Themenüberblick

„Staatsbank zockt mit Lebensmitteln“

Nach heftiger Kritik an Nahrungsmittelspekulationen hat die seit April teilstaatliche Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) am Dienstag alle Fonds- und Veranlagungsprodukte vom Markt genommen, die auf Agrarrohstoffen basieren. Der Bankvorstand versicherte in einer Mitteilung ferner, bei der Produktgestaltung künftig sensibler vorzugehen.

Am Montag hatte die ÖVAG ein neues Veranlagungsprodukt der Volksbank Investments („Agrar Rohstoff Garant 2“) beworben. Das Werbeversprechen: „Neues Zertifikat lässt Anleger zu 120 Prozent (ohne Cap) am Aufschwung der weltweit wichtigsten Agrarrohstoffe partizipieren“, namentlich von Mais, Zucker, Sojabohnen und Weizen.

Werben mit der Dürre

„Staatsbank zockt mit Lebensmitteln“, titelte daraufhin am Dienstag die „Tiroler Tageszeitung“. Kritisch hob das Blatt hervor, dass im Werbefolder auch mit der schlimmen Dürre argumentiert wird. „Die ... schlimmste Dürre in den USA seit mehr als 50 Jahren und Ernteausfälle in wichtigen Anbauländern wie Russland, der Ukraine und Kasachstan führen zu einem erheblichen Anstieg der Preise für Mais, Weizen und Soja.“ Auch bei anderen österreichische Banken verfolgt man die emotional geführte Debatte über die in die Höhe geschnellten Nahrungsmittelpreise infolge von Spekulationen auf den Rohstoffmärkten und Missernten.

Empörung über Portfolio

Tirols Arbeiterkammer-Chef Erwin Zangerl sprach von einer „Ungeheuerlichkeit, dass eine Bank, die mit Milliardenhilfe der Steuerzahler gerettet wurde, jetzt noch Produkte anbietet, die darauf wetten, dass Rohstoffe noch teurer werden“. Er forderte die Regierung auf, sich auf EU-Ebene für Maßnahmen gegen Rohstoffspekulationen einzusetzen.

Darauf folgte die Reaktion der Bank: „Die Österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG) zieht sich ab sofort aus dem Markt zurück, in dem von Preisentwicklungen auf Agrarrohstoffe partizipiert werden kann“, hieß es in einer Aussendung. Volksbank Investments würden in diesem Bereich keine neuen Produkte mehr anbieten.

Raiffeisenbank reagiert zögerlich

Die Raiffeisen Centrobank (RCB) „hat die Diskussion schon seit längerer Zeit berücksichtigt“ und lässt alte Agrarspekulationsprodukte auslaufen. Neue würden „seit geraumer Zeit“ nicht mehr begeben. Momentan habe die RCB zwölf Produkte, die der Absicherung von Agrarpreisen dienen, im Portfolio, davon acht Anlagezertifikate, zwei Bonus- und zwei Basket-Produkte, sagte eine Sprecherin zur APA. Insgesamt umfasst das RCB-Portfolio 4.250 Produkte. Das Ausmaß der Agraremissionen habe aber immer nur ein „marginales Ausmaß“ gehabt.

Bank Austria, Erste und BAWAG haben hingegen laut Eigenangaben keine derartigen Produkte im Portfolio. Die ganze Erste Group habe in Österreich weder Zertifikate noch Optionsscheine oder Fonds, die auf Agrarrohstoffe spekulieren, im Angebot, sagte ein Sprecher. Auch bei der BAWAG P.S.K. „stellt sich die Frage eines Fonds oder Zertifikats nicht“, da man keine Fonds oder Zertifikate auf Agrarrohstoffpreis habe, die mit dem „Agrar Rohstoff Garant 2“ der ÖVAG vergleichbar wären, meinte eine Sprecherin. Ebenso die Bank Austria: „Wir haben keine Produkte, die mit Agrarrohstoffen spekulieren.“

Links: