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Der Aufstieg Obamas

Binnen weniger Jahre ist Barack Obama vom Provinzpolitiker in das wohl mächtigste Amt der Welt aufgestiegen. Gebeutelt von zwei Kriegen und einer tiefen Wirtschaftskrise wählten die USA den jungen Senator aus Illinois im November 2008 als ersten Afroamerikaner zum Präsidenten.

Obama weckte als eine Art politischer Messias die Hoffnung auf einen Wandel („Hope and change“), das Land folgte seiner ermutigenden Parole „Yes, we can“. Vier Jahre später sind Obama und seine Wähler in der Realität angekommen.

Versprechen nicht eingelöst

In der Nacht seines Wahltriumphes hatte Obama das Land auf Entbehrungen eingestimmt. „Auch wenn wir heute Abend feiern, wissen wir doch, dass morgen die größten Herausforderungen unseres Lebens auf uns warten: zwei Kriege, ein Planet in Gefahr, die schlimmste Finanzkrise in einem Jahrhundert“, sagte er damals. Dennoch lasen viele Menschen aus Obamas Rhetorik ein Versprechen auf eine bessere Zukunft heraus, das dieser in einer Amtszeit kaum einlösen konnte.

Auf Hawaii geboren, in Indonesien gelebt

Geboren wurde Barack Hussein Obama 1961 auf den Hawaii-Inseln, er ging aus der kurzen Beziehung seiner weißen amerikanischen Mutter mit einem schwarzen Gaststudenten aus Kenia hervor. Vom Vater hat er den Namen geerbt, der erzkonservative Verschwörungstheoretiker immer wieder am Geburtsort und am christlichen Glauben des Präsidenten zweifeln lässt. Mehrere Jahre seiner Kindheit verbrachte Obama in Indonesien.

Als Teenager kehrte Obama nach Hawaii zurück. Nach seinem Schulabschluss schrieb er sich zunächst in Los Angeles ein, dann studierte er Politik an der Columbia University in New York. Seinen ersten Job hatte Obama bei einer Beratungsfirma, ehe er 1985 als Sozialarbeiter in Chicago anheuerte. Drei Jahre später begann er ein Jusstudium an der Eliteuni Harvard. Dort lernte er seine Frau Michelle kennen, mit der er zwei Töchter im Teenager-Alter hat.

Als Leichtgewicht abgetan

Landesweite Aufmerksamkeit erregte Obama erstmals mit einer Rede auf dem Wahlparteitag der Demokraten 2004. Als er vier Jahre später im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei mitmischte, wurde er zunächst als rhetorisch begabtes Leichtgewicht abgetan. Erst 1997 war Obama als Volksvertreter im Landesparlament von Illinois in die Politik eingestiegen, 2005 wechselte er als Senator auf die große Bühne nach Washington.

Doch seine Gegner unterschätzten ihn. Getragen von der Begeisterung an der Basis baute Obama eine schlagkräftige Wahlkampforganisation auf, wie kein Politiker zuvor setzte er dabei auf die Mobilisierungskraft von Sozialen Netzwerken wie Facebook.

Im Clinch mit Clinton

Erst entriss Obama der parteiinternen Favoritin Hillary Clinton die Nominierung, dann besiegte er den Republikaner John McCain. Als Obama am 20. Jänner 2009 als 44. Präsident der USA vereidigt wurde, trat er ein schweres Erbe an. Mit einer Konjunkturspritze von 800 Milliarden Dollar versuchte er, den freien Fall der Wirtschaft umzukehren. Doch im Sommer 2012 verharrt die Arbeitslosigkeit weiter bei über acht Prozent. Die Staatsschulden sind derweil auf das Doppelte, fast 16 Billionen Dollar, explodiert.

Gegen den Widerstand der Republikaner brachte Obama eine Gesundheitsreform durch den Kongress, im Juni erklärte der Oberste Gerichtshof den größten Umbau des US-Sozialsystems seit Jahrzehnten für verfassungskonform. Der Präsident beendete den Militäreinsatz im Irak und stellte die Weichen für den Abzug aus Afghanistan. Im Mai 2011 tötete ein Elitekommando der US-Armee auf seinen Befehl Al-Kaida-Chef Osama bin Laden. Im Kampf gegen das Terrornetzwerk setzt Obama in Pakistan und im Jemen gnadenlos auf Drohnenangriffe - trotz des Friedensnobelpreises, der ihm zu Beginn seiner Amtszeit verliehen wurde.

Gregor Waschinski, AFP

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Publiziert am 07.09.2012