Überraschungssieger beim Filmfestival von San Sebastian
Der Franzose Francois Ozon hat mit seinem Thriller „Dans la maison“ („Zu Hause“) überraschend den Hauptpreis beim Internationalen Filmfestival in San Sebastian gewonnen. Er erhielt gestern in der nordspanischen Küstenstadt für seinen Streifen über die Freundschaft zwischen einem Lehrer und einem literarisch begabten Schüler die Goldene Muschel für den besten Film.
Der Regisseur wurde zum Abschluss der 60. Ausgabe des Festivals auch zusammen mit dem spanischen Schriftsteller Juan Mayorga für das beste Drehbuch ausgezeichnet.
Als große Favoriten hatten die zwei spanischen Schwarz-Weiß-Filme „Blancanieves“ („Schneewittchen“) von Pablo Berger und „El artista y la modelo“ („Der Künstler und das Model“) von Fernando Truebas gegolten. Sie gingen im Kampf um den Hauptpreis zwar leer aus. Berger gewann aber mit seinem Film, der das Märchen der Gebrüder Grimm in die Welt des Stierkampfs verlagert, den Sonderpreis der Jury. Trueba erhielt die Silberne Muschel für die beste Regie. Die Spanier Jose Sacristan und Macarena Garcia sowie die Kanadierin Katie Coseni erhielten die Silberne Muscheln für die besten Darsteller.
„Kleiner Bruder“ von Cannes, Venedig und Berlin
Der Gewinner des Hauptpreises widmete seine Auszeichnung den spanischen Filmemachern. „Sie sind in einer schwierigen Lage“, sagte Ozon unter Hinweis auf die drastischen Einsparungen im spanischen Kulturhaushalt. „Auf diese Weise werden wir die Krise nicht überwinden.“
Das Festival von San Sebastian gehört zu den großen internationalen Filmfesten in Europa, gilt allerdings nur als der „kleine Bruder“ der Festivals von Cannes, Venedig und Berlin. In diesem Jahr erlebte es einen Aufmarsch von Kinogrößen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dustin Hoffman, Oliver Stone, Ewan McGregor, Tommy Lee Jones und John Travolta wurden mit Sonderpreisen der Stadt San Sebastian ausgezeichnet.
Publiziert am 29.09.2012