem Jahrhundert korrigiert.

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