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Ein Brüderpaar auf dem Weg nach oben

Es war einer der Höhepunkte des Parteitags der US-Demokraten - und das bereits am ersten Tag: Als am Dienstag Julian Castro seine Rede hielt, erinnerte das viele an einen ebenfalls jungen Mann vor acht Jahren. Damals war Barack Obama in Boston zum ersten Mal groß in Erscheinung getreten. Und schon jetzt hagelt es Vergleiche zwischen dem nunmehrigen Präsidenten und dem Bürgermeister von San Antonio (Texas).

Castros harte Angriffe auf Obamas republikanischen Herausforderer Mitt Romney sorgten für großen Jubel. „In zehn Jahren werden wir sagen, ich war dabei, als er diese Rede hielt“, sagte Obamas Wahlkampfmanager Jim Messina. Tatsächlich gilt der 37-Jährige mit mexikanischen Wurzeln als einer der großen Hoffnungsträger der Demokraten - und das nicht alleine.

Gemeinsam zum Erfolg

Auch sein Zwillingsbruder Joaquin ist auf dem Weg in die Politik: Ihm werden beste Chancen eingeräumt, bei der Wahl im November in den US-Kongress einzuziehen, schon seit 2002 sitzt er im texanischen Abgeordnetenhaus. Die beiden sehen praktisch identisch aus, bei öffentlichen Auftritten wie am Parteitag tragen sie unterschiedlichfarbige Krawatten, damit man sie auseinanderhalten kann.

Julian Castro, Bürgermeister von San Antonio und sein Zwillingsbruder nehmen neben First Lady Michelle Obama Platz

AP/Charlie Neibergall

Das Brüderpaar neben Michelle Obama

Die Politik wurde dem Zwillingspaar quasi in die Wiege gelegt: Ihre Mutter Rosie Castro gilt als Kämpferin für die Rechte von Latinos in Texas. Ihre Söhne besuchten zunächst Stanford und dann wie auch Obama die Universität Harvard. Schon 2001 zog Julian Castro in den Stadtrat seiner Geburtsstadt San Antonio ein, 2009 wurde er im zweiten Anlauf Bürgermeister, 2011 wurde er mit überwältigender Weise wiedergewählt.

Seine Bilanz ist beeindruckend - auch wenn das Tagesgeschäft eine „Council-Managerin“ und nicht der Bürgermeister selbst führt. Die Stadt mit 1,5 Millionen Einwohner hat als eine der wenigen US-Städte ein AAA-Rating, als politisches Hauptziel gab er an, die Bildungsquote dramatisch zu erhöhen.

Castro wiegelt ab

Der Ex-Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, bezeichnete Castro im TV-Sender CNN als den „neuen Barack Obama“. Dass er jetzt schon als Präsidentschaftskandidat für 2016 oder 2020 gehandelt wird, lässt ihn selbst kalt: „Ich würde mich nicht in der gleichen Liga wie Präsident Obama ansiedeln“, sagte der 37-Jährige. Der Präsident habe „einzigartige Talente und Fähigkeiten“, sagte Castro. „Ich bin der Bürgermeister einer Stadt.“

Er nannte es „schmeichelhaft“, dass ihm in den Medien zugetraut werde, eines Tages der erste Latino-Präsident der USA zu werden. „Aber das ist nicht, was ich will“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird, und ich strebe das auch nicht an.“ Derzeit wolle er einen „großartigen Job“ als Bürgermeister von San Antonio machen.

Latinos immer wichtiger

Allerdings denke er, dass die USA bereit seien, einen Präsidenten mit lateinamerikanischen Wurzeln zu wählen. Tatsächlich wird es für die US-Politik immer wichtiger, bei der hispanischen Bevölkerung zu punkten: In den vergangene Jahren ist ihr Bevölkerungsanteil von sechs auf 16 Prozent gestiegen. Und jeden Monat kommen rund 50.000 dazu, die ihren 18. Geburtstag feiern und damit wahlberechtigt sind. Auch die Republikaner haben mit Marco Rubio, Senator aus Florida mit kubanischen Wurzeln, einen jungen Hoffnungsträger dieser Gruppe in ihren Reihen.

Texas als schlechtes Pflaster

Einige Kommentatoren warnen aber vor vorschnellen Karriereprognosen: Zu welcher Schlammschlacht ein Wahlkampf werden würde, wenn jemand mit dem Namen Castro für die Präsidentschaft kandidiert, kann man sich ausmalen. Dokumente, die eine direkte Verwandtschaft mit Kubas „Maximo Lider“ Fidel Castro, Erzfeind der USA für Jahrzehnte, beweisen, würden wohl rasch aus dem Hut gezaubert werden. Der „New Yorker“ wies darauf hin, dass Julian Castros Rede zwar gut, aber keineswegs so bahnbrechend wie Obamas 2004 gewesen sei.

Das stärkste Argument bringt aber die „Washington Post“: Die Castros seien einfach im falschen Bundesstaat aufgewachsen. Texas ist seit Jahrzehnten fest in der Hand der Republikaner - und zwar in jener der sehr konservativen Republikaner: Der letzte Demokrat wurde 1970 in Texas in den Senat gewählt, die letzte demokratische Gouverneurin war Dorothy Ann Richards, sie gewann die Wahl 1990. Verändern könnte sich das Bild aber, wenn der Anteil der Latinos weiter so stark wächst wie in den vergangenen Jahren.

Begeisterung nach Rede

Zumindest derzeit hat aber Julian Castro Rückenwind: Vor allem die hispanische Bevölkerung - eine wichtige Klientel der Demokraten - zeigte sich von der Rede begeistert: „Es wird gerade Geschichte geschrieben“, twitterte die Schauspielerin Eva Langoria („Desperate Housewives“). „Gracias“ (Danke), schrieb der Popsänger Ricky Martin. Viele Zuschauer an den Fernsehern reagierten offenkundig genauso begeistert wie die Delegierten in der Arena; der Kurznachrichtendienst Twitter zählte Zehntausende Kommentare.

Immer wieder hatte er darin durchblicken lassen, wie sehr sein Werdegang dem des amtierenden Präsidenten ähnelt. Seine Großmutter sei eine alleinerziehende Immigrantin aus Mexiko, erzählte er. Trotzdem habe er es zum Bürgermeister einer Großstadt mit einem Abschluss von der Eliteuniversität Harvard gebracht. „Amerika machte unsere Geschichte möglich. Unsere Nation ist wie keine andere. Egal, wer man ist oder wo man herkommt, der Weg führt immer vorwärts“, sagte er.

Castro warnte, dass ein Präsident Romney diese Wege mit seiner Wirtschaftspolitik versperren würde. Sie „prügelt nicht nur auf die Mittelschicht ein - sie demontiert sie“, erklärte der Jungpolitiker. Auch mit Spott über Obamas Kontrahenten hielt er sich nicht zurück: „Mitt Romney schnallt es einfach nicht“, sagte er mit einem spitzbübischen Lächeln.

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