Themenüberblick

Erstes politisches Attentat in 40 Jahren

Bei einer Siegesfeier der kanadischen Separatisten in der französischsprachigen Provinz Quebec ist ein Mensch erschossen worden. Ein weiterer Teilnehmer sei verletzt worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit.

Ein Mann habe während der Rede der Vorsitzenden der Parti Quebecois (PQ), Pauline Marois, in einem Konzertsaal von Montreal das Feuer eröffnet, so die Polizei. Marois wurde während ihrer Rede von Leibwächtern von der Bühne geholt. Sie blieb unverletzt. Die 63-Jährige trat anschließend wieder ans Mikrofon und forderte ihre Parteifreude auf, den Saal ruhig zu verlassen.

Pauline Marois

AP/The Canadian Press/Graham Hughes

Marois wird in Sicherheit gebracht

Bei Hintereingang Feuer gelegt

Der mutmaßliche Attentäter rief laut Kameraaufzeichnungen in gebrochenem Französisch: „Die Engländer wachen auf.“ Der Täter legte außerdem am Hintereingang des Gebäudes Feuer. Er wollte damit offenbar einen Fluchtweg blockieren. Der etwa 50-jährige Mann wurde später außerhalb des Tagungsortes im Zentrum von Montreal festgenommen. Die tödlichen Schüsse erschüttern das für seine vergleichsweise niedrige Kriminalitätsrate bekannte Kanada, in dem der letzte politisch motivierte Mord mehr als 40 Jahre zurückliegt.

Separatisten vor Wahltriumph

Nach ersten Hochrechnungen kam die PQ bei der Wahl am Dienstag (Ortszeit) auf 32 Prozent der Stimmen. Erstmals in der Geschichte wird damit Quebec mit Marois künftig vermutlich von einer Frau regiert. Die Separatisten treten, wenn sich eine Abspaltung nicht vollziehen lässt, für eine größtmögliche Souveränität vom übrigen, englischsprachigen Kanada ein.

Die Liberalen, seit neun Jahren Regierungspartei, folgten mit 31 Prozent der Stimmen. Für die Konservativen stimmten demnach 27 Prozent. Bestätigt sich dieser Trend, der sich nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen abgezeichnet hatte, haben die Separatisten im Parlament 55 Sitze. Die Liberalen kommen dann auf 49 und die erst zehn Monate zuvor gegründete konservative Koalition für Quebecs Zukunft auf 19 Sitze.

Provinz mit acht Millionen Einwohnern

Die sozialdemokratisch orientierte Partei Quebec Solidaire hätte mit sechs Prozent der Stimmen Chancen auf zwei Sitze. Es gab noch 15 weitere Parteien auf dem Stimmzettel, keine von ihnen hatte aber eine Chance auf den Einzug ins Parlament in der Hauptstadt Quebec. In der Provinz Quebec leben etwa acht Millionen Menschen, von denen knapp sechs Millionen wahlberechtigt sind. Die meisten sprechen Französisch. Es ist die einzige der zehn kanadischen Provinzen, in der nicht Englisch die Hauptsprache ist.

Links: