Themenüberblick
Kernphysiker als große Überraschung
Der als Idealist bekannte Samsom galt lange als Heißsporn, der bei Diskussionen wegen seines schnellen und aggressiven Redestils auffiel. Doch in diesem Wahlkampf ist alles anders. Mit ruhiger Stimme und sachlichen Argumenten konnte er vor allem bei den TV-Konfrontationen überzeugen. Samsom rede geschliffen und komme „wie der perfekte Schwiegersohn rüber“, urteilen Beobachter.
Samsom ganz privat
Der erklärte EU-Befürworter übernahm erst im März dieses Jahres die Parteiführung, nur wenige Wochen vor dem Zusammenbruch der Koalitionsregierung unter Mark Rutte. Sofort machte sich Samsom daran, einen Schlachtplan bis zu den Neuwahlen zu entwickeln und umzusetzen. Ende Juni wurden Werbespots mit ihm und seiner Familie ausgestrahlt - ein ungewöhnlicher Schachzug, der den Spitzenkandidaten für die Wähler jedoch greifbarer macht. Dass in dem Spot auch seine behinderte Tochter zu sehen war, sorgte zudem für Diskussionen.
„Athen braucht mehr Zeit für Reformen“
Der Partei brachte Samsom frischen Wind. Seit der herben Wahlniederlage 2002 suchte die PvdA lange nach einer neuen Linie. 2010 wurde sie zwar wieder zweitstärkste Kraft im Lande, wurde aber von den siegreichen Linksdemokraten nicht ins Regierungskabinett geholt.
Samsom, der aus dem linken Lager kommt, drückte der Partei umgehend seinen Stempel auf. So schlug er beim Thema Griechenland einen eigenen Kurs ein. Während andere Kandidaten versichern, dem pleitebedrohte Mittelmeerland nicht einen weiteren Euro geben zu wollen, will der Chef der Sozialdemokraten der Koalition in Athen mehr Zeit für Reformen geben. „Wenn das zu einem stärkeren Europa führt, sage ich Ja dazu“, sagt Samsom.
Premierposten in greifbarer Nähe?
Dennoch, in den Umfragen vor der Wahl konnte Samsom nicht mit seinen Ideen und seinem Sachwissen punkten, sondern allein durch seine charismatische Art. Daher wurde am Ende die Kampagne auch ganz auf seine Person zugeschnitten. In den letzten Spots war nur noch sein Gesicht zu sehen mit der Botschaft, dass er die Gesellschaft sozialer machen und die Wirtschaft stärken wolle.
Hatte zu Beginn des Wahlkampfs alles noch darauf hingedeutet, dass die Sozialdemokraten neuerlich als die großen Wahlverlierer dastehen würden, wird Samsom nun bereits als neuer Ministerpräsident gehandelt. Für Andre Krouwel, Politologe an der Universität Amsterdam, gibt der 41-Jährige das perfekte Bild „eines potenziellen Ministerpräsidenten“ ab.
Link:
Publiziert am 13.09.2012