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Aktionismus und markige Sprüche
Der Chef der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida gilt als wortgewandt, offen und als Freund starker Sprüche. Etwa als der ehemalige Chef der Tourismusgewerkschaft die damalige schwarz-blaue Regierung warnte, dass die Republik brennen werde, wenn man die geplanten Sozialeinschnitte tatsächlich durchführe.
Kaske stammt aus einer Arbeiterfamilie in der Wiener Leopoldstadt. Seine Kochlehre absolvierte er im Wiener Hotel Intercontinental. Seine ersten Schritte in der Arbeitnehmervertretung setzte er als Jugendvertrauensrat. Kaske ist verheiratet und hat zwei Stieftöchter.
Forsches Auftreten
In der damaligen Tourismusgewerkschaft (HGPD) schwang sich Kaske recht jung zum Zentralsekretär auf und war führend in die Kollektivvertragsverhandlungen eingebunden. Sein aktionistisches Talent zeigte sich rasch im Kampf um die Fünftagewoche, etwa als er mit 500 Menschen das Salzburger Sternbräu des ÖVP-Politikers Günter Puttinger „besetzte“, indem man sich einfach an die Tische setzte und beim billigsten Getränk verharrte.
Kaskes forsches Auftreten kam in den eigenen Reihen an. 1995 wurde er Chef der HGPD und blieb das auch bis zu deren Auflösung im Rahmen der vida-Gründung 2006. Bis dahin sollte es Kaske aber noch zu überdurchschnittlicher Bekanntheit für den Vorsitzenden einer Kleinstgewerkschaft bringen.
„Dann brennt die Republik“
Als die Regierung Schüssel 2000 ihre ersten Sozialeinschnitte plante, drohte die Gewerkschaft mit Generalstreik, und Kaske unterstützte das mit markigen Worten: „Unsere Gewerkschaft ist gerüstet. Wenn einmal dieses Arbeitslosenheer marschiert, dann brennt die Republik.“ Massive Kritik von ÖVP und Freiheitlichen war die Folge, zurückgerudert ist Kaske nicht.
Dennoch gilt Kaske in der Sozialpartnerschaft weniger als Heißsporn denn als einer der pragmatischsten und verlässlichsten Verhandler. Sein Bekanntheitsgrad kam ihm möglicherweise zugute, als es darum ging, den Vorsitz in der vida - einem heterogenen Gewerkschaftsprodukt, das von Eisenbahnern über Piloten bis zu Fußpflegern sehr unterschiedliche Berufsgruppen vereint - zu übernehmen.
Ehemaliger BAWAG-Aufsichtsrat
Denn eigentlich erschien es damals als klar, dass der oberste Eisenbahner Wilhelm Haberzettl den Vorsitz übernimmt, was er aber überraschenderweise nicht tat. Und so sprang Kaske in die Bresche. Leicht hatte er es in der vida nicht, da die Interessenslagen der in der Gewerkschaft zusammengeführten Berufsgruppen sehr unterschiedlich sind. Am heikelsten wurde es letzten Frühling, als Kaske im AUA-Streit den Tyrolean-Kollektivvertrag gegen den Willen der dortigen Belegschaft kündigte.
Solche Sorgen ist er nunmehr los - die der BAWAG auch schon seit längerem. Dass er in der vormaligen Gewerkschaftsbank im Aufsichtsrat saß und wie alle anderen nichts von den Malversationen mitbekommen hatte, ist mittlerweile fast vergessen.
Verhängnisvoller Hang zum Toilettengang
Als Arbeiterkammer-Präsident dürfte Kaske zwar die erfolgreiche Serviceschiene seines Vorgängers unverändert weiterfahren, aber durch kantigere politische Aussagen auffallen. Dass er um einen flotten Spruch selten verlegen ist, bewies der künftige AK-Präsident erst im Vorjahr, als er AUA-Boss Jaan Albrecht mit einer SPÖ-Legende verglich, der man den Hang zum Toilettengang nachsagte, wenn es einmal kritisch wird: „Der kommt mir vor wie der zweite Heinz Fischer: Immer wenn’s brenzlig wird, war er nicht dabei.“ Diesmal hat sich Kaske entschuldigt.
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Publiziert am 10.09.2012