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Riesiges Wachstumspotenzial

Der „Halal-Tourismus“, also Urlaubsreisen, die den Bedürfnissen gläubiger Muslime entsprechen, hat in den letzten Jahren einen kleinen Boom erlebt. Doch das Potenzial ist, wie eine Studie zeigt, weitaus größer. Bis 2020 sollen „Halal-Touristen“ die am größten wachsende Zielgruppe in der Tourismusbranche sein, zeigt eine Studie des US-Instituts DinarStandard.

DinarStandard ist auf die Analyse und Prognose der wachsenden Märkte für gläubige Muslime spezialisiert. Die Umfrage zeigt auch die Ansprüche an die Reisen und Hotelaufenthalte auf. So wird Wert darauf gelegt, dass die Hotels keinen Alkohol ausschenken und dass man sich in Ruhe zum Gebet zurückziehen kann, sei es in den Zimmern, sei es in eigens eingerichteten Beträumen. Wichtig sind laut der Umfrage auch die Familienfreundlichkeit und die Trennung etwa von Spas und Fitnessangeboten für Männer und Frauen.

Bedürfnis nach Urlaub wird größer

So werden etwa auch Fluglinien präferiert, die keinen Alkohol ausschenken, deren Speisen kein Schweinefleisch enthalten und in denen Passagieren die Gebetszeiten mitgeteilt werden. Die Onlineumfrage zeigt auch die gestiegene Nachfrage des Mittelstandes - abseits von Luxusreisen für reiche Muslime - nach einfachen Familienurlauben. Genau auf diesem Massenmarkt liegen auch die Hoffnungen der Touristiker.

Laut Rafi-uddin Shikoh, Geschäftsführer von DinarStandard, sind „Halal-Reisen“ der größte noch unerschlossene Nischenmarkt im Tourismus. Die Forscher - die Studie besteht aus einer Umfrage unter gläubigen Muslimen und Interviews mit Experten - untersuchten 47 Länder, die die größten muslimischen Märkte für Inlands- und Auslandsvergnügungsreisen umfassen. Ausgenommen wurden in der Studie religiös motivierte Reisen, etwa der Hadsch und weitere Pilgertouren. Die Experten zogen für ihre Analyse auch den jährlichen Bericht der UNO-Welttourismusbehörde (UNWTO) heran.

Der Reisemarkt der Zukunft

Der Markt für „Halal-Reisen“ wird laut den Forschern von rund 126 Milliarden Dollar 2011 auf rund 192 Mrd. Dollar im Jahr 2020 wachsen. Der Anteil dieser Reisen am weltweiten Tourismus werde sich von 12,3 Prozent auf 13,4 Prozent erhöhen, so die Prognose. Die jährliche Wachstumsrate wird auf 4,8 Prozent geschätzt, während der weltweite Tourismus nur um rund 3,8 Prozent steigen wird. Damit werde die muslimische Reisebranche der größte touristische Einzelmarkt der Welt, so die Prognose.

Ansprüche wachsen

Saudi-Arabien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesien und Kuwait bilden die Hauptherkunftsländer muslimischer Touristen. Doch auch das soll sich bald ändern. So haben Touristiker bereits die Länder des „arabischen Frühlings“ im Visier. Vor allem die urbane Kundschaft soll angesprochen werden. Der aufstrebende Mittelstand in den islamischen Ländern hat mittlerweile auch genügend Geld für Auslandsreisen, und auch die Ansprüche sind gestiegen.

Die Destination Europa ist nach wie vor gefragt. Doch eine Verschiebung Richtung Südostasien und da vor allem in islamische Länder wird sichtbar. Malaysia ist bei weitem die beliebteste Destination, gefolgt von der Türkei, die sich ebenfalls bereits früh auf „Halal-Touristen“ eingestellt hat. An dritter Stelle liegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Auch Indonesien will an dem Kuchen mitnaschen und erstellt spezialisierte Angebote.

Australien warb mit „Ramadan an Goldküste“

In einigen Hotels in Australien hat man sich unterdessen auf die neue Kundschaft eingestellt und bietet spezielle Angebote an. So konnte man beispielsweise in Queensland „den Ramadan entlang der Goldküste genießen“, wie die Werbung lautete. Auch Thailand geht auf die muslimischen Touristen zu. So gilt Bangkoks Suvarnabhumi-Flughafen laut der Umfrage als der islamfreundlichste der Welt.

Thailand präsentierte erst kürzlich sein Tourismuskonzept für Muslime in Dubai, wobei „Halal“-Spas und „Halal“-Restaurantführer in Bangkok im Mittelpunkt standen, so die International Business Times (IBT). In Großbritannien tut man sich indes weitaus schwerer, „Halal“-Angebote zu finden, wie die BBC schreibt. Was „Halal“ noch am nächsten gekommen sei von dem, was London bei den Olympischen Spielen offeriert habe, sei ein vegetarierfreundliches Hotel gewesen, so die BBC auf ihrer Website.

Für „Massenansturm“ nicht gerüstet

Viele Hotels weltweit gibt es noch nicht, die sich auf die Bedürfnisse gläubiger Muslime eingestellt haben. Reiseanbieter und Hotelketten hinken laut Fazal Bahardeen, Geschäftsführer der in Singapur beheimateten Reiseplattform Crescentrating noch hinterher. Die Tourismusindustrie müsse das ganze Potenzial des Marktes für Urlaubsreisen für Muslimen erst ausloten und den touristischen Rahmen und damit verbunden die richtigen Marketingmaßnahmen erst finden.

Vor allem für einen „Massenansturm“ sind die Kapazitäten bisher nicht ausgebaut. Das soll sich allerdings ändern. Man müsse es der Tourismusindustrie nur schmackhaft machen, verweist er auf die Studie. Auch bei den Fluglinien hinke man hinterher, wie Bahardeen sagt. Hier beschränke sich ein Großteil der islamspezifischen Angebote offenbar auf die Wahlmöglichkeit des Menüs.

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