Amnesty: Ägyptens Polizei so brutal wie unter Mubarak

Die Menschenrechte werden in Ägypten heute noch genauso mit Füßen getreten wie in der Ära von Präsident Hosni Mubarak. Wer in die Hände der Sicherheitskräfte gerät, dem drohen weiterhin sexuelle Gewalt und Elektroschocks: Zu diesem Schluss kommt ein gestern in Kairo veröffentlichter Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International über Gewalt durch Polizeikräfte und Soldaten.

Darin heißt es, Präsident Mohammed Mursi und die neue Regierung hätten bisher nichts gegen die weit verbreitete Misshandlung von Demonstranten und Häftlingen unternommen. Auch dem Obersten Militärrat, der nach dem erzwungenen Rücktritt Mubaraks im Februar 2011 für 16 Monate die Macht übernommen hatte, stellen die Menschenrechtler ein schlechtes Zeugnis aus.

Elektroschocks und scharfe Munition

Der Bericht führt Beispiele von Demonstranten auf, die mit Elektroschocks traktiert und sexuell gedemütigt wurden. Polizisten und Soldaten hätten auf Proteste mehrfach mit „exzessiver Gewalt“ reagiert, heißt es. Dadurch hätten sie den Tod Dutzender Demonstranten provoziert, so Amnesty.

In einigen Fällen wurde demnach mit scharfer Munition in die Menge geschossen. Von unverhältnismäßigen Tränengaseinsätzen ist ebenfalls die Rede. Tausende Menschen seien außerdem zu unfairen Prozessen vor Militärgerichte zitiert worden, heißt es in dem Bericht.

Die Organisation erinnert die neue ägyptische Führung, die von den islamistischen Parteien dominiert wird, an ihre historische Verantwortung. Einer der Auslöser für die ägyptische Revolution vom 25. Jänner war der Tod von Chaled Said aus Alexandria gewesen. Der junge Mann war von zwei korrupten Polizisten zu Tode geprügelt worden.

Publiziert am 02.10.2012